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Berlin & BrandenburgKreuzberger Sittiche vor dem Durchstarten?

18.03.2026, 05:01 Uhr
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Ein Paar Halsbandsittiche hat den Winter in einer Erle an einem Biergarten verbracht. Laut einer Forscherin könnten die Bestände in Berlin bald wachsen – und für Probleme bei heimischen Arten sorgen.

Berlin (dpa/bb) - In Berlin-Kreuzberg hat sich ein Halsbandsittich-Paar in einer Erle vor einem Biergarten niedergelassen und überwintert. Inzwischen sind die beiden Vögel zu einer Attraktion für Anwohner und Touristen geworden. Noch sind die Halsbandsittiche echte Exoten, doch in den kommenden Jahren könnten sie sich deutlich vermehren. Das Potenzial dafür sei vorhanden, sagt Silke Voigt‑Heucke vom Leibniz‑Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW).

"Halsbandsittiche sind sehr anpassungsfähig und vermehren sich in städtischen Umgebungen zumindest bei mildem Klima gut. Die Erfahrungen auch aus anderen europäischen Städten wie London, Brüssel oder Madrid zeigen, dass sich kleine Gründerpopulationen unter günstigen Bedingungen innerhalb weniger Jahrzehnte stark vergrößern können", so die Biologin und Leiterin der Beratungsstelle "Wildtiernah".

Tausende Brutpaare in Deutschland

Ursprünglich stammen Halsbandsittiche aus Savannen und offenen Bergwäldern Asiens und Afrikas. In Deutschland haben sie sich laut Naturschutzbund (Nabu) in größeren Städten etabliert und von dort aus in die Randbereiche ausgebreitet. Ihr Bestand wird bundesweit auf 4.600 bis 7.500 Brutpaare geschätzt - Tendenz steigend. Ursprünglich sei der Halsbandsittich als Gefangenschaftsflüchtling nach Europa gekommen. Dort habe er sich vor allem in größeren Städten etablieren können. In Deutschland wurde die erste Brut 1969 in Köln festgestellt.

Eine Fütterung durch Anwohner wie in Kreuzberg hält die Forscherin Voigt-Heucke nicht für notwendig. "Halsbandsittiche finden in städtischen Umgebungen in der Regel zuverlässig selbst Nahrung, wie die etablierten Populationen in Europa zeigen." Ferner könne Fütterung langfristig eine Populationsentwicklung begünstigen, die ökologisch problematisch werden könne.

Verdrängung und Tötung heimischer Arten

Zudem gibt es demnach inzwischen klare Hinweise darauf, dass die exotischen Vögel heimische Arten beeinträchtigen können – vor allem durch Konkurrenz um Brutplätze. "Der am besten dokumentierte Effekt ist tatsächlich die Konkurrenz um Baumhöhlen, die für viele heimische Arten wie Kleiber, Stare oder Spechte Brutplätze sind. Auch bei Fledermäusen sind negative Interaktionen dokumentiert: sowohl Verdrängung aus Quartieren als auch vereinzelte direkte Tötungen", so die Wissenschaftlerin.

Leere ökologische Nischen würden die Halsbandsittiche nicht besetzen, betont Voigt‑Heucke. "Halsbandsittiche verdrängen punktuell andere Arten aus Höhlen. Sie besetzen also keine leeren Nischen, sondern drängen in bereits besetzte."

Quelle: dpa

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