Baden-WürttembergZahngold von Toten geklaut? Anklage gegen Bestatter

Über mehr als zehn Jahre hinweg soll ein Bestatter in Freiburg tote Menschen bestohlen haben. Die Staatsanwaltschaft erhebt Anklage - auch die Ehefrau des Mannes und ein Juwelier kommen darin vor.
Freiburg im Breisgau (dpa/lsw) - Weil er unter anderem Zahngold von Toten geklaut haben soll, hat die Staatsanwaltschaft Freiburg Anklage gegen einen Bestatter erhoben. Dem Mann wird unter anderem Störung der Totenruhe in 250 Fällen, Diebstahl in 50 Fällen sowie Geldwäsche in 21 Fällen vorgeworfen, wie die Staatsanwaltschaft vergangene Woche mitteilte. Auch gegen die Ehefrau des Mannes sowie gegen einen Juwelier wurde demnach Anklage wegen Geldwäsche erhoben. Die Frau wird zudem der Beihilfe beschuldigt. Zuvor hatten mehrere Medien berichtet.
Zahngold und Wertgegenstände von Toten entfernt
Der Bestatter sei Mitarbeiter des Eigenbetriebs Friedhöfe der Stadt Freiburg gewesen. Er soll während als auch außerhalb seiner Arbeitszeiten aus Gebissen von Toten, die zur Kremation bestimmt waren, Zahngold in Form von Füllungen, Kronen und Brücken an sich genommen haben. Außerdem habe er Schmuck, Uhren und andere Wertgegenstände gestohlen, die auf Wunsch der Angehörigen mit den Verstorbenen hätten bestattet werden sollen.
Seine Ehefrau habe ihn dabei tatkräftig unterstützt und zudem aufgepasst, dass ihn niemand bei den Taten störte. Der Verkauf der Beute sei zum Großteil über den ebenfalls angeklagten Juwelier abgelaufen. Die Staatsanwaltschaft nimmt an, dass der Juwelier die rechtswidrige Herkunft des Golds zumindest in Kauf genommen habe. Für ihn sei es eine profitable Erwerbsquelle gewesen.
Mehr als zehn Jahre Tatzeitraum
Zwischen den Jahren 2013 und 2024 seien dadurch unter anderem mehr als acht Kilogramm Zahngold für knapp 250.000 Euro verkauft worden. Die Geschäfte sollen dem angeschuldigten Ehepaar einen gehobenen Lebensstil ermöglicht haben. Das Amtsgericht Freiburg entscheidet nun über die Eröffnung eines Hauptverfahrens.