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Land unter auf Fidschi Wenn das Wasser zum Feind wird

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Wenn nichts getan wird, könnte der Wasserspiegel zum Ende des Jahrhunderts 1,40 Meter höher stehen.

(Foto: dpa)

In Bonn beginnt der alljährliche Klimagipfel. Zum ersten Mal hat einer der kleinen Pazifikstaaten den Vorsitz, die unter der Erderwärmung besonders zu leiden haben: Fidschi. Der Inselstaat muss wegen des steigenden Meeresspiegels ganze Dörfer verlegen.

Das Dorf Narikoso auf Ono, einer von mehr als 300 Inseln des Pazifikstaats Fidschi, hat alles, was es zu einer Südsee-Idylle braucht: Strand, Palmen, blaues Meer. Nur, dass es vom Wasser mittlerweile zu viel wird. Bei Flut steht der Pazifik in Narikoso nun direkt vor den Häusern. Grund dafür: der steigende Meeresspiegel. Hier kann man sehen, was der Klimawandel ist. Kelepi Saukitoga, seine Frau Muriani und die vier Söhne werden deshalb umziehen müssen - weg vom Meer, ein paar hundert Meter weiter ins Innere der Insel. "Wir haben auf Fidschi ein Sprichwort: "Das Wasser trennt die Inseln nicht, es verbindet sie"", sagt der 40-Jährige. "Aber irgendwann ist es für uns zum Feind geworden."

Jetzt will Saukitoga mit seiner Familie nur noch weg. Man kann das verstehen: Das Fundament seines Hauses ist kaputt. Überall sind Risse. In den Mauern steckt die Feuchtigkeit. An der Küchendecke wuchern Pilze. Die Erde draußen schlägt Blasen, so schwer ist sie mit Wasser getränkt. Der Boden ist völlig versalzen. Hier wächst schon lange nichts mehr. Vom Müllhaufen nebenan schwimmt Dreck heran. Es ist eine ekelhafte Brühe, die näher und näher kommt. Die neue Unterkunft, in die die Saukitogas nächstes Jahr einziehen wollen, liegt auf einem Hügel. Mit ihnen sollen in einem ersten Schritt sechs andere Familien neue Häuser bekommen. Narikoso ist nur eines von insgesamt 42 Dörfern, die Fidschis Regierung auf absehbare Zeit ganz oder teilweise verlegen will. Experten schätzen, dass es mehr als hundert sein werden.

Fidschi gehört zu den Ländern, die unter dem Treibhauseffekt besonders leiden. Seit 1993 stieg der Meeresspiegel hier pro Jahr um durchschnittlich sechs Millimeter - also fast schon 15 Zentimeter. Wenn nichts getan wird, wird das Wasser zum Ende des Jahrhunderts vermutlich 1,40 Meter höher stehen. Aber selbst wenn das Pariser Klimaabkommen umgesetzt würde, wären es noch 65 Zentimeter. Auf manchen Fidschi-Inseln verlief die Küstenlinie vor ein paar Jahren noch 25 Meter weiter draußen. Zudem wird das Wetter extremer. Vergangenes Jahr nahm ein Wirbelsturm, wie es ihn hier noch nie gegeben hatte, 44 Menschen das Leben. Die höheren Wassertemperaturen gefährden die Korallenriffe und die Fischwelt. Trotzdem ist das Interesse im Rest der Welt gering, zumal es Fidschi in der Region noch verhältnismäßig gut geht. Das Land hat immerhin Hügel und richtige Berge. Andere Inselstaaten wie Kiribati ragen am höchsten Punkt nur wenige Meter aus dem Wasser. Nun allerdings erhält Fidschi zumindest vorübergehend mehr Aufmerksamkeit: Als erster kleiner Inselstaat führt es den Vorsitz des jährlichen Klimagipfels. Die zweiwöchige Konferenz findet aber nicht hier statt, sondern 16.000 Kilometer weiter, in Bonn.

Fidschis Einwohner ärgern sich

Für 25.000 Teilnehmer reichen trotz Südsee-Tourismus die Zimmer nicht. Zudem - Stichwort CO2-Bilanz - hätte es sich wohl auch nicht gut gemacht, wenn so viele Klimaschützer einmal um die halbe Welt geflogen wären. Wichtigster Grund ist aber, dass am Rhein das UN-Klimasekretariat seinen Sitz hat. Nach dessen Satzung findet der Gipfel in Bonn statt, wenn sich in der Weltregion, die eigentlich an der Reihe wäre (dieses Mal: Asien), kein Gastgeber bereiterklärt. China und Japan lehnten ab. So führt nun Fidschi den Vorsitz und Deutschland ist Co-Gastgeber. Zudem engagieren sich die Deutschen in dem Inselstaat mit einer Reihe von Projekten. Auch bei der Umsiedlung von Narikoso hilft die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit, die zu 100 Prozent dem Bund gehört. Kosten: 325.000 Euro.

Auf die wichtigsten Verursacher der Erderwärmung, die Industriestaaten, sind sie in Narikoso nicht gut zu sprechen. Allerdings wissen die Leute, dass sie auch selbst Schuld tragen. Auch hier wurden über Generationen hinweg Mangrovenwälder abgeholzt - um zu heizen, zu kochen, zu bauen. Vielerorts löst sich der Sandboden jetzt auf wie Strickzeug, aus dem jemand die Nadeln gerissen hat. "Natürlich sind wir Teil des Problems", gibt der Fischer Saimono Vatu zu. "Die Leute haben sich einfach keine Gedanken gemacht." Inzwischen kostet es 1000 Fidschi-Dollar (etwa 410 Euro), wenn man beim Abholzen erwischt wird, mehr als ein monatliches Durchschnittseinkommen.

Was die Zukunft ihres 250 Jahre alten Dorfes angeht, sind die Leute in Narikoso pessimistisch. "Eines Tages wird das ganze Dorf auf einem Hügel stehen", meint Saukitoga. "Wenn es überhaupt noch Leute gibt." Im letzten Jahrzehnt sind etwa hundert Dorfbewohner - so viele, wie es jetzt noch sind - auf andere Inseln gezogen. Zudem ist die Umsiedlung ja auch keine Garantie, dass das Leben besser wird. Auf Fidschi sind inzwischen drei Dörfer komplett von der Küste wegverlegt worden. In den meisten Fällen haben sich die Leute damit abgefunden. Es gibt aber auch welche, die in ihre alten, beschädigten Häuser zurückzogen sind.

Quelle: n-tv.de, lri/dpa

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