Hamburg & Schleswig-HolsteinAlles anders bei St. Pauli: Club vor Neuanfang nach Abstieg

Und nun geht auch noch der Kapitän von Bord. Der grunderneuerte FC St. Pauli steht zum Zweitliga-Start vor einer ungewissen Zukunft.
Hamburg (dpa/lno) - Der Abgang von Kapitän Jackson Irvine steht sinnbildlich für den Umbruch beim FC St. Pauli. Während der Club nach zwei Jahren in der Fußball-Bundesliga wieder zweitklassig spielt, wechselt die einstige Identifikationsfigur in Japans erster Liga und will eine "neue Kultur und eine neue Lebensweise" kennenlernen.
In Hamburg endete damit eine fünfjährige Ära, in jener der auf dem Kiez lebende Australier wie ein Popstar gefeiert wurde, aber zuletzt wegen seiner politischen Haltung zum Gaza-Krieg unter den Fans polarisierte.
Auch seine Äußerungen nach dem Abstieg, der Verein müsse sich auf allen Ebenen hinterfragen, kam bei den Club-Verantwortlichen um Präsident Oke Göttlich und Sportchef Andreas Bornemann ebenfalls nicht gut an. Die Entfremdung zwischen Club und Spieler war kaum noch zu übersehen. Für alle Beteiligten ist Irvines Abschied nach Osaka daher die beste Lösung.
Irvine ging mit Wechselwunsch auf Club zu
Der 33-Jährige war nach seiner WM-Pause, die ihn auch als Tourist nach Japan führte, selbst an den Club mit dem Wunsch herangetreten, zum japanischen Erstligisten Cerezo Osaka wechseln zu dürfen.
"Nach intensiven Gesprächen haben wir diesem Wunsch entsprochen. Wir danken Jacko für den Einsatz in den vergangenen Jahren und wünschen ihm sowie seiner Familie für die Zukunft alles Gute", wurde Bornemann zitiert.
Hrgota direkt gegen Ex-Club gefragt
Zukunft ist ein gutes Stichwort. Denn der Kiez-Club steht ähnlich wie Irvine nach dem Abstieg vor einem Neuanfang. Die Fans erwartet ein grunderneuerter Club: andere Liga, in Marcel Rapp ein neuer Trainer, viele abgewanderte Leistungsträger wie die Abwehrspieler Karol Mets, Hauke Wahl, Manolis Saliakas sowie Torwart Nikola Vasilj - und einige Neue im Kader.
Einer davon ist Routinier Branimir Hrgota, der am ersten Spieltag gleich gegen seinen Ex-Club antritt. Am Sonntag (13.30 Uhr/Sky) empfangen die Hanseaten die SpVgg Greuther Fürth im Millerntor-Stadion.
Der Neuzugang im Angriff und gleich stellvertretende Kapitän hinter der neuen Führungskraft David Nemeth freut sich auf das schnelle Wiedersehen mit den Kollegen aus Franken. Sieben Jahre trug er das Kleeblatt auf der Brust. "Es war eine sehr, sehr schöne Zeit", schwärmte er. Dass die Partie gegen den Ex so früh angesetzt wurde, sei "schon lustig" gewesen. Doch es sei auch "gut", das Spiel "direkt wegzuhaben".
Neben Hrgota holte die sportliche Führung um Bornemann wieder für das breite Publikum eher unbekannte Profis. Da wären der finnische Abwehrspieler Rony Jansson, der Ex-Magdeburger Marcus Mathisen oder etwa der Australier Sam Klein. Dagegen werden Stammkräfte der Vorsaison wie Abwehrspieler Eric Smith und Mittelfeldakteur Joel Chima Fujita mit großer Wahrscheinlichkeit den Club noch verlassen.
Im Vergleich zur vergangenen Saison wollen die Hamburger wieder mehr gestalten, statt gegen bessere Gegner hinten kompakt zu stehen. Der offensive Ansatz von Trainer Rapp - Nachfolger von Alexander Blessin - war zuletzt klar erkennbar. Das Testspiel gegen den spanischen Erstliga-Aufsteiger Deportivo de A Coruña am vergangenen Wochenende lieferte einen Vorgeschmack, als die offensiv engagierten Hanseaten ein 2:2 zustande brachten. Samt eines spektakulären Treffers des Niederländers Martijn Kaars, der in der vergangenen Saison zumeist blass blieb.
Hrgota: Liga "schwierig"
Der Verein möchte sich in der kommenden Spielzeit im oberen Teil der Tabelle aufhalten. In den deutschen Top 25, wie Sportchef Bornemann und Vereinschef Göttlich immer wieder betonen. Neben dem klaren Favoriten VfL Wolfsburg kristallisiert sich kein anderer Verein als klarer Aufstiegsanwärter heraus. Die Niedersachsen traten ebenso wie der FC St. Pauli den Weg in die zweite Liga an, aber haben im Vergleich die deutlich größere Finanzkraft.
Vom direkten Wiederaufstieg spricht am Millerntor bislang niemand. "Jetzt direkt ein Ziel zu setzen vor der Saison, da finde ich, das ist sehr, sehr schwer", sagte Hrgota und ergänzte: Die Liga sei "schwierig".