Berlin & BrandenburgStart mit Fragezeichen: Hertha droht ein Übergangsjahr

Die Chance für die jungen Wilden scheint so groß wie noch nie bei Hertha BSC. Wer sich infolge des XXL-Umbruchs Hoffnungen auf Spielzeit machen darf und wer den Fußball-Zweitligisten nun anführt.
Berlin (dpa/bb) - Kaum eine Mannschaft startet mit so großen Fragezeichen in die neue Zweitliga-Saison wie Hertha BSC. Nach einem tiefgreifenden XXL-Umbruch, prominenten Abgängen und einer neuen Spielphilosophie weiß vor dem Auftakt am Freitag (20.30 Uhr) beim VfL Bochum niemand so recht, was von den Berlinern zu erwarten ist. Der Hauptstadt-Club steht vor einem Neustart - mit ungewissem Ausgang.
"Es wird geprägt sein durch ein Abtasten, durch eine Nervosität. Aber wir werden eine Mannschaft erleben von Hertha, die die Prinzipien, die sie sich erarbeitet hat, auch in Bochum umsetzen wird", kündigte Geschäftsführer Peter Görlich im rbb an. Mut dürfte den Berlinern machen, dass sie ungeschlagen durch die Saisonvorbereitung marschierten. Zum Abschluss trotzte der Hauptstadt-Club Bundesligist 1. FC Köln ein respektables 2:2 ab.
Hertha setzt auf "total spannende Jungs"
Nach insgesamt 13 Abgängen und nur einem Neuzugang hat Hertha nicht nur an Kaderbreite, sondern auch massiv an Qualität verloren. Leistungsträger wie Fabian Reese, Michael Cuisance oder Tjark Ernst sind weg, neue Anführer müssen gefunden werden. "Das kann aber auch ein Vorteil sein. Dadurch kann sich innerhalb einer Gruppe eine neue Dynamik entwickeln", sagte Mittelfeld-Boss Paul Seguin dem Fußball-Magazin "Kicker" über den Umbruch.
Der 31-Jährige ist nun der Älteste im Kader und wird mehr Verantwortung übernehmen müssen. Gleiches gilt für Josip Brekalo, Linus Gechter, Marton Dardai oder Marten Winkler. Klar ist für Seguin: "Die Chance auf mehr Spielzeit ist für den einen oder anderen jetzt größer." Auch Görlich sprach von "total spannenden Jungs" im Team und erklärte: "Wir glauben einfach daran, dass der beste Transfer der interne Transfer ist."
Gouram, Hildebrandt, Grothe - die jungen Wilden wittern ihre Chance
Zu diesen spannenden Jungs gehört Soufian Gouram. Dem 20-Jährigen, der im Mai seinen ersten Profivertrag unterschrieb, winkt nach starken Leistungen in den Testspielen sogar ein Startelfplatz im Mittelfeld. "Ich habe sozusagen einen Fuß in die Tür bekommen. Jetzt will ich weiter hart arbeiten", hatte Gouram bei der Saisoneröffnung angekündigt.
Auch mit Sturm-Talent Niklas Hildebrandt plant Leitl. Die Chance auf Einsatzminuten sind für den 18-Jährigen durch den Abgang von Dawid Kownacki gestiegen. Zumal auch Luca Schuler und Sebastian Grönning als Mittelstürmer nur selten überzeugen. Auch Innenverteidiger Jerome Diallo (17) oder Linksverteidiger Mayson Grothe (17) gehören zur nahen Zukunft des Hauptstadt-Clubs. Die Chance für die jungen Wilden ist bei Hertha so groß wie vielleicht nie.
Platz 9 als Ziel - Hertha steht vor einem Übergangsjahr
Klar ist: Hertha hat nach der verkorksten Vorsaison einiges gutzumachen. Mit Platz sieben scheiterte die Aufstiegsmission kläglich. Die Fans werden das 1:6-Debakel am letzten Spieltag in Bielefeld immer noch nicht vergessen haben.
Vielleicht auch, um die Erwartungen zu dämpfen und mögliche Unruhe bei einem schlechten Saisonstart zu vermeiden, gab Geschäftsführer Peter Görlich diesmal ein deutlich bescheideneres Ziel aus: Platz neun soll es mindestens werden - "mit einer maximalen Ambition nach vorne".
Klingt ganz nach einem Übergangsjahr für die Berliner. Junge Spieler entwickeln, um nächste Saison wieder anzugreifen? "Sie haben von den ersten sechs Spielen vier Auswärtsspiele. Da kann es schnell eklig werden. Wenn man einen einstelligen Tabellenplatz erreicht, ist man Stand jetzt absolut zufrieden. Und das wird schon schwer", sagte Sky-Experte Torsten Mattuschka.