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Berlin & BrandenburgEispanzer gegen Spätfrost: Landwirte schützen Heidelbeeren

10.04.2026, 07:42 Uhr
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(Foto: Malte Voigts/Spargelhof Kremmen/)

Nächtlicher Einsatz, teure Technik und ein Eispanzer: Wie Obstbauern ihre Ernte vor Frost retten wollen - und warum das längst nicht alle können.

Kremmen/Potsdam (dpa/bb) - Kurz vor Mitternacht steht Landwirt Malte Voigts auf seinem Heidelbeer-Feld. Kalte Nächte im April haben Obstbauern besonders genau im Blick - aus Sorge vor Frostschäden. "Sobald Temperaturen um null Grad angekündigt sind, müssen wir nachts raus", berichtet Landwirt Voigts aus Kremmen im Landkreis Oberhavel. Auf einem Teil seiner insgesamt 25 Hektar großen Heidelbeer-Felder arbeitet er mit Frostschutzberegnung, um die Obstblüten vor Schäden zu bewahren.

Frost hatte etwa im April 2024 für große Ernteeinbußen bei Äpfeln in Brandenburg gesorgt. Laut Gartenbauverband Berlin-Brandenburg entstanden Millionen-Schäden.

Für Landwirte mit Obstplantagen herrscht derzeit eine sensible Phase, und auch im Mai kann es noch späte Nachtfröste geben. Aber das bleibt nicht das einzige Wetterrisiko für die Obstbauern.

Eispanzer soll Blüten schützen

"Ich hoffe sehr, dass nichts passiert", sagt Landwirt Voigts. Zwischen Heidelbeerkulturen führen Wasserleitungen für die Frostschutz-Beregnungsanlagen entlang. Die Sträucher werden daraus mit Wasser berieselt, damit sich um die Blüten ein isolierender Eispanzer bildet. Es entsteht dadurch sogenannte Erstarrungswärme, die Blüten und Knospen vor dem Erfrieren schützt. Wichtig sei, die Beregnung auch bei Sonne und Plusgraden erst dann abzuschalten, wenn der Eispanzer vollständig geschmolzen sei, sagt Voigts, der neben Heidelbeeren auch Spargel und Kürbis anbaut. Auch ein Betrieb in Klaistow bei Beelitz lässt Frostberegner über den Heidelbeeren laufen, wie der Rbb berichtete.

Teures Verfahren

Doch insgesamt nutzten das noch zu wenige Betriebe, sagt der Präsident des Gartenbauverbandes, Klaus Hentschel. Zwar kann er keine Angaben zu Gesamtkosten nennen, aber das Verfahren gilt als aufwendig und teuer.

"Man braucht als Erstes sehr viel Wasser in kurzer Zeit", sagt Hentschel. Die Investitionen für nötige Wasserbecken und die Beregnungsanlagen könne nicht jeder Betrieb aufbringen, denn es stelle ein zusätzliches System neben der vorherrschenden Tröpfchenbewässerung in Obstplantagen dar. Zudem seien die bürokratischen Hürden hoch, etwa um Genehmigungen für das Bohren von Brunnen zu bekommen, so Hentschel.

Gartenbauverband: Spätfröste treten häufiger auf

Branchenweit könnte sich die Lage noch verschärfen. Spätfröste treten laut Gartenbauverband inzwischen häufiger auf. "Früher gab es alle 5 bis 6 Jahre Spätfröste. Jetzt muss man jedes zweite Jahr damit rechnen", meint Hentschel.

Ob die diesjährige Ernte gesichert ist, bleibt noch ungewiss. "Erst Anfang Juni wissen wir, ob viel geschädigt ist." Kulturheidelbeeren jedenfalls werden meist ab Juli geerntet.

Die Frucht war 2024 mit einer Anbaufläche von 3.500 Hektar (+0,9 Prozent gegenüber 2023) "die bedeutendste Strauchbeerenart in Deutschland". Die Fläche wächst seit Jahren.

Die Landwirte müssen sich neben Spätfrösten bis Mai auf weitere Wetter-Risiken einstellen: etwa Hagel und damit auf zusätzliche Schutzmaßnahmen wie Hagelschutznetze für die Obstplantagen. "Das ist das nächste Problem, wo weiter investiert werden muss", sagte Hentschel.

Quelle: dpa

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