Hamburg & Schleswig-Holstein21-Jährige stirbt nach Drogengabe - Prozess gegen Freund

Ein drogenabhängiger Mann soll seiner Freundin Rauschgift mit tödlichen Folgen gespritzt haben. Auch zwei Jugendliche soll er in Gefahr gebracht haben. Jetzt steht er in Hamburg vor Gericht.
Hamburg (dpa/lno) - Am Landgericht Hamburg hat ein Prozess um den Drogentod einer jungen Frau begonnen. Angeklagt ist ein 21-Jähriger, der seiner gleichaltrigen Freundin zweimal harte Drogen gespritzt und damit ihren Tod verursacht haben soll.
Der drogenabhängige Mann soll wenige Monate nach der Tat auch zwei 16-jährigen Mädchen Morphin, Heroin und Ketamin injiziert haben. Eine der berauschten Jugendlichen vergewaltigte er laut Anklage, die andere geriet in einen lebensbedrohlichen Zustand.
Die Staatsanwaltschaft wirft dem 21-Jährigen Totschlag in Tateinheit mit Verabreichen von Betäubungsmitteln mit Todesfolge vor. Weitere Anklagepunkte sind gefährliche Körperverletzung in Tateinheit mit unerlaubtem Verabreichen von Betäubungsmitteln in neun Fällen, darunter in einem Fall tateinheitlich mit Vergewaltigung.
Morphin aus der Apotheke
Der schwer drogenabhängige Angeklagte hatte seit Oktober 2023 die Ersatzdroge Morphin auf Rezept bekommen. Eigentlich hätte er das Mittel in der Apotheke schlucken müssen, versteckte es aber im Mund und kochte es zu Hause auf, um es sich spritzen zu können. Dabei hätten ihm Kenntnisse aus seiner Ausbildung als Altenpfleger geholfen, erklärte der Staatsanwalt.
In der Nacht zum 4. Februar 2025 injizierte er seiner Partnerin eine unbekannte Menge Morphin, so die Anklage. Die 21-Jährige erlitt einen schweren Asthmaanfall und musste als Notfall im Krankenhaus behandelt werden. Nur rund drei Wochen später, in der Nacht zum 27. Februar, soll er ihr erneut eine hohe Dosis Morphin gegeben haben. Die Frau erlitt eine Atemdepression und starb.
Bewusstlose Jugendliche in kaltes Wasser gelegt
Gut einen Monat danach, Anfang April, soll der Angeklagte eine 16-Jährige unter Drogen gesetzt und sie im wehrlosen Zustand vergewaltigt haben. Bis August 2025 soll er ihr fünf weitere Male Morphin oder Heroin gespritzt haben. In einem Fall am 1. Juli wurde die Jugendliche bewusstlos. Er habe sie in eine mit kaltem Wasser gefüllte Badewanne gelegt, um sie aus der Bewusstlosigkeit zu holen.
Auch nach diesem Zwischenfall soll der Angeklagte der 16-Jährigen weitere Male Drogen verabreicht haben. Ende Juli sei die Mutter zur Wohnung des Angeklagten gekommen, um ihre Tochter abzuholen. Weil sie sich kaum bewegen konnte, sei die Mutter mit ihr in die Notaufnahme der Uniklinik gegangen. Doch auch danach soll der Angeklagte dem Mädchen ein weiteres Mal Morphin gespritzt haben.
16-Jährige in Lebensgefahr
In der Nacht zum 5. September setzte der 21-Jährige laut Anklage eine andere 16-Jährige unter Drogen. Er injizierte ihr Ketamin. Die Droge ist eigentlich ein Narkose- und Schmerzmittel. Am Morgen soll er ihr noch eine Dosis Morphin gegeben haben.
Die 16-Jährige wurde bewusstlos und erlitt einen Atemstillstand. Der Angeklagte habe auch sie in eine Wanne mit kaltem Wasser gelegt. Weil sie dennoch nicht aus der Bewusstlosigkeit erwachte, rief er laut Staatsanwaltschaft die Rettungskräfte. Diese konnten die 16-Jährige reanimieren. In einem lebensbedrohlichen Zustand sei sie ins Kinderkrankenhaus Altona gebracht worden, hieß es.
Ausschluss der Öffentlichkeit angekündigt
Eine Woche später wurde der Angeklagte verhaftet. Warum das nicht schon nach dem Tod der 21-Jährigen geschehen war, konnte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft nicht sagen.
Vor Gericht kündigte seine Verteidigerin eine Aussage für den nächsten Verhandlungstag an. Die Vorsitzende Richterin, Anne Meier-Göring, deutete an, dass die Jugendstrafkammer zuvor die Öffentlichkeit ausschließen werde. Die Mutter der Verstorbenen und eine der 16-Jährigen lassen sich im Prozess als Nebenklägerinnen vertreten.
Der Angeklagte war zur Tatzeit 20 Jahre alt und damit noch Heranwachsender. Das Gericht hat 20 weitere Termine bis zum 21. September angesetzt.