Politik

"Was ist Minnesota?" Wie das "Lincoln Project" Trump trollt

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Trump und das "Super-V" - Screenshot aus dem Film des "Lincoln Project".

(Foto: Screenshot Lincoln Project)

Abtrünnige Republikaner stellen Donald Trump in einem 90-sekündigen Film auf Twitter als Trottel dar. Genau das macht Trump mit seinem Konkurrenten Joe Biden.

Mit einem Zusammenschnitt des jüngsten Wahlkampfauftritts des US-Präsidenten macht das "Lincoln Project" sich über Donald Trump lustig. Trump hatte im US-Bundesstaat Minnesota vor hunderten Anhängern den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Joe Biden als "eine Marionette linker Extremisten" bezeichnet, die "amerikanische Freiheit durch linken Faschismus ersetzen wollten".

Insgesamt hatte Trump am Montag drei Wahlkampfauftritte - zwei in Minnesota und einen in Wisconsin. Beides sind sogenannte battleground states, also Bundesstaaten, die umkämpft sind, weil der Ausgang der Präsidentschaftswahl dort offen ist.

Der 90-Sekunden-Film des "Lincoln Project" porträtiert Trump als Tölpel. Er fängt damit an, dass Trump sagt: "Ich weiß nicht, was Minnesota ist, wo ist das, bitte?" Tatsächlich hatte Trump diesen Satz in seiner Rede Biden in den Mund gelegt, um diesen als vertrottelt darzustellen. Dies ist ein immer wiederkehrendes Motiv des aktuellen Wahlkampfes in den USA: Beide Seiten werfen dem Kandidaten der anderen Partei vor, minderbemittelt zu sein oder gar an der Schwelle zur Demenz zu stehen.

An einer anderen Stelle spricht Trump über die Erholung der US-Wirtschaft, die wie ein V verlaufe. Wie er dies formuliert, ist speziell: "Ich sagte V und alle sagten, ein V ist unmöglich, aber das V, es ist mehr als ein V, es ist ein Super-V, das zeigen die Zahlen, die wir jetzt haben." Später in der Rede inszeniert Trump einen Dialog mit Gott: "Habe ich einen tollen Job gemacht, Gott? Ich bin der einzige, der das machen konnte?" Gott habe geantwortet: "Das solltest du nicht sagen. Jetzt müssen wir dich das noch mal machen lassen." Darauf Trump: "Okay, ich stimme zu. Du hast mich."

Das "Lincoln Project" ist ein Zusammenschluss von Republikanern, die eine Wiederwahl von Trump verhindern wollen. Mit TV-Spots und Spots im Netz stellen sie Trump wahlweise als Gefahr oder als Depp dar. Mehr dazu lesen Sie hier.

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Trumps Auftritt fand mehr oder weniger parallel zum Start des demokratischen Parteitags statt, auf dem Biden offiziell zum Präsidentschaftskandidaten seiner Partei gekürt werden soll. Wegen der Corona-Epidemie findet der Konvent vorwiegend virtuell statt. Wie üblich tritt der Kandidat erst am Donnerstag auf, um in einer großen Rede seine Nominierung anzunehmen.

Am Montag wandte sich die frühere First Lady Michelle Obama per Video-Aufzeichnung an Parteifreunde und Wähler, um für Biden zu werben und vor vier weiteren Jahren unter Trump zu warnen. Die Amtszeit von Trump sei von "Chaos, Spaltung und einem kompletten Mangel an Mitgefühl" geprägt, sagte Michelle Obama. Über den demokratischen Kandidaten, der acht Jahre lang an der Seite ihres Mannes Vizepräsident gewesen war, sagte sie: "Ich kenne Joe. Er ist ein zutiefst anständiger Mann, der vom Glauben geleitet wird", sagte Obama. "Er war ein fantastischer Vizepräsident. Er weiß, was es braucht, um eine Wirtschaft zu retten, eine Pandemie zurückzuschlagen und unser Land zu führen."

Quelle: ntv.de, hvo/dpa/AFP