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Berlin & BrandenburgEin Jungstar schreibt Geschichte, ein Routinier sagt Tschüss

10.05.2026, 16:46 Uhr
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Herthas 16-jähriger "Fintenkönig" Eichhorn knackt einen Rekord – und bleibt trotzdem stumm. Ein Ex-Kapitän sagt goodbye - zumindest auf dem Feld.

Berlin (dpa/bb) - Auch nach seinem historischen Tor durfte Herthas Jungstar Kennet Eichhorn keine Interviews geben. Noch immer versucht der Berliner Fußball-Zweitligist, sein junges Talent vor dem Medienrummel zu schützen. Dabei hätte es nach dem 2:1 gegen Greuther Fürth im letzten Heimspiel der Saison genug Gesprächsbedarf gegeben.

Denn mit seinem Treffer zum zwischenzeitlichen 1:0 krönte sich Eichhorn zum jüngsten Torschützen der Zweitliga-Geschichte. Er war am Sonntag 16 Jahre, 9 Monate und 13 Tage alt und damit 52 Tage jünger als der bisherige Rekordhalter Gunther Reeg im Jahr 1985.

Reese lobt Eichhorn als "Fintenkönig"

Eichhorn trickste Gegenspieler Reno Münz mit einer einfachen Körpertäuschung aus und vollendete aus zehn Metern links oben in die Maschen. "Er ist ja der Fintenkönig aus Brandenburg. Die kann er gut, die macht er im Training. Den sehen wir, glaube ich, auch auf großen anderen Bühnen", schwärmte Kapitän Fabian Reese.

Zuvor hatte der Hauptstadt-Club nach einem Platzverweis für Josip Brekalo fast 60 Minuten in Unterzahl spielen müssen. Der Mittelfeldspieler war nach einer Notbremse in der 32. Minute vom Platz geschickt worden. Weil Fürth aber massiv Chancen-Wucher betrieb, schossen Eichhorn und Michael Cuisance (84.) die Berliner zum Sieg. Fürths Anschlusstreffer durch Noel Futkeu (88.) kam zu spät.

Womöglich war es sogar Eichhorns Abschiedsgeschenk. Der Teenager wird von zahlreichen Topclubs umworben und gilt auch angesichts der wirtschaftlichen Lage bei Hertha als Verkaufskandidat.

Abschied für Leistner: "Berlin ist blau-weiß"

Klar ist, dass Hertha ein Umbruch bevorsteht und der Kader reduziert werden wird. Den Neustart läutete der Hauptstadt-Club bereits vor Anpfiff mit der Verabschiedung von fünf Spielern ein. Vor allem mit dem Abgang von Routinier Toni Leistner hatten bis zuletzt wohl nur wenige gerechnet. Doch ebenso wie bei Diego Demme, John Anthony Brooks, Tim Hoffmann und Jeremy Dudziak wird auch sein Vertrag nach Saisonende nicht verlängert.

"Enttäuschung ist natürlich da, weil man den Verein ins Herz geschlossen hat. Angedeutet hat sich das nicht. Der Verein hat mich letzte Woche ins Büro geholt, hat mir alles erklärt, dann akzeptiert man das als Spieler. Man versucht, alles neu zu sortieren. Sortiert habe ich noch nicht alles, so ehrlich muss ich sein", berichtete Leistner.

Der 35 Jahre alte Ex-Kapitän soll an anderer Stelle bei Hertha eingebunden werden. "Wir sind froh, dass wir mit ihm auch darüber gesprochen haben, wie es vielleicht nach seiner sportlichen Karriere aussehen kann", sagte Sportdirektor Benjamin Weber. Zuvor war Leistner von den Fans lautstark gefeiert worden. "Man sieht sich immer zweimal im Leben. Berlin ist blau-weiß", brüllte Leistner, der auch eine Vergangenheit bei Union Berlin hat, ins Mikrofon.

Quelle: dpa

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