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Zweifel an Verminung durch IranWelche Rolle könnte Europa in der Straße von Hormus spielen?

16.03.2026, 17:43 Uhr
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EU-Marinemission Aspides im Roten Meer - Ausweitung auf die Straße von Hormus? (Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS)

Nach der Forderung von US-Präsident Trump nach Hilfe bei der Sicherung des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus wird über einen europäischen Beitrag diskutiert. Doch Experten zweifeln, ob die Marinen die richtigen Fähigkeiten mitbringen.

Die Straße von Hormus ist seit Beginn des Iran-Krieges de facto durch den Iran gesperrt. US-Präsident Donald Trump setzt nun auf die Hilfe anderer Staaten - und erwartet Unterstützung von China, Frankreich, Japan, Südkorea, Großbritannien und anderen Ländern, die ihr Öl über die Straße von Hormus bekommen. Aber inwiefern könnten Europas und Deutschlands Marinen überhaupt dazu beitragen?

Die Passage der Straße von Hormus, durch die rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggashandels läuft, ist wegen drohender Angriffe im Iran-Krieg zum unkalkulierbaren Risiko für Handelsschiffe geworden. Die Fahrrinne ist teilweise nur zwei Seemeilen (etwa 3,7 Kilometer) breit. Schiffe müssen zudem auf Höhe von iranischen Inseln und einer gebirgigen Küste, die den iranischen Streitkräften Deckung bietet, eine Kurve fahren. Berichte über angeblich vom Iran in der Straße von Hormus verlegte Seeminen befeuerten die Sorgen zuletzt.

Experten gehen davon aus, dass besonders mit Blick auf die Beseitigung von möglichen Seeminen Europa eine Rolle spielen könnte. So betonte der österreichische Historiker und Offizier Oberst Markus Reisner im Gespräch mit ntv.de, dass die europäischen Länder über mehr Kapazitäten beim Minenräumen verfügen würden als die USA, "weil traditionellerweise gerade in der Nord- und Ostsee der Minenkampf eine höhere Bedeutung hat als auf den Weltmeeren".

Der Militärexperte Carlo Masala unterstrich gegenüber ntv.de die Fähigkeiten der Europäer beim Beseitigen von Seeminen - wies jedoch darauf hin, dass es derzeit keine Hinweise dafür gebe, dass der Iran Seeminen in der Straße von Hormus verlegt habe. "Es gibt Schiffe, die die Straße von Hormus schon passiert haben", so Masala. "Also kann sie nicht vermint sein." So hatten zuletzt Schiffe unter indischer Flagge die Straße von Hormus sicher durchfahren.

"Es sind Drohnen, es sind Raketen"

Laut Masala drohen an der Meerenge jedoch andere Gefahren: "Es sind Drohnen, es sind Raketen und es ist möglicherweise auch Artillerie, die von der Küste aus abgefeuert werden können, um auf die Schifffahrt in der Straße von Hormus zu zielen", so der Experte. Mindestens 18 Schiffe sind seit Beginn des Kriegs am 28. Februar im Persischen Golf attackiert worden, unter anderem durch mit Sprengstoff beladene, unbemannte Schnellboote.

Die konventionelle Marine des Iran ist zwar weitgehend zerstört, doch die Revolutionsgarden verfügen über zahlreiche andere Möglichkeiten. Dazu gehörten schnelle Angriffsboote, Mini-U-Boote, Minen und sogar mit Sprengstoff beladene Jet-Skis, sagt Tom Sharpe, ein pensionierter Kommandeur der britischen Royal Navy. Dem gemeinnützigen Forschungsinstitut Centre for Information Resilience zufolge hat Teheran die Kapazität, monatlich rund 10.000 Drohnen zu produzieren.

Bedrohung durch Selbstmordkommandos

Der Geleitschutz für drei oder vier Schiffe pro Tag wäre kurzfristig mit sieben oder acht Zerstörern machbar, sagt Sharpe. Dies hänge jedoch davon ab, ob die Gefahr durch Mini-U-Boote verringert werden könne. Eine monatelange nachhaltige Sicherung würde weitaus mehr Ressourcen erfordern. Selbst wenn die Fähigkeit des Iran zum Einsatz von Raketen, Drohnen und Seeminen zerstört würde, bliebe die Bedrohung durch Selbstmordkommandos bestehen, sagt Adel Bakawan, Direktor des European Institute for Middle East and North African Studies.

Als möglicher europäischer Beitrag wurde bereits eine Ausweitung der EU-Marinemission Aspides im Roten Meer zum Schutz der Seewege in der Straße von Hormus diskutiert. Das Problem ist aus Sicht von Oberst Reisner, dass die Europäer nur überschaubare Möglichkeiten besäßen, etwa mit Blick auf die verfügbaren Abwehrraketen. Bei den europäischen Marinen habe es "aufgrund der Friedensdividende eine massive Abrüstung" gegeben, so Reisner.

Derzeit sind im Rahmen der Aspides-Mission drei Kriegsschiffe im Einsatz - je eines aus Frankreich, Griechenland und Italien. Die Bundeswehr beteiligt sich seit Februar 2024 an der EU-Marinemission Aspides. Gemäß einem Bundestagsbeschluss können bis zu 700 Soldatinnen und Soldaten eingesetzt werden. Die Deutsche Marine entsendet dabei regelmäßig eine ihrer drei Fregatten der sogenannten Sachsen-Klasse, die nach Bundeswehr-Angaben "besonders durch ihre weitreichenden Luftverteidigungsfähigkeiten zum Schutz von Schiffen gegen multidimensionale Angriffe geeignet" sind.

Quelle: ntv.de, kst

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