BayernFan-Wut und Rechnereien: Fürths "maximal prekärer" Showdown

Nach drei Jahrzehnten steht Fürth vor dem Absturz in die Drittklassigkeit. Im Abstiegs-Finale gegen Düsseldorf geht es um alles. Den Fan-Unmut ist enorm. Coach Vogel macht dazu eine klare Ansage.
Fürth (dpa/lby) - Den riesigen Druck will Heiko Vogel gar nicht wegdiskutieren. Die Sorge vor dem Abstieg seiner SpVgg Greuther Fürth in die Drittklassigkeit sei "in jedem Training, jeder Übung, jeder Spielform" zu spüren. Kein Wunder: Fürth muss am letzten Spieltag der 2. Fußball-Bundesliga gegen Fortuna Düsseldorf am Sonntag (15.30 Uhr/Sky) gewinnen, um eine historische Pleite noch verhindern zu können. Den Franken droht nach fast drei Jahrzehnten erstmals wieder der Absturz aus den ersten beiden Ligen in Deutschland. "Die Tragweite ist uns bewusst", sagte Vogel zu dem Worst-Case-Szenario.
In Fürth ist die Hoffnung auf ein Happy End nach dieser verpatzten Saison aber noch nicht gestorben. Vom "wichtigsten Spiel der letzten Jahrzehnte" schreibt der Verein. Vogel weiß, was von den mindestens 90 Minuten gegen Düsseldorf alles abhängt, weit über den Sport hinaus. "Es geht auch um Schicksale, die nicht die Menschen betrifft, die um das Spielfeld herum sind", sagte er und mahnte: "Auch Arbeitsplätze auf der Geschäftsstelle könnten involviert sein."
Vogel: Verständnis für Unruhe bei Fans
So eine Lage hat der Fürther Ronhof, der gegen die Fortuna ausverkauft sein wird, noch nicht erlebt. Und die Stimmung rund um den Verein könnte kaum schlechter sein. Schon beim 1:2 in Berlin trotz mehr als einstündiger Überzahl pfiffen die Fans das Team aus, nach dem Schlusspfiff gab es eine Standpauke vor der Kurve. "Alle sind enttäuscht, die Fans, wir selbst. Die haben uns gerade zurecht ihren Unmut spüren lassen", sagte Stürmer Noel Futkeu zu der Szene.
"Wir sind in einer Situation, die maximal prekär ist", unterstrich Coach Vogel und meinte: "Alles andere als wütende und mit Unverständnis reagierende Fans wären nicht angebracht. Ich kann die Unruhe vollends verstehen."
Petition gegen Vereinsbosse erreicht auch Spieler
Nach Einschätzung der Anhänger trägt aber nicht nur die Mannschaft die Schuld an der Misere, sondern vor allem Geschäftsführer Holger Schwiewagner. Eine Online-Petition von Fans an den Aufsichtsrat und das Präsidium mit der Aufforderung, sich von Schwiewagner zu trennen, erhielt in dieser Woche innerhalb weniger Stunden die erhofften - symbolischen - 1903 Stimmen. "Ich muss es ausblenden", sagte Vogel. Er ist sich aber im Hinblick auf seine Spieler bewusst, dass solche Aktionen "mit Sicherheit an sie herangetragen werden".
Schwiewagner ist seit Oktober 2024 und den Trennungen von Geschäftsführer Rachid Azzouzi sowie Trainer Alexander Zorniger der starke Mann beim Kleeblatt-Verein. Laut einem Bericht der "Fürther Nachrichten" könnte er dies auch weiter bleiben: Sein Vertrag sei schon im Vorjahr um fünf Jahre bis 2030 verlängert worden - öffentliche Statements dazu gibt es in Fürth nicht.
Trotz Ausgangslage: Vogel will keine "kopflose Attacke"
Seit der Saison 1997/98 spielt Fürth in der 1. oder 2. Liga. Die Ausgangslage nun ist einigermaßen simpel: Ein Remis oder einer Niederlage gegen Düsseldorf bedeuten den sicheren Abstieg. Selbst ein Sieg mit weniger als drei Toren Differenz kann nicht reichen, wenn parallel sowohl Arminia Bielefeld nicht gegen Hertha BSC und Eintracht Braunschweig nicht deutlich bei Schalke 04 verlieren. Gewinnt Fürth mit mehr als drei Toren Abstand, ist mindestens die Relegation sicher und abhängig von den anderen Partien auch die direkte Rettung möglich.
Fürth muss gewinnen. Der taktische Plan sei dennoch "ein bisschen komplex", sagte Vogel. Was er nicht will ist "kopflose Attacke, um das gewünschte Ergebnis schon in den ersten Minuten auf null zu stellen. Das wäre fatal".