Berlin & BrandenburgSorgenkind RE1 mit vielen Ausfällen - Sperrungen angekündigt

Die Zuglinie RE1 bereitet vor allem im Osten Brandenburgs vielen Pendlern massive Probleme. Züge fallen aus oder verspäten sich deutlich. Die Betreiber äußern sich besorgt.
Berlin (dpa/bb) - Die RE1-Zuglinie zwischen Magdeburg und Frankfurt (Oder) ist das große Sorgenkind der Ostdeutschen Eisenbahn GmbH (Odeg). In diesem Jahr seien bis April bereits 13 Prozent der Verbindungen durch Baustellen ausgefallen, sagte Odeg-Geschäftsführer, Lars Gehrke, in Berlin. Vor allem die Großbaustellen zum Neubau der Bahnhöfe Berlin-Köpenick und Fangschleuse würden die Verlässlichkeit auf dieser Linie "massiv beeinflussen".
RE1 - Lebensader von West nach Ost
Seit 2022 bespielt die Odeg die Verbindung. Sie gilt als eine der meistgenutzten Strecken Brandenburgs. Rund 60.000 Menschen nutzen nach Odeg-Angaben den RE1 täglich. Mit Magdeburg, Potsdam und Berlin verbindet sie gleich drei Landeshauptstädte. Doch seit einiger Zeit häufen sich kurzfristige Ausfälle, Verspätungen und kurzfristig angekündigter Ersatzverkehr. Die Odeg macht dafür insbesondere die Konzerntochter DB Infrago als Gleisnetzbetreiberin verantwortlich.
"Die Strecke Berlin und Frankfurt ist seit Jahren eine Großbaustelle", sagte Gehrke. Der Osten Brandenburgs drohe "abgehangen zu werden", ergänzte der Brandenburger Linke-Bundestagsabgeordnete Christian Görke. Es brauche eine stärkere Priorisierung der Bahn bei dem Bauvorhaben entlang der Strecke und vor allem den zweigleisigen Ausbau der Ostbahn.
Lange Sperrung ab 2029 angekündigt
Der Bund sehe aktuell keinen Bedarf beim Ausbau der Ostbahn, führte Görke aus. Dabei habe die Bahn bereits angekündigt, die Strecke zwischen dem Berliner Ostbahnhof und Frankfurt (Oder) ab 2029 für neun Monate zu sanieren. Die Odeg rechnet angesichts dieser Ankündigung mit drastischen Ausfällen und Verbindungsproblemen. Das sei "Selbstmord mit Ansage", sagte Linken-Politiker Görke zu den Sanierungsplänen.
Wenn man den Weg der neunmonatigen Sperrung jetzt verkünde, sollte automatisch auch die Planung rund um die Finanzierung für den zweigleisigen Ausbau der Ostbahn - auch als Bypass - auf den Weg gebracht werden, betonte Görke. "Man kann Ostbrandenburg nicht so zurücklassen, wie man das mit dieser Vollsperrung in Erwägung zieht." Es gebe Möglichkeiten, die Bauplanungen zu optimieren.
Die Strecke Berlin - Küstrin und weiter Richtung Polen ist nicht elektrifiziert und auf deutscher Seite zum Teil nur eingleisig. Vor rund zwei Jahren wurde eine Oderbrücke zwischen dem polnischen Kostrzyn und dem brandenburgischen Küstrin-Kietz eröffnet. Der Ausbau der Ostbahn von Berlin bis Küstrin-Kietz kostet laut einem früheren Gutachten für den Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) bis zu 1,3 Milliarden Euro in zwei Stufen, bis 2036 und danach.