Politik
Sonntag, 05. Juli 2009

Vom Leibwächter zum Politiker: Borissow, der Karate-Mann

Politisch ist Wahlsieger Bojko Borissow nicht unumstritten. Der Gründer der GERB-Partei will Bulgarien "auf seinen europäischen Weg zurückbringen".

(Foto: AP)

Für seine Kritiker ist er "nur ein Leibwächter", "Feuerwehrmann" oder "Muskelberg". Seine Anhänger preisen Bulgariens Wahlsieger Bojko Borissow dagegen als "Kämpfer gegen die Korruption" sowie als "einen von uns". Der Gründer der GERB-Partei, die ideologisch der CDU/CSU nahe steht, ist bereits seit 2005 Bürgermeister der Hauptstadt Sofia. Der 50-jährige Borissow tritt meist in T-Shirt, Jeans und Jacke auf, zeigt sich selten im eleganten dunkelblauen Blazer. In der Öffentlichkeit spricht er nur Umgangssprache.

Politisch ist Borissow äußerst umstritten. Die seit vier Jahren regierenden Sozialisten werfen ihm vor, mit "seinem Populismus das Land ins Chaos" zu stürzen, falls er Regierungschef werden sollte. Doch der kurz geschorene Karatekämpfer mit schwarzem Gürtel schwört, die Korruption beseitigen und das Balkanland "auf seinen europäischen Weg zurückbringen" zu wollen. Er schrieb dieses Ziel sogar im Namen seiner Partei fest: Die Abkürzung GERB steht für "Bürger für eine europäische Entwicklung Bulgariens".

Der im Städtchen Bankja bei Sofia geborene Generalleutnant beginnt seine Polizeikarriere noch zu kommunistischer Zeit. Doch nach der Wende von 1989 scheidet er aus dem Innenministerium aus und gründet seine private Sicherheitsfirma IPON. Neben Neureichen sind der abgesetzte kommunistische Machthaber Todor Schiwkow sowie Ex-König Simeon II. seine prominentesten Kunden. Von ihnen bezieht Borissow nach eigenen Worten sein politisches Wissen. Als Simeon II. im Jahr 2001 Regierungschef wird, macht er seinen Bodyguard zum zweiten Mann im Innenministerium. Seitdem ist Borissow selbst stets von Leibwächtern umgeben.

Wegen der Zerstrittenheit des rechten Lagers ist noch offen, ob Borissows bürgerliche GERB-Partei in der Lage sein wird, die neue Regierung zu bilden. Unklar ist auch, ob der starke Mann hinter GERB, der sich nicht für das Parlament beworben hat, Ministerpräsident werden will. "Der Posten des Regierungschefs ist kein Selbstzweck für mich", hatte Borissow vor der Wahl immer wieder beteuert.

Quelle: n-tv.de