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Danke, Donald Ein Erbe, das man wieder ausschlagen kann

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Den Republikanern droht nun die Spaltung.

(Foto: AP)

Der Sturm auf das US-Parlament hat nichts Gutes. Und auch viele Absetzbewegungen haben den Makel, viel zu spät zu kommen. Aber immerhin sind jetzt einige Weichen in die Zeit nach Trump richtig gestellt.

Ein US-Präsident heizt die Wut des versammelten Pöbels an, der das Parlament der Vereinigten Staaten stürmt. Fünf Menschen sterben. Mit dieser Schande - wenn es kein Verbrechen war - muss Donald Trump für den Rest seiner Tage leben und die amerikanische Demokratie mit einer nie gekannten Entwürdigung ihres Hohen Hauses.

Wie man den Tabubruch auch dreht und wendet, nichts, absolut nichts Gutes ist daran. Oder doch? Wie es scheint, haben sich mit dem Sturm aufs Kapitol plötzlich einige Weichen in die Nach-Trump-Zeit so gestellt, dass man hoffen darf, der Trumpismus werde mit seinem Namensgeber verschwinden. Immerhin.

Dass die sogenannten Social-Media-Konzerne Donald Trump nun auf Dauer von ihren Plattformen verbannen, ist damit nicht gemeint. So berechtigt eine Sperrung im konkreten Einzelfall eines Tweets oder Postings sein mag, sollten es grundsätzlich gewiss nicht private Konzerne sein, die den Zugang zum polit-digitalen Marktplatz regeln noch dazu nach ihren eigenen Regeln statt entlang von Gesetzen.

Nein, strategische Weichen in die richtige Richtung gestellt, das meint:

  • Im US-Senat können sich jene republikanischen Senatoren jetzt leichter aus Trumps Griff befreien, die der neue Präsident Joe Biden zu einem parteiübergreifenden, versöhnenden Regieren braucht. Richtig: Die Last-Minute-Abkehr gerade der Partei-Prominenz wirft kein gutes Licht auf sie, nachdem sie vier Jahre willfährig jeden Irrsinn mitgemacht haben. Aber immerhin: Bidens Weg durch den politischen Alltag wird definitiv leichter.
  • Joe Bidens offene Flanke (die ihn durchaus den Wahlsieg hätte kosten können) waren die Gewalttätigen unter seinen demokratischen Anhängern, und die gab es in nennenswerter Zahl. Das Brandschatzen ganzer Straßenzüge ist keine politische Willensäußerung - selbst wenn es die Antwort auf rassistische Polizeigewalt ist. Weil die Republikaner aber die Kontrolle über das Gewaltproblem in ihren Anhänger-Reihen verloren, als der Trump-Mob das Parlament stürmte, wird die ursprüngliche Spitze gegen Biden stumpfer: Die Post-Trump-Republikaner werden lange brauchen und sich immerfort vom Ex-Präsidenten lossagen müssen, bis sie sich wieder glaubwürdig als "Law-and-Order"-Partei in Szene setzen können. Das wäre in der Welt nach Trump aber der wichtigste politischer Trumpf im Wettbewerb mit den Demokraten.  
  • Big Tech, Big Data und Big Money haben sich eben so plötzlich von Trump losgesagt. Auch für deren Bosse gilt, dass sie viel zu lange viel zu viel mitgemacht haben, weil es gute Geschäfte versprach. Dennoch: Allein des Geldes und der Spenden wegen sind die Chancen gesunken, dass Trump für die Wahl 2024 ins Rennen gehen kann.

Und vor allem: Wahlkampf gegen Donald Trump ist in der Republikanischen Partei jetzt um ein Vielfaches leichter als vorher. Wahl-Kandidaten sind nicht länger auf Gedeih und Verderb auf die Unterstützung des Ex-Präsidenten angewiesen.

Man kann sich in der Partei gegen den Trumpismus positionieren. Damit ist ein zehrender Streit um den Trumpismus nach Trump programmiert, der auch die Wählerschaft der Republikaner spalten könnte. Seit dem schändlichen Sturm auf das Kapitol ist der Trumpismus ein politisches Erbe, das man auch ausschlagen kann. Immerhin.

Quelle: ntv.de