Politik
Das Team: Moritz Hohenfeld, Louis Klamroth und Niklas Rakowski wollen den demokratischen Austausch fördern.
Das Team: Moritz Hohenfeld, Louis Klamroth und Niklas Rakowski wollen den demokratischen Austausch fördern.
Donnerstag, 31. August 2017

"Diskutier Mit Mir" : Wir müssen reden!

Merkel oder Schulz. Flüchtlinge und Terror. Bei solchen Themen ziehen sich tiefe Meinungsgräben durch Deutschland. Mit der Plattform "Diskutier Mit Mir" will n-tv Moderator Louis Klamroth den Austausch zwischen Menschen fördern, die nicht einer Meinung sind.

Am Kaffeetisch bei Muttern? Beim Abendessen mit dem Chef? Auf der Geburtstagsparty von Bekannten? Mit den Facebook-Freunden, die man noch nicht aussortiert hat? Die Gelegenheiten, mit Menschen zu diskutieren, die anderer politischer Meinung sind, als man selber, sind im Alltag rar - oder schwierig. "Offline und Online sind wir alle gefangen in unseren Blasen", sagt n-tv Moderator Louis Klamroth. "Online sind unsere Lebenswirklichkeiten von Algorithmen kuratiert und offline sind wir oft zu feige, uns Diskussionen zu stellen. Dabei ist in der Demokratie die Diskussion ein Wert an sich."

Eine Diskussion helfe, andere Perspektiven zu verstehen und die eigene Meinung zu hinterfragen, so Klamroth.

Der 27-Jährige weiß, wovon er spricht: Im n-tv Polit-Talk "Klamroths Konter" diskutiert der Moderator seit 2016 mit Gästen aus Politik, Wirtschaft oder Gesellschaft. Ob FDP-Chef Christian Lindner, AfD-Politiker André Poggenburg oder CDU-Finanzstaatssekretär Jens Spahn, Klamroth findet seine Gäste spannend und hakt gern mal nach. Besonders dann, wenn sein Gegenüber schon vermutet, dass die Antwort nicht gerade auf Zustimmung stoßen wird.

Doch nicht jeder hat die Möglichkeit, in einer Talkshow zu debattieren -  genau deshalb will Louis Klamroth die Diskussionen auf eine breitere gesellschaftliche Ebene verlagern: Auf der Plattform "Diskutier Mit Mir" sollen Menschen auf anders Denkende treffen und miteinander in 1:1 Gesprächen aktuelle politische Themen diskutieren.

"Meinungsblasen zum Platzen bringen"

Klamroth initiierte die "Speed-Dating-Plattform für politische Diskussionen" gemeinsam mit seinen Freunden Niklas Rakowski, Claire Samtleben und Moritz Hohenfeld. Das Quartett will hierzulande Meinungsblasen zum Platzen bringen. Vorbild war die niederländische Plattform "Waarom kies jij" ("Warum wählen Sie?"), die vor den niederländischen Wahlen über 35.000 Debatten auslöste.

Wie soll nun "Diskutier Mit Mir" genau funktionieren? Auf der Plattform gibt jeder User seine politische Richtung oder seine bevorzugte Partei an. Die Website präsentiert ihm dann einen Gesprächspartner, der politisch möglichst weit entfernt ist. Man kann anonym chatten oder sich selber einen beliebigen Usernamen geben. Die nötigen Impulse für den 1:1 Chat gibt ein Katalog an politischen Thesen. Damit die Diskussionen spannend bleiben, planen die Macher, nach Ereignissen wie dem Wahl-Duell jeweils neue Thesen in die Runde zu werfen.

Vor Trollen fürchtet sich das Team nicht – die Erfahrungen in den Niederlanden würden zeigen, dass die Trolle in den anonymen Chat das größere Publikum vermissen. "Das macht Facebook oder Twitter viel attraktiver für Hetze jeder Art", so Klamroth. Auch die Gründer und Betreiber der Seite können in den Chats nicht mitlesen.

"Nächte mit schlechtem Essen und viel Koffein"

Unterstützt wird "Diskutier Mit Mir e.V." von der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) und der Schöpflin Stiftung. Dem Gründungsquartett ist es wichtig, unabhängig und überparteilich zu agieren – auch wenn das bedeutet, dass sie mit ihrem Projekt kein Geld verdienen.

Doch wann findet Klamroth Zeit für das Projekt?

"Tagsüber bin ich tatsächlich meistens in der Redaktion und bereite die nächste Klamroths-Konter-Sendung vor und abends treffe ich dann Niklas und Moritz, die auch zwei meiner besten Freunde sind, im Co-Working-Space um mit ihnen an der Plattform zu arbeiten." Viel Zeit für anderes bleibe im Moment nicht.

"Aber das ist egal, denn 'Diskutier Mit Mir', so abgegriffen das auch klingt, ist unser Herzensprojekt." Früher habe er die Berliner Start-Up-Typen immer ein wenig belächelt, die sich in Co-Working-Spaces mit schlechtem Essen und koffeinhaltigen Getränken die Nächte um die Ohren schlugen. "Jetzt mache ich genau das gleiche mit dem Unterschied, dass wir mit unserem 'Start Up' kein Geld verdienen werden." Aber es mache einfach Spaß, mit den Jungs an etwas zu tüfteln, von dem sie sich erhoffen, dass es Menschen dazu bringe, ihre Komfortzone zu verlassen und sich Diskussionen zu stellen:

"Wir dürfen nicht aufhören, die eigene und andere Meinungen zu hinterfragen, niemals."

Hier finden Sie "Diskutier Mit Mir"

Quelle: n-tv.de

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