Politik
Trump erklärt im Garten des Weißen Hauses, warum er Tillerson entließ.
Trump erklärt im Garten des Weißen Hauses, warum er Tillerson entließ.(Foto: dpa)
Dienstag, 13. März 2018

Trump feuert Tillerson: Kein Vertrauen, kein Anstand, kein Team

Ein Kommentar von Roland Peters

Er verfolgte einen moderaten Kurs und nannte Trump einen "verdammten Schwachsinnigen": Nun muss Tillerson gehen. Die Art und Weise zeigt die Egomanie im Weißen Haus. Trump will Gefolgsleute, keine Diskussionen.

Dementis können mehrdeutig sein, sogar solche, die sich auf einen Satz beschränken. "Derzeit", sagte Sarah Sanders im November vergangenen Jahres, "gibt es keine Personalien zu verkünden". Die Sprecherin des Weißen Hauses reagierte damals auf einen Bericht der "New York Times", Präsident Donald Trump habe dem Plan zugestimmt, Außenminister Rex Tillerson durch Mike Pompeo zu ersetzen. Nun, dreieinhalb Monate später, ist "derzeit" vorbei. Tillerson muss gehen, sein Nachfolger wird CIA-Chef Mike Pompeo.

Es spricht Bände, dass Trump seinen Minister nicht selbst über die Absetzung informierte: kein Vertrauensverhältnis, kein Teamgedanke, kein Anstand. Mitarbeiter des Weißen Hauses ließen Tillerson während seiner Afrikareise wissen, dass er abgesetzt werde. Warum genau? Das wurde ihm nicht mitgeteilt. Doch die US-Medien haben aus dem Weißen Haus erfahren: Tillerson soll den bislang wichtigsten Akt des Trump'schen Theaters nicht stören, das bis Mai angedachte persönliche Treffen mit Nordkoreas "Raketenmann" Kim Jong-Un. Beim Gipfel der Egomanen hat Vernunft keinen Platz.

Tillerson war einer der vielen Unbekannten der überraschenden Präsidentschaft Trumps. Ex-Vorstandsvorsitzender von Exxon Mobil, ein unternehmerisches Schwergewicht aus Texas, ohne politische oder gar diplomatische Erfahrung. Schon seit Sommer vergangenen Jahres gab es einen Bruch zwischen den beiden Ex-Unternehmern. Mehrfach ließ Trump seinen Minister öffentlich auflaufen, widersprach ihm oder erklärte dessen diplomatische Bemühungen für sinnlos. Die erste Belohnung für die Entlassung hat Trump schon bekommen: Pompeo lobhudelte ihm sogleich und sagte, der Präsident mache "Amerika sicherer".

Ich will, also bin ich

Tillerson wollte im Pariser Klimaabkommen bleiben, Trump trat aus. Tillerson wollte den Iran-Deal behalten, Trump will ihn platzen lassen. Tillerson wollte die Denuklarisierung der koreanischen Halbinsel ebenfalls erreichen; aber auch damit, dass er öffentlich garantierte, die USA wollten keinen Machtwechsel in Pjöngjang. Möglicherweise wird Trump genau dies dem nordkoreanischen Diktator anbieten.

Pompeo sagte im vergangenen Jahr, er würde ein neues Regime in Nordkorea begrüßen - eine offene Drohung, wie auch Trump sie mehrfach ausgestoßen hat. Hat der CIA-Chef damals seiner eigenen Überzeugung Ausdruck verliehen oder dem Präsidenten nach dem Mund geredet? Derzeit droht Trump Kim nicht mehr, sondern will mit ihm "den großartigsten Deal der Welt" abschließen. Pompeo spricht auch nicht mehr von einem Regimewechsel.

Manche mögen nun sagen, Trump könne ohne Tillerson viel besser seine Agenda durchsetzen, da der Ex-Außenminister einen eigenen Kopf hatte. Das stimmt. Und ja, eine Regierung, die gemeinsam an einem Strang zieht, ist effektiver als eine, die versucht, gegensätzliche Vorstellungen durchzusetzen. Trump sagte über den Grund von Tillersons Entlassung: "Wir haben nicht gleich gedacht." Doch wer sich nur mit solchen umgibt, die alles abnicken, der bleibt in seiner Welt gefangen. Der kann sich nicht in die Welt der anderen hineinversetzen. In Verhandlungen ist das fatal.

Wie und ob Trump über "Ich will, also bin ich" hinaus denkt, ist schwer zu sagen. Tillerson dachte längerfristiger und vertrat dies intern wie extern. Nach einer Sitzung im vergangenen Sommer hatte Tillerson den Präsidenten wutentbrannt einen "verdammten Schwachsinnigen" ("fucking moron") genannt. Als es herauskam, schwor er dem Präsidenten vor Kameras die Treue. Die Äußerung aber hat Tillerson nie dementiert. Nun ist er gefeuert. Trump will Gefolgsleute, keine Diskussionen.

Quelle: n-tv.de