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Hamburg & Schleswig-HolsteinDrei Jahre Notpflegeangebot: Finanzierung ab 2027 unklar

13.05.2026, 13:53 Uhr
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Duschen, Wundversorgung, Ungezieferbehandlung: Für viele Menschen ist das Notpflegeangebot am Hamburger Hauptbahnhof ein wichtiger Zufluchtsort. Doch die Zukunft des Projekts ist ungewiss.

Hamburg (dpa/lno) - Die Zukunft des Notpflegeangebots der Bahnhofsmission Hamburg ist wegen noch fehlender Zusagen zur Finanzierung für 2027 noch ungewis. "Für Menschen, die im Regelsystem keinen Zugang haben, ist es die einzige Möglichkeit, überhaupt pflegerische Hilfe zu bekommen: ohne Termin, ohne Krankenkassenkarte und direkt am Hauptbahnhof", sagte die Vorsitzende der Pflegemission am Hamburger Hauptbahnhof, Ramona Buchholz.

Mehrere Tausend Mal geholfen

Buchholz untermauerte die Bedeutung des Angebots: In der dreijährigen Testphase versorgten die Helfer fast 2.500 Mal Wunden. Mehr als 500 Menschen wurden wegen Ungeziefer behandelt und fast 1.300 Mal konnten sie eine Dusche nehmen. Projektträger sind die Hoffnungsorte Hamburg gemeinsam mit den Johannitern und Maltesern.

Für die Finanzierung ab 2027 seien die Projektträger mit der Sozialbehörde im Gespräch und zeigten sich optimistisch. Eine Vollfinanzierung verspreche man sich aber nicht: "Wir gehen davon aus, dass es auch weiterhin gesellschaftliches Engagement braucht", sagte der Geschäftsführer der Hoffnungsorte Hamburg, Axel Mangat.

Notpflegeunterkunft schließt Lücke im Versorgungssystem

Das Team bestehe ausschließlich aus Pflegefachpersonal. Das schließe eine zentrale Versorgungslücke im Hamburger Hilfesystem, "weil pflegerische Fachkompetenz in niedrigschwelligen Einrichtungen oft fehlt", so die Träger auf Instagram. In der Folge würden schwerwiegendere Krankheitsverläufe verhindert und andere Teile des Hilfesystems entlastet, erklärte Buchholz.

Dank geringer Dokumentationspflichten bleibe mehr Kapazitäten für die Patienten: "Ohne Termin, mit viel Zeit, so weit wie möglich barrierearm". Mehr als 5.000 Kontakte zu mehr als 1.000 Patientinnen und Patienten wurden in den letzten drei Jahren gezählt.

Bessere Unterbringung für Pflege von Wohnungslosen gefordert

"Ich bin froh, dass ich alle zwei, drei Tage herkommen darf, mir einen neuen Verband neu machen lassen", erzählte ein Patient der Notunterkunft auf Instagram. In Krankenhäusern würde er aus Kapazitätsgründen abgewiesen. Auch Hausverbote in anderen Einrichtungen "aufgrund von Wundgeruch" kämen vor, berichtete Mangat. Um die Pflege von Wohnungslosen zu sichern, brauche es langfristig rund um den Hauptbahnhof generell verbesserte, pflegerisch unterstützte Unterbringungsmöglichkeiten, betonte er.

Quelle: dpa

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