BayernHunderttausende profitieren von Mindestlohn-Erhöhung

Das Landesamt für Statistik hat errechnet, wie viele Menschen in Bayern von der Erhöhung zu Jahresbeginn profitiert haben könnten. Das ist nicht ganz so einfach.
Fürth (dpa/lby) - Die Mindestlohn-Erhöhung zum 1. Januar dürfte Hunderttausenden Bayern mehr Geld in die Tasche spülen. Frauen profitieren dabei deutlich häufiger als Männer, wie das Landesamt für Statistik ermittelt hat. Wie viele Menschen allerdings genau einen Vorteil aus der Erhöhung ziehen, ist im Moment schwierig zu sagen.
Das liegt daran, dass die Berechnungen des Landesamtes auf Zahlen aus dem April 2025 beruhen und Lohnerhöhungen seither nicht berücksichtigen. Auf dieser Basis kommen die Statistiker zum Ergebnis, dass bis zu 688.000 Menschen eine Auswirkung spüren, weil sie weniger als 13,90 Euro pro Stunde verdienten und in einem Job arbeiteten, für den der neue Mindestlohn gilt. Im Schnitt würden sie durch die Erhöhung sechs Prozent mehr verdienen.
Wahrscheinlich weniger
Die Zahl der Arbeitnehmer, die zum 1. Januar tatsächlich vom Mindestlohn profitieren, dürfte allerdings niedriger liegen - weil ein Teil der Menschen, die im April noch unter dem anstehenden Mindestlohn lagen, in der Zwischenzeit ihr Gehalt steigern konnte und jetzt auch ohne die staatliche Regelung bereits mehr verdient.
Wie stark dieser Effekt sein kann, zeigt ein Blick auf Berechnungen, die das Landesamt im Juli veröffentlicht hat und die noch auf den Zahlen des April 2024 basierten. Diese hatten ergeben, dass bis zu 994.000 Menschen von der Mindestlohn-Erhöhung betroffen sein könnten. Binnen eines Jahres hat sich die Zahl also um rund ein Drittel reduziert.
Frauen und Dienstleister häufiger betroffen
Schon damals - wie auch noch jetzt - zeigt sich aber, dass der Mindestlohn insbesondere Frauen etwas bringt. Weil sie häufiger in niedriger bezahlten Berufen arbeiten, profitieren auf Basis der Zahlen aus dem April 2025 rund 12 Prozent der Frauen in Jobs, für die die Mindestlohnregelung gilt, bei Männern sind es rund 8 Prozent. Auch zwischen den Wirtschaftsbereichen gibt es große Unterschiede, im Dienstleistungsbereich sind es 12 Prozent der Beschäftigten im produzierenden Gewerbe nur 5.
Die nächste Mindestlohn-Erhöhung auf dann 14,60 Euro pro Stunde steht für den 1. Januar an. Dann könnten bis zu einer Million Beschäftigte profitieren, heißt es vom Landesamt. Auch hier dürfte die Zahl angesichts anstehender Tarifrunden und anderer Gehaltssteigerungen aber noch deutlich sinken.
DGB: Erhöhung zeigt Wirkung
Der Vorsitzende des DGB in Bayern, Bernhard Stiedl, nannte die Erhöhung einen wichtigen Schritt für mehr soziale Gerechtigkeit und für die Stabilisierung der Kaufkraft in wirtschaftlich unsicheren Zeiten. Gleichzeitig bleibe klar: "Der Mindestlohn ist eine notwendige Untergrenze, aber kein Ersatz für Tarifverträge. Gute Löhne und verlässliche Arbeitsbedingungen gibt es vor allem dort, wo Tarifbindung gilt." Deshalb brauche es gerade in Bayern mehr politische Anstrengungen zur Stärkung der Tarifbindung.