Berlin & BrandenburgNeuer Eisregen erwartet - Winter erschwert weiter den Alltag

Glatteis, Minusgrade: Dieser Winter setzt vielen zu. Für Ältere und Menschen mit Behinderung ist schon der Weg zur U-Bahn kaum zu bewältigen. Und in den kommenden Tagen wird wieder Eisregen erwartet.
Berlin (dpa/bb) - Wer angesichts teils freigeräumter Wege aufgeatmet hat, sollte weiter vorsichtig bleiben: Bis zum Wochenende zeigt sich der Winter in Berlin und Brandenburg weiter auch von gefährlichen Seiten. Am Donnerstag heißt es: Vorsicht, neue Glatteis-Gefahr. Laut Deutschem Wetterdienst (DWD) wird es dann etwas milder, mit Höchsttemperaturen über null Grad. Weil die Frostluft in Teilen auf Regen treffe, rechnet der DWD mit Eisregen und Schnee.
Doch vorerst bleibt es frostig: In der Nacht auf Mittwoch erwartet der DWD minus vier bis minus elf Grad und bis zu zwei Zentimeter Neuschnee. Die tiefsten Werte werden für die Uckermark prognostiziert.
An vielen Stellen in Berlin wird nach Angaben von Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU) weiter daran gearbeitet, zu streuen oder Eis zu beseitigen. Weitere Bezirke, die Bedarf gemeldet hätten, hätten Streugut von der BSR erhalten. "Nach derzeitigem Stand und den derzeitigen Wetterprognosen ist davon auszugehen, dass die BSR auch weiterhin den Bedarf an Streugut decken kann, sofern keine veritablen Mengen an Neuschnee oder Glatteis eintreten."
Was die Glätte für Menschen im Rollstuhl bedeutet
Gerade für Menschen mit Geh- oder Sehbehinderung sei ein nicht gestreuter Boden nicht nur ärgerlich, sondern lebensgefährlich, betont der Vorsitzende des Landesbeirats für Menschen mit Behinderungen, Thomas Seerig. "Bis Mitte, Ende Februar brauchst du irgendwelche Außenaktivitäten nicht zu planen. Man ist vom gesellschaftlichen Leben komplett abgeschnitten", sagt Seerig, der selbst im Rollstuhl sitzt. Seit vier Wochen könne er das Haus nicht verlassen. Zweimal in der Woche sei ihm vom Arzt Krankengymnastik verordnet. "Die hat dieses Jahr bisher einmal stattgefunden", schildert Seerig.
Hinzu komme, dass die Beschäftigten der Winterdienste nicht ausreichend sensibilisiert seien: Er müsse regelmäßig darauf hinweisen, "dass sie bei uns am Haus die Rampe freimachen", schilderte Seerig. Für Lebensmittel müssten viele Betroffene auf Lieferdienste per App oder Webseite zurückgreifen. "Und ansonsten ist man auf die Freundlichkeit von Nachbarn angewiesen."
Viele Menschen trifft der Winter besonders hart
"Natürlich spüren wir in jedem Winter, dass generell Hilfsbedarfe von vulnerablen Gruppen steigen", erklärt der stellvertretende Teamleiter Soziale Hilfen und Soziales Ehrenamt vom Deutschen Roten Kreuz, Bastian Schlink. Das betreffe typischerweise die Kältehilfe und Kleiderkammern. Vulnerable Gruppen sind etwa alte, kranke, arme, wohnungslose und behinderte Menschen.
Eingeschränkter Winterdienst, ausfallende Fahrdienste und Probleme im öffentlichen Personennahverkehr erhöhten den Bedarf an Hilfe noch. Hier zeige sich eine "nicht ausreichende Infrastruktur, wo sich Menschen hinwenden können".
Warnstreik im Nahverkehr beendet - U-Bahnhöfe wieder offen
Nach einer der kältesten Nächte dieses Winters von Montag auf Dienstag können die Menschen in Berlin und Brandenburg immerhin wieder Busse, U-Bahnen und Trams nutzen – und Obdachlose sich in den U-Bahnstationen aufwärmen. Infolge des Warnstreiks der Gewerkschaft Verdi bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) waren die Bahnhöfe trotz der Kälte am Montag geschlossen geblieben. Nun sind sie wieder geöffnet.
Trotz der Minusgrade harrten einige Obdachlose die Nacht über auf der Straße aus. In der Hardenbergstraße nahe dem Bahnhof Zoologischer Garten waren aber deutlich weniger Schlaflager zu sehen. Auch am Alexanderplatz gab es anders als sonst keine größeren Ansammlungen von schlafenden Obdachlosen.