Fünf Modelle im Praxis-Check Diese Skibrille liefert auf der Piste den perfekten Durchblick
Von Nikolai Henn
Skibrille auf, Piste runter - wie gut das gelingt, hängt maßgeblich vom passenden Gadget ab, denn nur damit lassen sich Buckel und eisige Stellen am Berg rechtzeitig erkennen. Fünf Modelle zeigen im ntv Produkt-Check, wie unterschiedlich der Blick auf dieselbe Piste ausfallen kann.
Wintersportler wissen: Unangenehme Druckstellen oder ständig beschlagene Scheiben durch eine schlecht sitzende Skibrille können den Tag auf der Piste verderben. Das passende Gadget ist essentiell, damit die Abfahrt sicher und angenehm verläuft. Tragekomfort, Gläser, Funktionalität - wir testen fünf Skibrillen bekannter Hersteller am Berg. Welche sitzt am besten, welche liefert den besten Durchblick?
So testen wir die Skibrillen
Für unseren Test kommen alle fünf Modelle nacheinander auf denselben Pisten zum Einsatz, damit sich die Eindrücke zuverlässig miteinander vergleichen lassen. Jede Brille fahren wir mehrfach bei Sonne und in Schattenpassagen. Dabei spielt das Sichtfeld eine zentrale Rolle: Wie weit reicht der Blick nach links, rechts, oben und unten, bevor der Rahmen ins Bild kommt? Ein zweiter Schwerpunkt liegt auf Kontrast und Tönung. Viele Skibrillen nutzen spezielle Glastechnologien, um mehr Details sichtbar zu machen - bei den Modellen im Test gilt das etwa für Prizm bei Oakley, Q-Lite bei Alpina sowie für die Filterlösungen von uvex und Red Bull. Beschlagene Gläser sind auf der Piste ein Sicherheitsrisiko. Im Test fällt positiv auf: Keine der fünf Brillen beschlägt während der Abfahrt spürbar. Um die Anti-Fog-Systeme trotzdem an die Grenze zu bringen, tragen wir die Modelle im warmen, feuchten Badezimmer und anschließend direkt draußen in der Kälte. Mit der Stoppuhr messen wir, wie lange es dauert, bis die Scheibe wieder komplett klar ist. Tragekomfort und Passform der Gadgets testen wir mit Helm auf der Piste und achten dabei auf Druckstellen an Nase, Stirn und Wangen. Außerdem prüfen wir, ob ein Spalt zwischen Helm und Brille entsteht. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Ausstattung und Funktionalität der Skibrillen, etwa beim Thema Wechselgläser und Brillenträger-Tauglichkeit.
Diese Skibrillen haben wir getestet
Salomon S/View S2 - Test- und Preis-Leistungssieger
Die Salomon S/View S2 liegt preislich im Mittelfeld unserer Test-Brillen und liefert das beste Gesamtergebnis. Der mehrlagige Schaumstoff schmiegt sich weich an das Gesicht, der Druck verteilt sich gleichmäßig. Die Brille sitzt bequem und schließt ohne größeren Spalt sauber am Helm ab. Auch nach mehreren Abfahrten bleibt das Tragegefühl angenehm unauffällig.
Wir nutzen eine mittelrot getönte, leicht verspiegelte Scheibe der Schutzstufe S2. Der VLT-Wert liegt bei 32 Prozent - das heißt, gut ein Drittel des Lichts kommt durch. Die Brille ist damit für typische Skitage mit Sonne-Wolken-Mix geeignet: Sie ist dunkel genug, um die Augen in der Sonne zu schützen, lässt aber noch genug Licht für Schattenbereiche durch. Die Scheibe lässt sich zwar wechseln, der Vorgang läuft aber klassisch über das Lösen aus dem Rahmen und eignet sich damit eher für die Hütte als für den schnellen Tausch am Hang. Wichtig zu wissen: Für Brillenträger ist die S/View eher nicht geeignet, da unter dem Glas nur wenig Platz bleibt. Die zylindrische Scheibe sorgt für ein weites Sichtfeld - nach oben und unten deckt der Rahmen nur wenig vom Bild ab. Seitlich bleiben andere Fahrer im Blickfeld, ohne dass ständig der Kopf gedreht werden muss.
Auch in Sachen Kontrast überzeugt die Brille: Bei Sonne wirkt das Bild gestochen scharf, Spuren, Buckel und harte Stellen im Schnee sind klar erkennbar. Die rötliche Tönung bleibt dezent, die Farben wirken hier im Vergleich zu den anderen Test-Brillen insgesamt am natürlichsten. Im Gegenlicht-Test - Blick über eine von Sonne überflutete Piste in Richtung Sonne mit Bäumen im Hintergrund - bleiben die Bäume gut unterscheidbar und fransen kaum aus. Auch beim Blick in Richtung des gleißenden Schnees wird man nicht geblendet. Im Schatten spielt die S/View ihre größte Stärke aus: Die Brille liefert ein helles und gleichzeitig natürliches Bild, in dem Unebenheiten gut sichtbar bleiben.
Eine Doppelscheibe und Belüftungsöffnungen sollen das Beschlagen reduzieren. Bei der Fahrt funktioniert das - wie bei allen Gadgets im Test - bestens. Auch bei kurzen Stopps bleibt die Innenseite klar. Im Badezimmer-Härtetest beschlägt die Scheibe beim Betreten des warmen Raums kurz und klärt sich draußen in der Kälte innerhalb von 14 Sekunden - ein starker Wert.
Kurzfazit: Die Salomon-Brille ist ein sehr komfortabler Allrounder mit großem Sichtfeld, natürlichem Bild und starkem Kontrast bei Sonne, Schatten und Gegenlicht, der im Test das beste Gesamtpaket liefert.
Oakley Flight Deck XM - komfortabel und teuer
Die Oakley Flight Deck XM ist die teuerste Skibrille in unserem Test und richtet sich an Fahrer, die viel Wert auf Komfort legen. Der dreilagige Schaumstoff schmiegt sich weich an, zu Druckstellen kommt es im Test nicht, am Helm entsteht nur ein winziger Spalt. Wir nutzen im Test eine rot verspiegelte Scheibe für sonnige bis leicht bewölkte Tage, mit niedriger Lichtdurchlässigkeit. Die Oakley kommt mit einer sphärischen Scheibe, die wie eine Kuppel vor dem Gesicht steht - das soll für ein großes, rundes Sichtfeld sorgen. Die Scheibe lässt sich mit wenigen Handgriffen aus dem Rahmen lösen und wieder einsetzen, was mit etwas Übung auch an der Gondel gelingt. Die Flight Deck ist grundsätzlich für Brillenträger ausgelegt: Am Rahmen sitzen unauffällige Aussparungen für Brillenbügel. In der Praxis bleibt es aber je nach Brillengröße eng, mit kleineren, flachen Fassungen funktioniert es am besten.
Beim Kontrast zeigt die Flight Deck ihre Stärken bei Sonne, Spuren, Kanten und Eisplatten sind glasklar zu erkennen. Die Farben verschieben sich leicht ins Rötliche, bleiben aber stimmig. Im Gegenlicht-Test hält die Brille sehr gut dagegen. Bäume und Strukturen in deren dunkleren Bereichen bleiben sichtbar, die Augen lassen sich entspannt auf die helle weiße Piste richten. Im Schatten zeigt die Oakley eine gute Leistung - mit der Salomon kann sie hier trotzdem nicht ganz mithalten, weil die Umgebung etwas dunkler wirkt. Im normalen Fahrbetrieb und auch bei Stopps beschlägt die Oakley nicht. Im Warm-Kalt-Test benötigt sie 15 Sekunden für eine freie Sicht und landet damit im Mittelfeld.
Kurzfazit: Sehr komfortable Skibrille mit riesigem Sichtfeld und starkem Kontrast vor allem bei Sonne und Gegenlicht, die im Schatten und in Sachen Preis aber etwas hinter dem Testsieger zurückbleibt.
uvex g.gl 3000 TO - für schnelle Scheibenwechsel
Die uvex g.gl 3000 TO kostet über 100 Euro, hat dafür aber auch einiges zu bieten. Der Schaumstoff liegt angenehm am Gesicht, die Brille sitzt stabil, ohne zu drücken. Mit dem Helm schließt sie in der Mitte bündig ab, an den Seiten bleibt ein sichtbarer Spalt - beim Fahren stört das nicht, wirkt optisch aber etwas weniger stimmig als bei den Brillen von Salomon oder Oakley. Die g.gl 3000 TO nutzt eine große, zylindrische Scheibe, wobei sich die uvex in Sachen Sichtfeld im oberen Mittelfeld einordnen lässt. Nach oben und unten bietet sie viel Überblick, seitlich wirkt das Bild etwas enger, bleibt aber völlig ausreichend.
Die uvex g.gl 3000 TO will für möglichst viele Bedingungen gerüstet sein: Außen sitzt eine rot verspiegelte Scheibe, darunter eine gelb-goldene Scheibe. Mit einem Griff lässt sich die Frontscheibe mit Magnethaltern abziehen oder wieder aufsetzen, was auch mit Handschuhen gut funktioniert. Mit aufgesetzter Zusatzscheibe ist die uvex deutlich abgedunkelt und eher für sonnige Tage geeignet. Nimmt man die Frontscheibe ab, bleibt ein spürbar helleres Glas für bewölktes Wetter oder schlechtere Sicht. Beim Kontrast fällt vor allem die Farbgebung auf: Mit aufgesetzter Frontscheibe zeigt die uvex bei Sonne ein gelb-grünliches Bild, Bäume und Umgebung wirken verfärbt. Im Gegenlicht-Test geraten die Konturen klar ins Hintertreffen: Bäume am Pistenrand verlieren Struktur und wirken eher wie dunkle Flächen. Hier liegt die uvex im Produkt-Check deutlich hinter den Brillen von Salomon, Oakley und Red Bull.
Mit Frontscheibe gehört die uvex zu den dunkelsten Brillen im Test - die Piste bleibt erkennbar, wirkt aber gedämpft. Ohne Frontscheibe hellt sich das Bild sichtbar auf, die gelb-goldene Tönung bleibt jedoch. Neben den beiden Scheiben bietet die uvex den Vorteil, dass sie Brillenträgern ausreichend Platz bietet. Auf der Piste beschlägt die g.gl 3000 TO nicht, und im Badezimmer-Test erzielt sie den besten Wert aller Testkandidaten: Nach 13 Sekunden hat man wieder freie Sicht.
Kurzfazit: Bequeme, brillentaugliche Skibrille mit sehr praktischem Scheiben-Wechselsystem, die im Gegenlicht Schwächen zeigt und für Skifahrer geeignet ist, die keinen Wert auf natürliche Farben legen.
Red Bull SPECT PARK-18YE2 - günstige Alltagsbrille mit sportlicher Optik
Die Red Bull SPECT PARK-18YE2 ist das günstigste Modell im Test und richtet sich an Fahrer, die eine sportliche, solide Brille suchen. Der Schaumstoff sitzt angenehm, ohne zu drücken. Am Helm entsteht seitlich ein kleiner Spalt. Die PARK nutzt eine grau getönte Scheibe mit gelber Verspiegelung in Schutzstufe S2 mit relativ niedriger Lichtdurchlässigkeit. Damit liegt sie im unteren Bereich der Allround-Kategorie und ist vor allem für sonnige bis leicht wechselhafte Tage gedacht.
Die Brille besitzt eine zylindrische Scheibe und liegt in Sachen Sichtfeld knapp hinter dem Spitzenreiter Oakley. Nach oben und unten bleibt viel im Blick, seitlich wirkt das Sichtfeld leicht schmaler, ist aber ausreichend, um Hindernisse und andere Fahrer sicher zu erkennen. Ein schnelles Wechselsystem wie bei uvex oder Oakley gibt es nicht, ein Scheibenwechsel wäre eher ein Fall für den Service. Unter dem Glas bleibt wenig Raum, für Brillenträger ist die PARK damit nicht geeignet. Beim Kontrast überzeugt die Brille vor allem bei Sonne: Das Bild ist relativ hell, der Himmel wirkt kräftig blau, der Schnee bekommt einen leichten Blauschimmer. Spuren, Buckel und harte Stellen lassen sich gut unterscheiden. Im Gegenlicht-Test hält die Brille ordentlich mit: Bäume und dunklere Bereiche bleiben erkennbar, wenn auch nicht mit derselben Feinzeichnung wie bei den Modellen von Salomon und Oakley.
Im Schatten zeigt sich - ähnlich wie bei der uvex - eine gewisse Dunkelheit, allerdings hier mit Blau- statt Gelbstich. Die Piste bleibt zwar gut lesbar, für lange Schattenpassagen wäre allerdings ein etwas höherer VLT-Wert angenehmer. Während der Fahrt beschlägt die PARK nicht, im Härtetest liegt sie im Mittelfeld: Sie klärt sich draußen nach 16 Sekunden wieder - der zweitschwächste Wert im Test.
Kurzfazit: Solide, bequem sitzende Allround-Brille mit sportlichem Look und gutem Kontrast bei Sonne, im Schatten mit Schwächen durch eine eher dunkle, bläuliche Darstellung.
Alpina Pheos S Q-Lite - Schmal geschnittene Brille mit kräftiger Orangetönung
Die Alpina Pheos S Q-Lite bewegt sich im Vergleich zu den anderen Testbrillen preislich im Mittelfeld und richtet sich an schmale Köpfe, was sich beim Sitz sofort bemerkbar macht: Der Schaumstoff liegt zwar weich auf, die Brille sitzt aber deutlich näher am Gesicht. An den Wangen ist ein leichter Druck zu spüren, der mit der Zeit fühlbar wird. Am Helm schließt das Modell dafür bündig und ohne Spalt ab. Die Alpina Pheos S Q-Lite setzt auf eine gold-orange verspiegelte Scheibe in Schutzstufe S2, die im mittleren Tönungsbereich liegt und damit auf sonnige bis leicht bewölkte Tage ausgelegt ist. Im Sichtfeld-Check landet die Pheos S auf dem letzten Platz: Der Rahmen rückt nach unten und zur Seite näher an das Bild, die Sicht wirkt weniger offen als bei den anderen Modellen. Die in beide Richtungen gewölbte Scheibe ist fest verbaut, ein schneller Glaswechsel ist nicht vorgesehen. Für Brillenträger ist das Modell von Alpina nicht geeignet, unter der Scheibe ist wenig Platz, der Rahmen ist eher kompakt geschnitten.
Beim Kontrast fällt die sehr starke Orangetönung auf: Bei Sonne ist das Bild zwar scharf, die Umgebung wirkt jedoch im Abgleich mit den übrigen Testmodellen am unnatürlichsten. Im Gegenlicht-Test schneidet die Pheos am schwächsten ab. Bäume und dunklere Bereiche verwandeln sich schneller in dunkle Flächen, Details gehen leichter verloren. Das Auge muss mehr arbeiten, und der Blick in Richtung der hellen Piste führt schneller dazu, dass die Augen zusammengekniffen werden müssen.
Im Schatten bleibt die Schärfe gut, der Orangestich dominiert jedoch weiterhin. Die Piste ist lesbar, die Darstellung fühlt sich aber weniger natürlich an. Bei der Helligkeit liegt die Brille im Mittelfeld, kommt aber nicht an die angenehme Sicht der Salomon heran. Während der Fahrt beschlägt die Pheos S nicht. Im Badezimmer-Test sind die beschlagenen Scheiben nach 17 Sekunden wieder klar - im Vergleich der schwächste Wert.
Kurzfazit: Eng anliegende Brille für schmale Köpfe mit kräftig orangefarbenem Bild, die bei Kontrast und Sichtfeld vor allem im Gegenlicht hinter den anderen Modellen zurückbleibt.
Die richtige Skibrille finden - das gilt es zu beachten
Bei der Form der Scheibe gibt es bei Skibrillen in der Regel zwei Typen: Zylindrische Scheiben sind zur Seite hin gebogen, aber nach oben und unten hin relativ flach. Sie sind meist günstiger und liefern bei guten Modellen trotzdem ein weites Sichtfeld. Sphärische Scheiben sind in beide Richtungen gewölbt. Sie bieten in der Regel ein größeres Sichtfeld und eine natürlichere Abbildung mit weniger Verzerrung und weniger Blendung als flachere, zylindrische Scheiben, sind in der Herstellung aber aufwändiger und deshalb meist teurer.
Auch die Glasfarbe hat Einfluss auf die Sicht: Graue und leicht bräunliche Gläser wirken meist am neutralsten und verfälschen die Farben kaum. Orangefarbene, gelbe oder rötliche Gläser heben Kontraste stärker hervor, können Buckel und Spuren bei schlechtem Licht besser sichtbar machen, verfärben dafür die Umgebung aber deutlich. Sehr dunkle, stark verspiegelte Gläser schützen gut bei Sonne, sind im Schatten oder bei Bewölkung aber schnell sehr dunkel.
Eine wichtige Orientierung bietet der VLT-Wert - er steht für Visible Light Transmission und gibt in Prozent an, wie viel Licht durch das Glas kommt. Je niedriger der Wert, desto dunkler die Scheibe und desto stärker der Blendschutz. Gläser mit etwa 10 bis 20 Prozent VLT sind vor allem für sonnige Tage gedacht, solche mit über 40 Prozent lassen deutlich mehr Licht durch und eignen sich eher für schlechte Sicht mit Wolken, Nebel oder Schneefall. Ergänzend dazu gibt es die Schutzstufen S0 bis S4 - sie fassen grob zusammen, wie hell oder dunkel ein Glas ist. S0 steht für sehr helle Gläser, S1 für eher helle Gläser bei bedecktem Wetter, S2 für Allround-Gläser bei Sonne-Wolken-Mix, S3 für deutlich dunklere Gläser an sehr sonnigen Tagen und S4 für Spezialgläser im Hochgebirge. Der VLT-Wert ist damit die genaue Zahl, die S-Stufe die grobe Einordnung. Abschließend gilt: Weil die verschiedenen Modelle oft sehr unterschiedlich ausfallen, ist ein Anprobieren im Laden sinnvoll - im besten Fall mit Helm, um später einen guten Sitz auf der Piste zu garantieren.
*Die Testredaktion rund um den „ntv Produkt-Check” ist unabhängig, erwirbt alle Produkte auf eigene Kosten, führt Tests durch und bewertet nach objektiven Kriterien. Wenn Sie ein Produkt über einen Link kaufen sollten, erhalten wir eine Provision. Der Preis ändert sich dadurch nicht.




