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Berlin & BrandenburgToter Polizist: Zeuge schildert letzte Momente

18.02.2026, 14:43 Uhr
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In Lauchhammer starb vor etwa einem Jahr ein Polizist bei einer Verfolgungsjagd mit Autodieben. Im Prozess vor dem Landgericht schildert ein Kollege die letzten Momente vor dem Aufprall.

Cottbus/Lauchhammer (dpa/bb) - Im Prozess um den toten Polizisten aus Dresden hat sein Polizeipartner die letzten Momente vor dem tödlichen Vorfall geschildert. "Wir müssen raus. Wir müssen raus" seien die letzten Worte im Leben des getöteten Maximilian Stoppa gewesen - kurz bevor er aus dem Polizeifahrzeug stieg, sagte sein damaliger Beifahrer vor dem Landgericht in Cottbus. Die beiden befanden sich im Einsatz und wollten Autodiebe an der Flucht hindern.

Der Angeklagte soll im Januar 2025 in Südbrandenburg den 32 Jahre alten Polizisten mit seinem Wagen erfasst und getötet haben. Vorher hatten er und weitere Beteiligte zwei Autos gestohlen - einen Audi und einen Jeep. Der 27-jährige polnische Angeklagte war in einem Begleitfahrzeug der Bande eingeteilt. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Mord vor.

Er selbst habe etwas länger gebraucht, um aus dem Auto auszusteigen, weil seine Dienstwaffe am Gurt festhing, schilderte der Kollege vor Gericht. In dieser Sekunde sei der Skoda, in dem der Angeklagte saß, gegen das Polizeiauto geprallt. Die Airbags gingen los. Glas splitterte. Anschließend lief er um das Auto. "Ich sah dann eine verletzte Person", führte er aus. Zunächst dachte er, es sei der flüchtende Fahrer. "Ich habe dann erkannt, dass es Max Stoppa war."

Großer Blutfleck vor Ort

"Ich wusste erst mal gar nicht was passiert ist", sagte er im Zeugenstand. Er habe zunächst vermutet, dass sein Kollege gestolpert sei und der Wagen ihm womöglich über die "Gliedmaßen" fuhr. Dann sah er einen "größeren Blutfleck". "Ich wusste, dass es wohl was Größeres ist." Stoppa habe nicht mehr geatmet und auch nicht mehr reagiert.

Am vierten Prozesstag wurden im Landgericht in Cottbus außerdem Videoaufnahmen von der tödlichen Verfolgungsjagd gezeigt. Die Sequenzen, die von Polizisten gefertigt wurden, zeigen eine völlig enthemmte Fahrweise des mutmaßlichen Täters. Er sei "rücksichtslos" gefahren, sagte einer der Polizisten, der als Zeuge geladen war.

Mit mehr als 100 Kilometern pro Stunde in der Ortschaft

In den Videos ist zu sehen, mit welchen Geschwindigkeiten das Auto verfolgt wurde. Innerorts wurden Geschwindigkeiten von über 100 Kilometern pro Stunde erreicht. Außerorts schoss der Verfolgte mit fast 190 Kilometern pro Stunde über Landstraßen. Er sei über Fußwege und in entgegengesetzter Richtung in Kreisverkehre gefahren. So berichtet es der Polizist, der mit Kollegen die Verfolgung aufgenommen hatte. "Man dachte, der Mann ist ein Rallyefahrer."

Der Angeklagte wirkte angesichts der Videosequenzen, die die Fahrt kurz vor dem Unfall dokumentierten, erschrocken. Er habe alle Verkehrsregeln missachtet, die man so kennt, sagte ein weiterer Polizist, der als Zeuge auftrat. Aber er habe seinen Wagen unter Kontrolle gehabt. "Alle Achtung", schob er nach. "Er konnte mehr als gut fahren."

Der polnische Staatsangehörige soll während eines Überholvorgangs den Polizeibeamten erfasst haben, als dieser gerade einen sogenannten Stop-Stick - eine Art Nagelgürtel - auf die Fahrbahn legen wollte.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, er habe mit der Tat verdecken wollen, dass er als Mitglied einer Autoschieber-Bande an einem Diebstahl beteiligt war. "Verdeckungsabsicht" gilt juristisch als ein Mordmerkmal. Für den Prozess sind insgesamt neun Verhandlungstage angesetzt.

Quelle: dpa

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