Baden-Württemberg39 Grad: Juni-Rekord im Südwesten geknackt

Baden-Württemberg schwitzt - und der Deutsche Wetterdienst meldet: So hohe Temperaturen gab es im Südwesten im Juni noch nie. Welche Faktoren die Extremwerte beeinflussen.
Stuttgart (dpa/lsw) - So warm war es in Baden-Württemberg in einem Juni noch nie seit Beginn der Aufzeichnung von Wetterdaten: In Waghäusel-Kirrlach im Landkreis Karlsruhe sind am Donnerstag nach vorläufigen Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) 39,0 Grad gemessen worden.
Der bisherige Temperaturrekord für den Monat Juni im Südwesten lag bei 38,9 Grad - gemessen am 30. Juni 2019 in Mannheim. "Spätestens morgen wird der neue Rekord wahrscheinlich wieder geknackt", sagte ein DWD-Sprecher. Am Freitag seien 40 Grad und mehr zu erwarten. Am Samstag könnte es sogar bis zu 42 Grad geben. Die Wetterdaten werden seit 1881 aufgezeichnet.
Der Höchstwert insgesamt im Südwesten beträgt 40,3 Grad, die das Thermometer am 20. Juli 2022 in Bad Mergentheim (Main-Tauber-Kreis) zeigte. Dies war folglich auch der höchste Juli-Wert. In der Rangliste folgen 40,2 Grad am 13. August 2003 in Freiburg und Karlsruhe.
Oberrheingraben gut für Temperaturrekorde
Hohe Temperaturen werden in Baden-Württemberg dem DWD zufolge häufig in Nordbaden gemessen. Eine Rolle spielt dabei die Lage: "Die tief gelegene Lage im Oberrheingraben im Regenschatten von Pfälzerwald und Odenwald begünstigen die häufigen Temperaturextrema", erklärten die Meteorologen.
Der Stadtteil Kirrlach in Waghäusel sei mit 105 Metern über dem Meeresspiegel einer der tiefstgelegenen Orte im Bundesland. Tiefer liege nur Mannheim mit 98 Metern - und sei daher auch oft der Zweit- oder Drittplatzierte des jährlichen Höchsttemperatur-Rankings.
Auf Lage der Messstation kommt es auch an
Zudem dürften sogenannte lokalklimatische Effekte wie die Bebauungsstruktur in unmittelbarer Nähe der Station eine Rolle spielen. In Kirrlach sei sie innerorts in einem Wohngebiet aufgestellt, in Mannheim außerorts in Stadtrandnähe.
Bei einem Idealstandort nach den Vorgaben der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) wird laut dem DWD über kurzgehaltenem Rasen in zwei Metern Höhe, abschattungs- und hindernisfrei die Temperatur gemessen. In der Praxis könnten diese Idealbedingungen aber nicht immer zu 100 Prozent umgesetzt werden. Daher könnten sich lokale Effekte an Messstandorten im Einzelfall auf Messwerte auswirken.