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Berlin & Brandenburg Experten legen Pläne für Uni-Medizin in Cottbus vor

Manja Schüle (SPD) stellt bei einem Pressegespräch in Potsdam den Bericht einer Expertenkommission zum Aufbau der Universitätsmedizin in Cottbus vor. Foto: Paul Zinken/dpa

(Foto: Paul Zinken/dpa)

176 Seiten Konzept, 18 Videokonferenzen und viele Einzelgespräche in den letzten Monaten: So beschreibt der Leiter der Expertenkommission die Arbeit an den Empfehlungen zum Aufbau der Uni-Medizin in Cottbus. Nun liegen die Pläne vor - und bergen schon viel Konkretes.

Cottbus/Potsdam (dpa/bb) - Es ist eines der größten Projekte für den Strukturwandel in der Lausitz: die Mediziner-Ausbildung in Cottbus. Eine Expertenkommission hat dafür am Dienstag Pläne vorgelegt. So soll nach ihren Empfehlungen ein Innovationszentrum Universitätsmedizin Cottbus (IUC) aufgebaut werden. Ministerpräsident Dietmar Woidke, Wissenschaftsministerin Manja Schüle (beide SPD) und der Leiter der Kommission, der ehemalige Chef der Berliner Charité, Karl Max Einhäupl, erläuterten die Pläne nach einer Kabinettssitzung.

"Ich gehe davon aus, dass das etwas sein wird und sein kann, was weit über Brandenburg hinaus ausstrahlen kann", sagte Einhäupl. Das werde davon abhängen, wie Experten und Akteure das Konzept umsetzten. Bis zur Fertigstellung des gesamten Baus im Jahr 2035 gehen die Fachleute von insgesamt rund 1600 Beschäftigten aus. Bei Umsetzung der Empfehlungen sehen sie einen geschätzten Finanzbedarf von etwa 1,9 Milliarden Euro bis 2038. Wie viel das Land Brandenburg beisteuert, sollten die Pläne umgesetzt werden, ist noch offen.

Ihnen zufolge würde das IUC aus der Universitätsmedizin Cottbus sowie einem digital unterstützten Netzwerk von Akteuren der Gesundheitsversorgung der Region bestehen. Es soll nach den Worten von Einhäupl eine Lücke in der medizinischen Forschung in Deutschland schließen. "Gesundheitssystemforschung wird in ihrer disziplinären Vielfalt abgebildet und in die Medizinische Fakultät des IUC integriert." Der zweite Schwerpunkt sei die Digitalisierung des Gesundheitswesens und könne zu einem national und international sichtbaren Leuchtturm für innovative Versorgungskonzepte werden.

Die Expertenkommission empfiehlt zudem, an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) eine Medizinische Fakultät zu gründen. Möglicherweise im Wintersemester 2026/27 könnten die ersten Studierenden in Cottbus starten. Das kommunale Carl-Thiem-Klinikum Cottbus (CTK) soll zu einem Universitätsklinikum in Landesträgerschaft sowie zu einem "Digitalen Leitkrankenhaus" ausgebaut werden. Finanziert werden sollen die Pläne aus dem Strukturfonds der Bundesregierung für die Kohleregionen.

Markus Niggemann, Aufsichtsratschef des Klinikums, sieht die Einrichtung für die Pläne gut vorbereitet. "Der angestrebte Dreiklang aus Forschung, Lehrer und medizinischer Versorgung trifft auf ein hervorragend aufgestelltes kommunales Klinikum", erklärte er. Laut Ministerin Schüle ist die entscheidende Frage, wie eine qualitativ hochwertige medizinische und pflegerische Versorgung auch in Zukunft sichergestellt werden könne. Das Konzept der Experten gebe auf diese Zukunftsfrage eine innovative Antwort.

Das Konzept soll bis Ende 2022 konkretisiert und dann vom Wissenschaftsrat bewertet werden. "Der Aufbau einer staatlichen Universitätsmedizin in Cottbus ist - neben dem Bahnwerk - das ambitionierteste Projekt für die Lausitz im Rahmen des Kohleausstiegs", erklärte Regierungschef Woidke.

Bis zum geplanten Ende der Kohleverstromung im Jahr 2038 sollen für den Strukturwandel 3,8 Milliarden Euro in den Brandenburger Teil der Lausitz fließen. Hauptziel ist es, neue und zukunftsfähige Jobs zu schaffen, damit die Regionen nach dem Kohleausstieg wirtschaftlich nicht zurückfallen. Der Cottbuser Oberbürgermeister Holger Kelch begrüßte die Empfehlungen der Expertenkommission: "Das ist ein wichtiges Votum und ein prägnantes Zeichen, dass der Strukturwandel angepackt wird."

© dpa-infocom, dpa:210802-99-672620/3

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