Berlin & BrandenburgBadenberg warnt: "Noch mehr Druck, noch mehr Hinrichtungen"

Berlins Justizsenatorin berichtet von eigenen Kriegserfahrungen und äußert ihre Sorge um die Zukunft des Iran. Wie sie die Rolle der internationalen Gemeinschaft sieht.
Berlin (dpa/bb) - Berlins Justizsenatorin Felor Badenberg blickt mit Sorge auf den Krieg in Nahost. "Die Menschen sind jetzt verunsichert", sagte sie nach der jüngsten Senatssitzung im Roten Rathaus.
"Sie sind auf der einen Seite glücklich und froh darüber, dass dieses blutige Gesicht des Regimes nicht mehr am Leben ist", ergänzte die CDU-Politikerin mit Blick auf den Tod des geistlichen Oberhaupts des Iran, Ali Chamenei. "Auf der anderen Seite wissen sie aber nicht, was auf sie zukommt. Sie wissen auch nicht: Ist das der nächste Bürgerkrieg, der da droht?"
Als Kind im Schutzbunker
"Wir haben alle noch die Bilder vom Iran-Irak-Krieg vor Augen. Ich habe selbst diesen Krieg miterlebt", sagte Badenberg, die 1975 in Teheran geboren wurde und mit ihrer Familie im Alter von zwölf Jahren nach Deutschland kam. "Ich weiß, was es heißt, wenn man nicht weiß, ob man in den nächsten Stunden noch am Leben ist und wenn man sich nächtelang in Schutzbunkern aufhalten muss."
Diese Sorge schwinge bei vielen Menschen mit. Die zweite sei, dass die USA und die israelische Regierung möglicherweise nur ein Ziel verfolgten, die iranischen Atomanlagen zu vernichten und sich danach zurückziehen könnten. "Und dann? Was passiert dann? Der Wächterrat sitzt jetzt schon zusammen und will die Nachfolge von Ali Chamenei bestimmen", erklärte die CDU-Politikerin.
Wenn es keinen Systemwechsel gebe und man die Menschen den Revolutionsgarden überlasse, werde das Leben für sie noch viel schwieriger, als es vorher gewesen sei. Die bis an die Zähne bewaffneten Revolutionsgarden würden alles tun, damit eine solche Situation nie wieder komme. "Das heißt noch mehr Druck, noch mehr Repressalien, noch mehr Hinrichtungen, Folterungen", sagte Badenberg. Sie würde sich deshalb wünschen, dass die internationale Gemeinschaft die Menschen im Iran nicht allein lasse.