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Berlin & BrandenburgDankbarkeit auf Pfoten: traumatisierte Hunde aus der Ukraine

22.02.2026, 05:30 Uhr
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Wenn im ukrainischen Kriegsgebiet Menschen fliehen müssen, bleiben oft Tiere zurück – verletzt, verängstigt, allein. Immer wieder retten Tierschützer Hunde und Katzen und bringen sie nach Deutschland.

Markgrafpieske/Bonn (dpa/bb) - Rund 50 Kilometer südöstlich von Berlin liegt zwischen Kiefernwäldern und Feldwegen die Tierherberge "Rendez-vous mit Tieren": ein stiller Zufluchtsort für Hunde und Katzen, die aus dem Lärm und den Schrecken des Krieges in der Ukraine gerettet wurden.

Tierarzt und Leiter Hasan Tatari und sein Team kümmern sich dort um medizinisch anspruchsvolle Fälle, wie die Mischlingshündin Mina. "Sie wurde wahrscheinlich angeschossen und hinterher angefahren. Jetzt ist sie querschnittsgelähmt und braucht einen Spezialrollstuhl. Aber sie ist ein sehr, sehr fröhlicher Hund, Mina sprüht vor Lebensfreude und Dankbarkeit", erzählt Tatari. Die Dankbarkeit lasse sich an den Augen und dem Verhalten der Hunde ablesen.

Seit Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine vor vier Jahren haben Tatari und sein Team in Markgrafpieske (Oder-Spree) immer wieder Hunde und Katzen von dort aufgenommen. Erst vor wenigen Tagen kamen 15 Hunde. Sie stammen aus einer Rettungsaktion aus der Nähe der Frontlinie bei Cherson.

Der Verein mit Hauptsitz in Schweinfurt hat eigenen Angaben zufolge seit Kriegsbeginn bis Ende vergangenen Jahres 456 Hunde, 65 Katzen und 2 Pferde aus der Ukraine in Obhut genommen – inklusive tiermedizinischer Versorgung, Quarantänemaßnahmen und Kastrationen.

Ob sich jemand in Mina verlieben wird?

In seiner Station hat Tatari eigenen Worten zufolge seit Kriegsbeginn rund 130 ukrainische Hunde aufgenommen. "Etwa 70 Prozent von denen sind schon vermittelt worden", sagt er. Die Tiere finden vor allem in Brandenburg und Berlin neue Familien, einige auch in anderen Teilen Deutschlands. Ob auch Mina eine neue Familie finde, könne er nicht sagen. "Das hängt davon ab, ob wirklich jemand kommt, der sich in sie verliebt und bereit ist, mit ihrer Behinderung klarzukommen", sagt der Tierarzt. Durch die Lähmung sei der Hund auch inkontinent.

Zur Gesamtzahl der nach Brandenburg gebrachten Hunde liegen laut der Landestierschutzbeauftragten Anne Zinke keine landesweit erhobenen Daten vor. Einzelne Transporte und Meldungen bei den zuständigen Veterinärbehörden sowie Übernahmen durch Tierschutzorganisationen würden aber erfasst.

Sophia brachte acht Welpen im Luftschutzbunker zur Welt

Ein besonderes Schicksal hat auch Hündin Sophia erlebt: "Sie wurde mit ihren acht Babys in einem Luftschutzbunker gefunden", erzählt Tatari. Inzwischen habe sich die Hündin gut von den Strapazen erholt. "Und die Babys haben sich super entwickelt und sind schön gewachsen." Eines von ihnen heißt wegen der markanten Flecken rund um die Augen "Panda".

Der Krieg habe die Tiere oftmals traumatisiert und verängstigt, erzählt der Tierarzt. "Sie haben Angst bei jedem Gewitter, bei jedem Knallen und manche sind skeptisch mit Menschen." Die Therapie: "Man gibt ihnen einfach Zeit. Nach wenigen Tagen merken die Hunde, dass sie es mit Menschen zu tun haben, die nur das Beste für sie wollen. Und peu à peu spürt man halt, dass das Vertrauen zwischen Mensch und Tier wächst." Stärker traumatisierte Tiere bräuchten mehr Zeit. Laut Verein sind "nicht wenige" der Hundeschützlinge nachhaltig traumatisiert von den Schrecken und der Todesangst im Krieg und somit nicht vermittelbar.

Hunde sollen wieder Vertrauen fassen

Was Hasan Tatari persönlich antreibt, beschreibt er schlicht: "Man ist sehr glücklich, wenn man die Dankbarkeit von einem Tier spürt, dass sie Vertrauen fassen und merken, dass die Menschen doch nicht alle böse sind." Einen der ukrainischen Hunde hat er selbst behalten: den Rüden Sky. "Man spürt jeden Tag seine Dankbarkeit darüber, dass er ein schönes Leben bei mir zu Hause hat."

Eine Besonderheit der Station in Markgrafpieske: Hunde leben dort nicht in Käfigen, sondern in umgebauten Zimmern eines alten Vierseitenhofs. "Zwinger sind verboten bei uns", erklärt der Tierarzt. Die Tiere leben in Gruppen und haben engen Kontakt zu ihren Betreuern – ein Konzept, das Vertrauen schneller entstehen lässt.

Viele Tierschützer im Einsatz

Auch andere Tierschutzorganisationen sind in der Ukraine im Einsatz. Peta etwa arbeitet mit der Organisation ARK vor Ort zusammen. Nach Angaben einer Peta-Sprecherin wurden seit 2022 bereits rund 30.000 Tiere gerettet. Ein Teil von ihnen sei auch nach Deutschland gekommen.

Etwa 25 bis 30 Prozent der Tiere konnten laut Peta mit ihren ursprünglichen Haltern in der Ukraine und auch in Europa wieder vereint werden. Der Krieg führe zu verheerenden Zuständen für Menschen und Tiere: "Es kommen Tiere, die durch Raketen und Bomben verletzt wurden, Brüche und tiefe Wunden haben", heißt es von der Organisation.

Der Deutsche Tierschutzbund arbeitet unter anderem mit der ukrainischen Tierschutzorganisation UAnimals. Auch diese bringt Tiere von der Front in sichere Gebiete der Ukraine. "Die Kapazitäten des Netzwerks an Tierheimen sind mittlerweile mehr als ausgelastet", sagt Luca Secker, Fachreferentin für Heimtiere und Auslandstierschutz beim Deutschen Tierschutzbund. Deshalb würden Tierschutzvereine zunehmend versuchen, Tiere innerhalb der EU unterzubringen oder nach Deutschland zu holen.

Tierschutzbund setzt sich für Lösungen vor Ort ein

Grundsätzlich setze sich der Deutsche Tierschutzbund jedoch für Lösungen in der Ukraine ein: "Nur so können nachhaltige und tierschutzgerechte Maßnahmen etabliert werden, um das Leid zukünftiger Generationen von sogenannten Straßentieren zu verhindern." Das reine massenhafte Verbringen von Tieren stelle keine echte Lösung dar. Es sei empfehlenswert, Hilfe vor Ort zu unterstützen, vor allem durch Spenden.

Landestierschutzbeauftragte Anne Zinke erklärt dazu: "Aus Tierschutzsicht ist zu begrüßen, wenn Tiere aus einer unmittelbaren Kriegs- und Gefahrenzone in eine sichere Umgebung verbracht werden." Ob dieser Ort zwingend in Deutschland sein müsse, sei im Einzelfall zu bewerten.

Quelle: dpa

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