Einstecken, Geld sparenStrommessgeräte im Test - bei welchem funkt es richtig?
Von Christoph Dörr
Wenn die Haushaltskasse belastet ist, möchte man nicht auch noch von einer hohen Stromrechnung überrascht werden. Für den ntv Produkt-Check testen wir sechs Messgeräte für die Steckdose, die dabei helfen, Energiekosten zu senken. Ein Gerät überrascht.
"Ein Strommessgerät ist mehr als ein Männerspielzeug", sagt Ingenieur Paul Jansen, der uns bei unserem Test berät. "Dahinter ist der Gedanke: Wo kann ich Strom sparen? Bei vielen Haushaltsgeräten weiß man ja gar nicht, was sie verbrauchen." Wie die kleinen Gadgets funktionieren? Sie messen den Stromverbrauch elektrischer Geräte und werden dafür einfach zwischen Kabelstecker und Steckdose angebracht. Doch wie unterscheiden sich die sechs Strommesser im Test, wie einfach ist die Bedienung, wie genau sind die Messwerte?
So testen wir die Strommessgeräte
Wir überprüfen die Stromzähler an vier Haushaltsgeräten: Toaster, Router, Waschmaschine und Fernseher. Gemessen werden sie jeweils über eine bestimmte Nutzungsdauer und 24 Stunden im Standby-Modus. "Wichtig ist, dass die Zwischenstecker bei den verschiedenen Haushaltsgeräten die gleichen Werte anzeigen", erklärt unser Experte. Für den Produkt-Check testen wir vier klassische Strommessgeräte mit Display und zwei App-gesteuerte Stecker mit Strommessfunktion. Außerdem soll ein Referenz-Gerät den Gegencheck zu den Werten liefern. Wichtig dabei: "Watt ist die Leistung, die das Haushaltsgerät in diesem Moment aus dem Netz zieht, Kilowattstunde (kwh) die geleistete Arbeit, also der Verbrauch über einen Zeitraum", erklärt unser Experte.
Wichtige Kriterien im Vergleich sind:
die genaue Messung
eine verständliche Handhabung
ein guter Preis
An dieser Stelle sei bereits verraten: Alle sechs Strommesser messen exakt, was auch das eingesetzte Referenzgerät bestätigt.
FRITZ!DECT 200 - Intelligente Steckdose für das Heimnetz, ca. 43 Euro*
VOLTCRAFT SEM6000 Energiekosten-Messgerät Bluetooth®-Schnittstelle*, ca. 20 Euro*
Brennenstuhl Primera-Line Energiemessgerät PM 231 E, ca. 10 Euro*
Die Preise der Produkte können stark schwanken. Die angegebenen Preise beziehen sich auf Angebote im Testzeitraum.
Testsieger: FRITZ!DECT 200
Das FRITZ!DECT 200 von AVM ist ein smartes Gerät, das kein Display besitzt, sondern stattdessen über die App des Herstellers auf dem Handy, Tablet oder PC gesteuert wird. Dort lassen sich die Daten bequem ablesen. Angezeigt werden hier der aktuelle Stromverbrauch und Daten zu Kosten, Leistung sowie zur CO2-Bilanz. Die Messwerte werden gespeichert, um einen Verlauf ermitteln zu können: den Stromverbrauch pro Stunde, Tag, Monat und Jahr in Kilowattstunden. Als zusätzliches Feature kann die Raumtemperatur gemessen werden. Im Test lässt sich das Gerät einfach installieren und bedienen, die Bedienungsanleitung ist gut aufbereitet. Wichtig zu wissen: Für dieses Gerät wird eine FritzBox als Router benötigt. Sinnvolles Extra: Das FRITZ!DECT 200 eignet sich auch für Nutzer von Balkonkraftwerken.
Kurzfazit: Unser messgenauer Testsieger ist das vielseitigste Gerät im ntv Produkt-Check. Mit einem Preis von ca. 43 Euro ist es das teuerste Gerät im Produkt-Check, wirkt dafür aber auch sehr hochwertig.
Preis-Leistungssieger: Stromzähler von Mecheer
Die Bedienungsanleitung besteht nur aus zwei Seiten, über drei Tasten lässt sich das Gerät sehr intuitiv einstellen. Der Stromzähler der Marke Mecheer macht Spaß, gerade weil die Funktionen so aufs Wesentliche konzentriert sind. Er misst den aktuellen Verbrauch, den Gesamtstrom, Spannung, Frequenz und Leistungsfaktor des jeweils angeschlossenen Haushaltsgeräts. Die entsprechenden Werte werden in einem großen Display deutlich angezeigt. Angenehm fällt auf, dass das Display beleuchtet ist - als einziges Gerät mit Anzeige in unserem Check. "Manche Steckdosen sind ja hinterm TV oder im Keller nur in einem schwachen Licht", sagt Paul Jansen, da sei die Hintergrundbeleuchtung ein echter Pluspunkt.
Kurzfazit: Der Stromzähler für Steckdose von Mecheer überrascht uns positiv - ein Geheimtipp für alle, die kompakte Funktionen mögen. Und mit etwa 11 Euro ist das Preis-Leistungs-Verhältnis unschlagbar.
VOLTCRAFT SEM6000 - einfach gut
Etwas mehr technische Spielerei bietet das VOLTCRAFT SEM6000, das sich per Bluetooth mit dem Handy oder Tablet verbindet. Darüber kann das Gerät leicht ein- und ausgeschaltet werden. Der erfasste Verbrauch, Leistung und Kosten lassen sich über eine App steuern und checken. Es lässt sich im Bluetooth-Bereich wie eine Zeitschalt-Uhr verwenden, die Verbindung funktioniert stabil und schnell - das VOLTCRAFT SEM6000 läuft nicht übers heimische WLAN. Wer das lieber mag, für den gibt es mit dem SEM6500 eine technisch ganz ähnliche WiFi-Variante. Noch zwei Details: Die Bedienungsanleitung wird über einen QR-Code gescannt, ein LED-Ring um den Stecker ändert die Farbe abhängig von der gemessenen Leistung.
Kurzfazit: Das VOLTCRAFT SEM6000 überzeugt uns mit seiner fähigen App und simplen Bedienung. Mit ca. 20 Euro ist es günstiger als unser smarter Testsieger FRITZ!DECT 200.
revolt - praktischer Allrounder
Der Verbrauchsmesser von revolt hat die Besonderheit, dass das Display bis 180 Grad drehbar ist. So können wir die Messwerte, auch dank der großen Anzeige, sehr gut ablesen. Auf dem Gerät sind alle Daten abrufbar, die zum Energiesparen benötigt werden. Wenn der persönliche Stromtarif eingegeben wird, errechnet das Gerät die Stromkosten des jeweiligen Haushaltsgeräts, das gerade angeschlossen ist. Die Bedienungsanleitung ist gut strukturiert und sehr verständlich, über lediglich zwei Tasten lässt sich das Gerät angenehm bedienen.
Kurzfazit: Das revolt Energiekostenmessgerät ist eine grundsolide Alternative bei den preisgünstigen Geräten im Test. Circa 14 Euro sind hier gut angelegt.
REV - leicht zu bedienen
Der REV Stromzähler ist ein klassisches Messgerät mit Display, die Handhabung erfolgt über zwei Tasten und einen kleinen Reset-Knopf, der die gemessenen Werte zurücksetzt. Nicht ganz so leicht ist es, die Daten auf dem Gerät abzulesen, weil das Display recht klein ist. Im geringfügigen Bereich unter zwei Watt kann der REV Stromzähler nicht messen, außerdem ist das Gerät nicht in der Lage, den Verbrauch über eine bestimmte Zeit in Euro umzurechnen - wozu alle anderen Geräte im Test fähig sind. Das könne man aber auch selbst über seinen Tarifbetrag pro Kilowattstunde hochrechnen, erklärt Paul Jansen. Pluspunkte sind, dass die Bedienungsanleitung graphisch gut gemacht ist. Und: Den Stromzähler kann man in Schwarz oder Weiß kaufen, falls man das Gerät auf die Farbe eines Kabels abgestimmt haben möchte.
Kurzfazit: Der REV Stromzähler ist gut auf die Bedürfnisse abgestimmt und leicht zu bedienen. Mit circa 12 Euro ist der Preis völlig angemessen.
Brennenstuhl Primera-Line - kompetent und eigen
Der Strommesser von Brennenstuhl sieht wertiger aus, als es sein günstiger Preis vermuten lässt. Das Gerät hat allerdings Eigenheiten: Das Display ist klein und zeigt dafür für uns zu viele Ziffern an. Die Bedienungsanleitung ist ausführlich, was wir aber auch als erforderlich ansehen, weil die Handhabung insgesamt wenig intuitiv ist. Es werden drei Batterien mitgeliefert, damit die Messergebnisse auch bei einem Stromausfall nicht verlorengehen, aber es ist recht umständlich, das Batteriefach zu öffnen. Dafür hilft das Modell dabei, Energie zu sparen, indem es auch sehr niedrige Standby-Werte von Haushaltsgeräten misst und einen vergleichsweise geringen eigenen Verbrauch von etwa 0,3 Watt hat. Außerdem können zwei Stromtarife für Tag und Nacht individuell eingestellt werden.
Kurzfazit: Das Brennenstuhl Primera-Line Energiemessgerät ist für Fortgeschrittene und all jene, die Lust haben, ihr Gerät technisch zu entdecken. Dafür ist es mit einem Preis von ca. 10 Euro durchaus erschwinglich.
Gut zu wissen bei Strommessgeräten
Die technische Sicherheit der Geräte ist durchweg einwandfrei. Die Zwischenstecker sind mit einer hohen Belastbarkeit (in Watt) ausgestattet, passend für alle gängigen Haushaltsgeräte. Der Eigenverbrauch der Stromzähler ist bei den digitalen (circa 1,1-1,5 Watt) etwas höher als bei den klassischen (etwa 0,2-0,5 Watt).
Wie man Stromfresser findet
Laut Verbraucherzentrale haben Kommunikation und Unterhaltung im Haushalt den größten Anteil am Stromverbrauch: Fernseher, Computer, Spielekonsolen, Router usw. machen fast ein Drittel der Kosten aus.
Top-Stromfresser sind außerdem Kühl- und Gefriergeräte. "Die laufen natürlich Tag und Nacht, ausstöpseln geht nicht." Paul Jansen grinst. "Für den Kühlschrank wäre es egal, aber nicht fürs Bier." Außerdem gilt: je älter ein Modell, desto stromintensiver. Ab zehn Jahren ist ein Gerät eher nicht mehr energieeffizient. Da können Heizungspumpen, Durchlauferhitzer, Wasch- und Geschirrspüler oder Aquarienpumpen richtige Stromfresser sein. "Darum ist es so wichtig, ihnen mit Strommessgeräten auf die Spur zu kommen. Es kann dann günstiger sein, sie durch neue Haushaltsgeräte mit einer besseren Energieeffizienzklasse zu ersetzen", sagt unser Experte. Das würde außerdem Umwelt und Klima schonen.
Es gibt aber auch heimliche Stromfresser: Elektrogeräte, die nur scheinbar ausgeschaltet sind, aber dennoch Strom verbrauchen, weil sie an der Steckdose hängen. Für alle Ladegeräte im Haushalt sollte gelten: Stecker ziehen, wenn sie nicht genutzt werden. Oder per Steckdosenleiste ausschalten. Bei vielen läuft der Fernseher im Standby-Modus: Das kann (abhängig von Größe und Alter) übers Jahr gerechnet bis zu 20 Euro kosten. Das Umweltbundesamt schätzt den durch Standby verursachten Stromverbrauch in Deutschland im Schnitt auf 115 Euro pro Jahr und Haushalt. Deutschlandweit würde der Standby-Verbrauch vier Milliarden Euro kosten. Experte Jansen sagt schmunzelnd: "Es ist eine wahre Weisheit: Der billigste Strom ist der, den du nicht verbrauchst".
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