Berlin & BrandenburgTod von Polizist: Angeklagter fuhr wie ein "Rallyefahrer"

Vor etwa einem Jahr stirbt ein Polizist bei einer Verfolgungsjagd. Nun steht der mutmaßliche Täter vor Gericht. Mehrere Videos dokumentieren, wie rasant die Verfolgungsjagd verlief.
Cottbus/Lauchhammer (dpa/bb) - Im Prozess um einen getöteten Dresdner Polizisten hat das Landgericht in Cottbus Videoaufnahmen von der tödlichen Verfolgungsjagd gezeigt. Die Sequenzen, die von Polizisten gefertigt wurden, zeigen eine völlig enthemmte Fahrweise des mutmaßlichen Täters. Er sei "rücksichtslos" gefahren, sagte einer der Polizisten, der als Zeuge geladen war.
Der Angeklagte soll im Januar 2025 bei der Verfolgungsjagd in Südbrandenburg einen 32 Jahre alten Polizisten mit seinem Wagen erfasst und getötet haben. Vorher hatten er und weitere Beteiligte zwei Autos gestohlen - einen Audi und einen Jeep. Der Angeklagte war in einem Begleitfahrzeug eingeteilt.
Mit 190 Kilometern pro Stunde auf Landstraße
In den Videos ist zu sehen, mit welchen Geschwindigkeiten die Verfolgungsjagd geführt wurde. Innerorts wurden Geschwindigkeiten von über 100 Kilometern pro Stunde erreicht. Außerorts schoss der Verfolgte mit fast 190 Kilometern pro Stunde über Landstraßen. Er sei über Fußwege und in entgegengesetzter Richtung in Kreisverkehre gefahren. So berichtet es der Polizist, der mit Kollegen die Verfolgung aufgenommen hatte. "Man dachte, der Mann ist ein Rallyefahrer."
Der polnische Staatsangehörige muss sich dem Gericht wegen des Vorwurfs des Mordes stellen. Während eines Überholvorgangs soll er den Polizeibeamten erfasst haben, als dieser gerade einen sogenannten Stop-Stick - eine Art Nagelgürtel - auf die Fahrbahn legen wollte.
Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, er habe mit der Tat verdecken wollen, dass er als Mitglied einer Autoschieber-Bande an einem Diebstahl beteiligt war. "Verdeckungsabsicht" gilt juristisch als ein Mordmerkmal. Für den Prozess sind insgesamt neun Verhandlungstage angesetzt.