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Baden-WürttembergKein Horst auf dem Strommast – So werden Störche geschützt

07.05.2026, 04:02 Uhr
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Warum sind Nester auf Strommasten so gefährlich für Störche – und die Stromversorgung? Und was kann man gegen die Gefahr von Stromschlägen tun?

Stuttgart (dpa/lsw) - Mit einer Reihe von Maßnahmen versuchen Stromnetzbetreiber, Störche vom Brüten auf Freileitungen und Strommasten abzuhalten. Stattdessen sollten die Tiere auf sichere und natürliche Nistplätze in der Umgebung gelenkt werden, erklärte Netze BW in Stuttgart.

Zu den Schutzmaßnahmen gehören demzufolge Rotoren aus Edelstahl, die Vögel abschrecken sollen, oder Abdeckbleche, die ungefährlich für die Tiere seien. Sie sollen verhindern, dass sich Nistmaterial ansammeln kann. "Zusätzlich werden Kabelisolierungen, Aufsitzstangen und Abdeckhauben angebracht", hieß es. Netze BW stimme sich dabei mit den regionalen Storchenbeauftragten ab.

Das Problem: Ein schwerer Horst kann sowohl die Sicherheit der Störche als auch die zuverlässige Stromversorgung gefährden. Dabei geht es einer Sprecherin zufolge etwa um die Standsicherheit des Mastes, mögliche Verstöße gegen die Verkehrssicherungspflicht sowie Gefahren wegen instabiler Nester.

Hunderte Kilo schwer

Storchenhorste können nach früheren Angaben des Naturschutzbunds Nabu mehrere Hundert Kilogramm schwer werden. Daher müssten die riesigen Nester auch mal abgetragen werden, um ein Dach oder einen Mast statisch zu entlasten.

Prinzipiell bleiben Störche den Angaben zufolge ihrem Horst treu und bessern die Nester im Frühjahr aus. Beim Bau verwenden die Tiere nicht immer nur Äste und andere Materialien aus der Natur – sondern alles, was sie finden können.

Turnschuhe und Kunststoffschnüre zum Nestbau

Und das ist nicht ungefährlich: "Je näher sich ein Storchenhorst an der Zivilisation befindet, umso mehr ist mit Mülleintrag zu rechnen", hatte der Nabu-Fachbeauftragte für Weißstörche, Stefan Eisenbarth, Ende vergangenen Jahres mitgeteilt.

Im Rheinhafen in Karlsruhe seien bei einer Horstreinigung im Herbst knapp vier Kilogramm Zivilisationsmüll zusammengekommen. "Darin können sich Jungstörche verheddern und verletzen", erklärte Eisenbarth. "Wir fanden einen Turnschuh, Gummihandschuhe, Kunststoffschnüre, Plastikfolien, verschiedene Gummiteile und ein Stahlband."

Einige überwintern in Deutschland

Schon seit den ersten Februarwochen sind in diesem Jahr viele Weißstörche laut dem Naturschutzbund zurück auf ihren Horsten in Baden-Württemberg angekommen. Die frühen Rückkehrer hätten meist in Spanien oder Südfrankreich überwintert, hieß es.

Zudem gebe es einige Hundert sogenannte Winterstörche, die das ganze Jahr in Deutschland bleiben. "Diese profitieren von den milderen Wintern, in denen die Schreitvögel auch in kalten Monaten ausreichend Nahrung wie Mäuse, Schnecken, Würmer oder Fische finden."

Eisenbarth verwies darauf, dass immer wieder Horste illegal oder auch legal – mit Genehmigung der Behörden – entfernt würden, weil Kot und Lärm störten. "Mit der Horstentfernung ist das Problem jedoch nicht gelöst", erläuterte der Experte in einer Mitteilung. "Der Storch baut entweder erneut am gleichen Platz oder sucht sich einen neuen, der vielleicht noch ungeschickter erscheint."

Vogelbeobachter haben einige der heimischen Störche mit Sendern ausgestattet. Interessierte können so Aufenthaltsorte und Routen beispielsweise über die App "Animal Tracker" verfolgen.

Population erholt sich

Die Population der Weißstörche im Südwesten ist nach Einschätzung der Fachleute im Aufwind – wenn auch nur mäßig. Kurz vor Weihnachten 2025 gingen sie von etwa 1,6 Jungen aus, die ein Elternpaar im Schnitt im vergangenen Jahr erfolgreich aufgezogen hatte.

"Nach vorläufigen Zahlen der Landesweißstorchbeauftragten Judith Opitz haben dieses Jahr zwischen Rhein, Main und Bodensee rund 2.600 Storcheneltern rund 4.100 Jungstörche erfolgreich aufgezogen", hieß es damals. Zum Vergleich: 1975 lebten in ganz Baden-Württemberg 15 Brutpaare.

Damit die Storchenpopulation nicht wieder abnehme, müssten mindestens 1,3 Jungstörche pro Horst ausfliegen. 2024 waren wegen schlechten Wetters teils bis zu 90 Prozent der Jungtiere gestorben, meist an Unterkühlung.

Fast 14.000 Kilometer Freileitungen im Südwesten

Auch über die Absicherung an Strommasten hinaus engagieren sich Netze BW und andere Energieunternehmen mit dem Landesumweltministerium, dem Verband für Energie- und Wasserwirtschaft Baden-Württemberg und dem Nabu für den Schutz von Vögeln. So werden seit Jahren Leitungen nach aktuellen Standards des Vogelschutzes ausgerüstet und regelmäßig überprüft.

"Vor allem Großvögel wie Störche, Greifvögel oder Eulen nutzen die Freileitungsmasten als Sitz-, Schlaf- oder Brutplatz", heißt es dazu auf den Internetseiten des Ministeriums. "Dabei können sie die Isolatoren der Leitungen überbrücken oder die Leitungen kurzschließen." Die Um- und Nachrüstung der Masten werde Jahre dauern.

Nach Angaben aus dem Jahr 2024 gibt es mehr als 60.000 Kilometer Mittelspannungsleitungen in Baden-Württemberg. Davon seien fast 14.000 Kilometer Freileitungen. Die meisten Kabel seien in der Erde verlegt.

Quelle: dpa

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