Berlin & Brandenburg400.000 Wohnungen in der Hauptstadt gehören dem Land Berlin

Die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften haben in den vergangenen Jahren wie geplant ihren Wohnungsbestand deutlich erweitert. Die Mieten sind dort günstiger als der Mietspiegel.
Berlin (dpa/bb) - Das Land Berlin hat auf dem angespannten Wohnungsmarkt in der Hauptstadt in den vergangenen zehn Jahren fast 49.000 Wohnungen angekauft und rund 43.000 neu gebaut. Insgesamt gehören dem Land über seine landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften derzeit mehr als 400.000 Wohnungen - damit konnte ein 2016 aufgestelltes Ziel erreicht werden. Wie die Unternehmen mitteilten, lag die durchschnittliche Bestandsmiete für diese Wohnungen 2025 bei 7,09 Euro pro Quadratmeter.
Die Bestandsmieten liegen damit unter dem berlinweiten Mietspiegel von 7,21 Euro. Datenbasis dieses Mietspiegels sind allerdings noch Zahlen aus dem Jahr 2023. Geförderte und dadurch günstigere Wohnungen werden dabei nicht berücksichtigt, während sie in den Zahlen der landeseigenen Wohnungsunternehmen eingerechnet wurden.
Wegner: Angebotsmieten sind noch eine Herausforderung
Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) bezeichnete den Wert von 7,09 Euro pro Quadratmeter als Erfolg. "Wo wir eine Herausforderung haben, das sind die Angebotsmieten", sagte Wegner. Grund seien die Baukosten, die in den vergangenen Jahren stark gestiegen sind.
Die Neuvertragsmieten lagen bei den landeseigenen Wohnungsunternehmen (ohne Berlinovo) im vergangenen Jahr im Schnitt bei 9,31 Euro pro Quadratmeter. Zum Vergleich verwiesen die Landeseigenen auf die auf Portalen angebotenen Mieten, die im Schnitt bei 17,76 Euro pro Quadratmeter lagen. Ob diese Mieten letztlich auch so vereinbart und bezahlt werden, ist nicht klar. Zudem werden viele Wohnungen nicht auf Portalen angeboten.
Verbände ziehen kritische Bilanz
Der Berliner Mieterverein beglückwünschte den Senat zur Erreichung des eigenen Ziels von mehr als 400.000 Wohnungen im landeseigenen Bestand, zog aber gleichwohl eine kritische Bilanz. "Das zentrale Versprechen der Roadmap - bezahlbarer Wohnraum für alle Berliner:innen - konnte beim Neubau nicht eingelöst werden", teilte der Verein mit.
Von 43.000 Neubauwohnungen seien bis Ende vergangenen Jahres nur 16.500 als Sozialwohnungen errichtet worden. Angesichts von etwa 80.000 Einheiten, die in den vergangenen zehn Jahren aus der Sozialbindung herausgefallen seien, sei das ernüchternd.
Die Berliner Industrie- und Handelskammer ist zudem der Ansicht, dass sich der hohe Bedarf an Wohnraum in der Hauptstadt nicht allein durch öffentliche Wohnungsunternehmen decken lasse. "Ohne die privaten und genossenschaftlichen Akteure geht es nicht", teilte IHK-Hauptgeschäftsführerin Manja Schreiner mit. "Diese können aber nur bauen, wenn die Rahmenbedingungen stimmen". Dazu gehörten planbare Verfahren, schnellere Genehmigungen oder niedrigere Bau- und Nebenkosten.
Berliner bleiben deutlich länger in ihren Wohnungen
Ein großes Problem auf dem Wohnungsmarkt nicht nur in Berlin ist der sogenannte Lock-in-Effekt. Viele Mieter bleiben in ihren Wohnungen, auch wenn sie vielleicht nicht mehr genau zu ihren Lebensumständen passt - weil ein Wechsel der Wohnung zu einer höheren Miete führen würde. Sichtbar wird das in der Fluktuation und der Verweildauer in einer Wohnung.
In den Wohnungen der landeseigenen Unternehmen ist die Verweildauer in den vergangenen 10 Jahren von 18 auf 25 Jahre gestiegen. Die Fluktuation ist auf 4 Prozent gesunken.
"Sehr wenige Wohnungen werden damit überhaupt in der Vermietung sichtbar. Historisch waren 10 Prozent Fluktuation in der Wohnungswirtschaft normal", sagte Ingo Malter, Sprecher der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften. "Das wären jährlich 160.000 Wohnungen in Berlin. Tatsächlich kommen wir jetzt auf vielleicht 60.000 Wohnungen, die jedes Jahr gezeigt werden."
Die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften sind Berlinovo, Degewo, Gesobau, Gewobag, Howoge, Stand und Land sowie WBM.