Hamburg & Schleswig-HolsteinBaggern für den Natur- und Klimaschutz

Moore gehören zu den wertvollsten Naturgebieten in Schleswig-Holstein. Wenn sie nicht trockengelegt sind – wie 90 Prozent der Flächen. Mit Baggereinsatz macht die Wiedervernässung Fortschritte.
Heidmoor (dpa/lno) - Schwarzes Moor matscht, saugt und wabbelt unter den Gummistiefeln, Bagger auf breiten Raupenketten arbeiten sich durch den tiefen Boden. Als wollte das Wetter zeigen, das vor allem Wasser für intakte Moore nötig ist, peitscht heftiger Regen über das Grotmoor. Hier in der kleinen Gemeinde Heidmoor im Kreis Segeberg haben die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein und die Schleswig-Holsteinischen Landesforsten eine weitere große Moorrenaturierung begonnen.
Neun Kilometer Dämme
Auf einer fast 96 Hektar großen Fläche der Landesforsten schütten Bagger Dämme auf mehr als neun Kilometern Länge auf, damit künftig Regenwasser aus dem Bereich nicht mehr abfließt.
Ziel ist nach Angaben der Stiftung Naturschutz, das Wachstum von Torfmoosen wieder in Gang zu bringen und die Oxidation von Torf zu beenden. Die Einsparung von Treibhausgasen auf dieser Fläche liegt den Angaben zufolge bei rund 1.200 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr. In einem ersten Abschnitt waren 2022 und 2023 bereits gut 73 Hektar der mit 650 Hektar größten Moorfläche Schleswig-Holsteins vernässt worden. Intakte Moore sind auch wertvolle Lebensräume für Tiere wie Kreuzotter, Ringelnatter, Moorfrosch, Feldlerche und Bekassine.
Ministerin und Minister loben das gemeinsame Projekt
"Im Grotmoor verbinden wir naturnahe Waldwirtschaft und konsequenten Moorschutz miteinander", unterstrich Landwirtschaftsministerin Cornelia Schmachtenberg (CDU). Sie besuchte die Baustelle gemeinsam mit Umweltminister Tobias Goldschmidt (Grüne), dem Direktor der Landesforsten, Chris Freise, und dem geschäftsführenden Vorstandsmitglied der Stiftung Naturschutz, Ute Ojowski. Goldschmidt betonte die Bedeutung der Zusammenarbeit: "Das gilt auch für den Moorschutz."
"Hier entsteht eine Perle unseres Landes, hier wird Natur wiederhergestellt und hier zeigen wir, wenn wir Naturschutz und Klimaschutz machen, dass wir dem Land ein großes Geschenk machen", so Goldschmidt. Er sprach von einer Genetationenaufgabe. "Weil natürlich auf diesen Flächen häufig auch Menschen wirtschaften. Und die wollen wir mitnehmen in Richtung klimaneutrale Zukunft."
Schmachtenberg sprach von einem großartigen Projekt. Besonders sei die Finanzierung über Moorfuture-Zertifikate und nicht über Steuergeld. Die Menschen im Land könnten solche Zertifikate kaufen und sich damit für den Klimaschutz einsetzen. Die reinen Baukosten liegen bei rund 400.000 Euro.
Moor wächst langsam, ist aber schnell zerstört
Der Projektentwickler Janis Ahrens von der Stiftung Naturschutz wies darauf hin, wie lange es dauert, bis sich ein Moor bildet. Wachstum und Absterben von Torfmoosen bringen rund einen Millimeter Torfwachstum pro Jahr. "Das heißt, ein Meter Torf ist 1.000 Jahre Moorgeschichte." Zerstörung gehe viel schneller. Entwässerter Torf werde bei Kontakt mit Sauerstoff zersetzt. Dabei entsteht Kohlendioxid. "Und zwar so viel, dass es in Deutschland sieben Prozent der gesamten Klimagasemissionen sind, in Schleswig-Holstein sogar 18 Prozent, weil wir ein moorreiches Land sind", so Ahrens.
"Was wir hier machen ist, wir löschen einen Brand", sagte Freise. Ein Brand ohne Feuer allerdings, wenn der Torf oxidiert wird. Die Landschaft sehe zwar schön aus, aber die organische Masse verbrenne jeden Tag ein Stück weiter, so Freise. "Das wird hier verhindert, indem wir bei der Badewanne einfach den Stöpsel reinsetzen."
Damit das Wasser künftig auf der Fläche bleibt, ziehen die Bagger zunächst einen tiefen Graben um das Gelände und zerstören die in früherer Zeit eingebauten Drainagen. Der Graben wird mit Torf gefüllt. Dieser wird stark verfestigt, so dass unterirdisch kein Wasser mehr abgeleitet werden kann. Die Dämme seien nötig, weil sich die Niederschlagsverteilung im Laufe des Jahres verändert habe, sagte Ahrens. Der Regen des Winters solle aufgefangen werden für den Sommer. Ende März werden für die Brutsaison der Vögel die Arbeiten unterbrochen. Im August soll dann alles fertig werden.
Es gebe natürlich auch Nutzungskonflikte zwischen Landwirtschaft und Wiedervernässung von Mooren, räumte Schmachtenberg ein. Deswegen sei es gut, wenn es Projekte gebe, bei denen die Partner gut miteinander zusammenarbeiten. "Aber klar ist, wir haben auch andere Flächen im Land, wo es durchaus Herausforderungen gibt." Landwirte beteiligen sich an Moorvernässungen ausschließlich auf freiwilliger Basis. Den Landwirten sei das Problem sehr klar. "Hier müssen wir gemeinsam mit der Landwirtschaft Lösungen finden und nicht gegen die Landwirtschaft", sagte Schmachtenberg.