BayernInternational gesuchter Schleuser überstellt

Nach jahrelangen Ermittlungen wird ein gesuchter Hauptbeschuldigter aus dem Libanon nach Deutschland gebracht. Behörden sprechen von einem bedeutenden Fahndungserfolg.
Weiden in der Oberpfalz (dpa/lby) - Ein international gesuchter Hauptbeschuldigter im Zusammenhang mit organisierter Schleuserkriminalität ist nach Deutschland überstellt worden. Wie die Bundespolizeiinspektion Waidhaus und die Staatsanwaltschaft Weiden mitteilten, erfolgte die Überstellung nach jahrelangen internationalen Ermittlungen.
Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, in 45 Fällen bandenmäßig Menschen eingeschleust zu haben. Dabei habe er die Betroffenen teils lebensgefährlichen Situationen ausgesetzt. Insgesamt soll er an der Einschleusung von 829 Personen beteiligt gewesen sein. 580 Geschleuste konnten den Angaben zufolge identifiziert werden.
Das Amtsgericht Weiden hatte bereits im September 2021 Untersuchungshaft angeordnet. Zur internationalen Fahndung wurde eine sogenannte "Red Notice" veranlasst, also ein Fahndungsaufruf über die internationale Polizeiorganisation Interpol. Zielfahnder der Bundespolizei lokalisierten den Mann schließlich im Libanon, wo er im August 2025 festgenommen wurde. Die Auslieferung nach Deutschland sei persönlich vom libanesischen Staatspräsidenten Joseph Khalil Aoun genehmigt worden.
Nach der Ankunft am Flughafen Frankfurt am Main wurde der Beschuldigte von Bundespolizisten nach Weiden in der Oberpfalz gebracht. Dort führten ihn Beamte am Dienstag dem Haftrichter vor, der die Inhaftierung anordnete.
Schleusernetzwerk aufgedeckt
Die Ermittlungen stehen im Zusammenhang mit einem umfangreichen internationalen Verfahren. Deutsche und rumänische Behörden hatten gemeinsam mit weiteren europäischen Partnern ein weit verzweigtes Schleusernetzwerk aufgedeckt. Dieses organisierte Transporte von Migranten aus dem Nahen Osten über Südosteuropa bis nach Westeuropa in Lastkraftwagen. Mehr als 30 Tatverdächtige seien ermittelt worden, mehrere Beteiligte bereits in verschiedenen europäischen Staaten festgenommen und verurteilt worden.
Staatsanwalt Matthias Bauer erklärte, der Fall habe gezeigt, dass organisierte Schleuserkriminalität nur durch konsequente internationale Zusammenarbeit wirksam bekämpft werden könne. Die Überstellung sei ein bedeutender Erfolg und ein klares Signal der Rechtsstaatlichkeit.