Bericht über Aktion gegen ICEZwei US-Journalisten nach Kirchenprotest festgenommen

Zwei US-Journalisten, der über die Proteste gegen die Einwanderungsbehörde ICE berichtet, werden von den Behörden festgenommen. Das Justizministerium wirft ihnen vor, einen Angriff auf eine Kirche verübt zu haben. Das Weiße Haus kommentiert die Festnahme des Reporters Don Lemon mit einem Wortspiel.
Der amerikanische Journalist und frühere CNN-Moderator Don Lemon ist auf Anweisung des US-Justizministeriums festgenommen worden. Hintergrund ist ein etwa zwei Wochen zurückliegender Protest gegen die US-Einwanderungsbehörde ICE in einer Kirche in St. Paul, wie US-Justizministerin Pam Bondi auf der Plattform X mitteilte. Lemon sowie drei zuvor festgenommene Aktivisten hätten einen "koordinierten Angriff" auf eine Kirche im Bundesstaat Minnesota verübt. Nach Angaben seines Anwalts Abbe Lowell war der Journalist in seiner Funktion als Reporter vor Ort.
Neben Lemon wurde auch die freie Journalistin Georgia Fort verhaftet, wie das Komitee zum Schutz von Journalisten (CPJ) mitteilte. Die Nichtregierungsorganisation CPJ sprach von einem "ungeheuerlichen Angriff" auf die Pressefreiheit. Ähnlich äußerte sich der Minderheitsführer der Demokraten im Repräsentantenhaus, Hakeem Jeffries. Trump nutze die Strafverfolgungsbehörden als "Waffe" gegen missliebige Journalisten, erklärte er.
Lemons Festnahme erfolgte laut seinem Anwalt am Donnerstagabend (Ortszeit) in Los Angeles. Der Journalist habe dort über die am Wochenende anstehende Grammy-Verleihung berichtet. Lemon sei seit 30 Jahren Journalist - seine von der Verfassung geschützte Arbeit im US-Bundesstaat Minnesota unterscheide sich nicht von dem, was er schon immer getan habe. Die Wahrheit ans Licht zu bringen und Verantwortliche zur Rechenschaft zu ziehen, sei die Aufgabe von Journalisten, betonte er unter Verweis auf den ersten Zusatzartikel der US-Verfassung. Dieser schützt unter anderem die Pressefreiheit.
Anstatt sich Ermittlungen zu den Bundesbeamten zu widmen, die in den vergangenen Wochen in Minnesota zwei US-Bürger getötet hatten, widme Trumps Justizministerium seine Ressourcen dieser Festnahme, kritisierte der Anwalt. "Dieser beispiellose Angriff auf den ersten Verfassungszusatz und der durchschaubare Versuch, die Aufmerksamkeit von den vielen Krisen abzulenken, mit denen diese Regierung konfrontiert ist, werden keinen Bestand haben." Lemon werde sich vor Gericht gegen diese Anschuldigungen wehren.
Das Weiße Haus teilte indes auf X ein Bild von Lemon - gepaart mit dem Beginn einer Redewendung: "Wenn das Leben dir Zitronen gibt..." (Original: "When life gives you lemons..."). Vollständig heißt der zu Optimismus aufrufende Spruch übersetzt: "Wenn das Leben dir Zitronen gibt, mach Limonade daraus". Das Weiße Haus, das in den sozialen Medien häufiger mit Memes und Sprüchen auffällt, die ernste Vorfälle verharmlosen, bediente sich dabei offensichtlich einem Wortspiel mit dem Nachnamen des Journalisten.
Geistlicher spricht von "schändlicher" Aktion
Bei dem Protest am Sonntag vor knapp zwei Wochen in der Cities Church unterbrachen Demonstrierende US-Medien zufolge einen Gottesdienst und skandierten Parolen wie "ICE raus" und "Gerechtigkeit für Renee Good", weil sie den stellvertretenden Leiter des örtlichen ICE-Büros in der Kirche vermuteten. Bondi hatte nach dem Vorfall erklärt: "Wir tolerieren keine Angriffe auf Gotteshäuser." Evangelikale Podcaster und Unterstützer von Präsident Donald Trump forderten überdies die Festnahme Lemons, weil er über die Protestaktion berichtet hatte.
Lemon fragte den Pastor der betroffenen Kirche in einem Interview, ob der Protest nicht durch die Meinungsfreiheit gedeckt sei, die im ersten Zusatzartikel der US-Verfassung festgeschrieben ist. Der Geistliche verurteilte die Aktion in seinem Gotteshaus dagegen als "schändlich".
CNN hatte sich im April 2023 von dem Morgenmagazin-Moderator Lemon getrennt, nachdem dieser mit sexistischen Äußerungen über die republikanische Präsidentschaftsbewerberin Nikki Haley scharfe Kritik im konservativen Lager hervorgerufen hatte. US-Präsident Trump steht ebenfalls auf Kriegsfuß mit Lemon. Trump hatte den Moderator während seiner ersten Amtszeit 2018 einmal als "dümmsten Mann im Fernsehen" beleidigt. Anlass war ein Interview von Lemon mit Basketball-Superstar LeBron James, der Trump vorwarf, Rassismus in den USA zu befördern.