Politik

Chérif Chekatt auf der Flucht Weiteres Opfer stirbt nach Anschlag in Straßburg

d355438184c8cf24669798355b9572d6.jpg

Die Polizei fahndet weiterhin nach Chérif Chekatt.

dpa

Nach dem Terroranschlag in Straßburg stirbt ein drittes Opfer. Ein weiteres ist hirntot, wie die Staatsanwaltschaft bestätigt. Derweil geht die Fahndung nach dem mutmaßlichen Täter weiter und die Bundesanwaltschaft schaltet sich in die Ermittlungen ein.

Die Zahl der Todesopfer des Straßburger Terroranschlags ist von zwei auf drei gestiegen. Ein viertes Opfer sei hirntot, bestätigte die Staatsanwaltschaft in Paris. Der mutmaßliche Attentäter war derweil weiter auf der Flucht. Der polizeibekannte Gefährder Chérif Chekatt soll am Dienstagabend mitten in der Weihnachtssaison das Feuer in der Straßburger Innenstadt eröffnet haben. Zeugen hatten den Angreifer "Allahu Akbar" (Allah ist groß) rufen hören. Die Polizei suchte in Frankreich und Deutschland nach ihm.

*Datenschutz

Unter den Todesopfern ist ein 45 Jahre alter Tourist aus Thailand. Nach Medienberichten starb er durch einen Schuss in den Kopf. Ein italienischer Journalist liegt im Koma, wie der Vater seiner Partnerin italienischen Medien sagte. Er könne nicht operiert werden, weil ein Projektil in der Nähe des Schädels und der Wirbelsäule stecke.

Derweil schaltete sich die Bundesanwaltschaft in die Ermittlungen gegen Chekatt ein. Am Mittwoch sei ein Verfahren gegen Chekatt wegen Mordes, versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung eingeleitet worden, sagte eine Sprecherin der Karlsruher Behörde dem Berliner "Tagesspiegel". Die Bundesanwaltschaft habe die Ermittlungen wegen der besonderen Bedeutung des Falls aufgenommen. Ein weiterer Grund sei, dass bei dem Anschlag auf dem Weihnachtsmarkt sechs Deutsche betroffen gewesen seien, auch wenn sie nicht verletzt worden seien. Die Menschen aus Deutschland seien traumatisiert, sagte die Sprecherin der Bundesanwaltschaft. Sie betonte, die Federführung der Ermittlungen liege weiterhin bei den französischen Behörden.

Der Angreifer war am Dienstagabend auf der Flucht vor der Polizei von Soldaten verletzt worden und schließlich spurlos verschwunden. Am Mittwochabend veröffentlichte die französische Polizei ein Fahndungsfoto des Attentäters samt Täterbeschreibung. Auch süddeutsche Bundespolizei-Stationen, das Bundeskriminalamt und die Schweizer Bundespolizei verbreiteten auf Twitter den Aufruf der Police National.

"Der Mann ist gefährlich"

Die Polizei sucht zudem Zeugen. In dem Aufruf heißt es: "Der Mann ist gefährlich, bitte nicht selbst eingreifen." Der Gesuchte sei 29 Jahre alt, 1,80 Meter groß, habe kurze Haare, sei vielleicht Bartträger und habe eine Narbe auf der Stirn. Der mehrfach vorbestrafte Angreifer soll sich im Gefängnis radikalisiert haben. Der gebürtige Straßburger mit nordafrikanischen Wurzeln saß wegen schweren Diebstahls auch in Deutschland in Haft. Das Innenministerium in Paris schloss am Mittwochmorgen nicht aus, dass der Täter nach Deutschland geflüchtet sein könnte. Gesucht werde auch der Bruder des Attentäters.

Die Bundespolizei fahndet im deutsch-französischen Grenzgebiet nach dem Attentäter. Insbesondere in der deutschen Grenzstadt Kehl, aber auch im Hinterland werde kontrolliert, sagte eine Sprecherin der Bundespolizei. Überwacht würden Fahrzeuge, der Personenverkehr über eine Fußgängerbrücke über den Rhein sowie Züge und Straßenbahnen. Auch Spezialkräfte seien im Einsatz.

Das RBB-Inforadio berichtete unter Berufung auf Sicherheitskreise, Chekatt sei unmittelbar vor der Tat aus Deutschland angerufen worden. Er habe den Anruf jedoch nicht angenommen. Unklar sei, wer ihn angerufen habe und warum. Dieser Frage gehen deutsche Ermittler nun intensiv nach, wie der Sender weiter berichtete.

Die französische Regierung rief die Protestbewegung der "Gelbwesten" nach dem Terroranschlag auf, am Wochenende nicht zu demonstrieren. "In diesem Stadium, in dem ich zu Ihnen spreche, haben wir beschlossen, die Demonstrationen am Samstag nicht zu verbieten", sagte Regierungssprecher Benjamin Griveaux dem Sender C News. Er appellierte allerdings an die Demonstranten vernünftig zu sein - es liege in ihrer Verantwortung nicht zu demonstrieren. In den vergangenen Wochen hatte es massive Proteste der "Gelbwesten" gegen die Reformen der französischen Regierung gegeben. Dabei kam es immer wieder auch zu gewalttätigen Krawallen.

Quelle: n-tv.de, mli/dpa/AFP

Mehr zum Thema