Baden-WürttembergAnlagebetrug im Netz – 61-Jährige aus Schweden ausgeliefert

Verlockende Finanzprodukte, falsche Berater und ein Schaden von 1,17 Millionen: Ermittler enthüllen, wie Anleger über Jahre systematisch abgezockt wurden.
Stuttgart (dpa/lsw) - Wegen ihrer möglichen Beteiligung an einem international organisierten Anlagebetrug über das Internet hat die schwedische Justiz eine 61 Jahre alte Frau nach Baden-Württemberg ausgeliefert. Die Schwedin sitze nun im Südwesten in Untersuchungshaft, teilten das Landeskriminalamt und das Cybercrime-Zentrum in Stuttgart mit. 24 Anlegern sei ein Schaden von 1,17 Millionen entstanden. Der Frau wird Beihilfe zum Betrug zur Last gelegt.
Die mutmaßlichen Betrugsopfer kommen aus Konstanz, Tübingen, dem Landkreis Karlsruhe, dem Rhein-Neckar-Kreis sowie aus Bayern, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen. Nach Angaben der Ermittler sollen sich mehrere Personen spätestens im Jahr 2018 zusammengeschlossen haben, um den Anlagebetrug zu begehen. Hierzu wurden professionell gestaltete Internetplattformen betrieben, auf denen vermeintliche Investitionsmöglichkeiten in Finanzprodukte und Derivate angeboten wurden. Die Plattformen wurden über Online-Werbung und soziale Medien beworben.
Anleger durch fiktiven Handel getäuscht
Anleger, die sich registrierten, wurden anschließend von angeblichen Finanzberatern kontaktiert und unter Vorspiegelung hoher Gewinnchancen zu Einzahlungen veranlasst. Tatsächlich erfolgte keine Investition der Gelder. Vielmehr wurden diese von den mutmaßlichen Betrügern einkassiert. Zur Täuschung der Geschädigten wurde ein fiktiver Handel simuliert und vermeintliche Gewinne in den Nutzerkonten angezeigt.
Die Ermittlungen, auch zur Identifizierung weiterer Tatbeteiligter, dauern an. Die Frau soll die Betrüger bei der Einrichtung von Firmenstrukturen und Konten unterstützt haben. Sie soll dabei als formelle Geschäftsführerin der Firmen oder Verfügungsberechtigte aufgetreten sein, Konten eröffnet und die entsprechenden Zugangsdaten an die Anlagebetrüger weitergegeben haben. Die 61-Jährige soll für ihre Tätigkeit rund 280.000 Euro erhalten haben.