Hamburg & Schleswig-HolsteinExotisches Holz soll Pfähle vor Schiffsbohrmuscheln schützen

Die Muschel zerstört immer wieder Holzpfähle und Buhnen in Nordsee und Ostsee. Um die Teile in Schleswig-Holstein vor den gefräßigen Muscheln zu schützen, wird teils ein besonderes Holz verwendet.
Kiel (dpa/lno) - Schiffsbohrmuscheln sorgen mancherorts an der Nordseeküste und Ostseeküste für Zerfall von Holzpfählen und Buhnen - das kann auch Folgen für den Küstenschutz haben. Als Schutz vor den Muscheln werden daher einige dieser Holzkonstruktionen mit einem besonders widerstandsfähigen Holz ersetzt: "Bei Erneuerungen von Holzbuhnen wird häufig das zu den Harthölzern zählende Eukalyptusholz eingesetzt", teilte eine Sprecherin des Umweltministeriums Schleswig-Holstein mit der Deutschen Presse-Agentur mit.
Muschel bedroht Schiffswrack in der Ostsee
In Kappeln hatte die Pfahl- oder Schiffsbohrmuschel vor einigen Jahren den Heringszaun zerfressen. Unter anderem die Stützpfosten aus Eschenholz waren damaligen Angaben der Stadt zufolge durchlöchert worden. Der marode Zaun musste erneuert werden. Im Kampf gegen die Bohrmuscheln soll Eukalyptusholz aus Südafrika helfen - denn den einheimischen Hölzern setzt die Bohrmuschel zu stark zu.
Aber nicht nur Pfähle aus heimischen Holz sind bedroht - auch historische Schiffswracks können den gefräßigen Muscheln zum Opfer fallen. So war etwa vor einigen Jahren bei der Bergung eines in der Trave in Lübeck entdeckten Wracks eines Handelsschiffs aus dem 17. Jahrhundert aus Expertensicht Eile geboten. Der Grund: Nach Einschätzung von Archäologen war das Wrack von der Schiffsbohrmuschel bedroht.
Nordsee: Schäden auf Föhr und in Büsum Nordsee:
Auch an der Nordsee sind in Häfen und im Küstenbereich immer wieder Buhnen, Poller oder Lahnungen von den gefräßigen Muscheln betroffen und werden zerstört, sagte ein Biologe der Schutzstation Wattenmeer der dpa.
"Die durchlöchern das Holz so sehr, dass die Stabilität dabei gen Null geht." Unter anderem in Büsum und auf der Insel Föhr waren deshalb Holzteile im Wasser ausgetauscht worden. Der Befall mit der Schiffsbohrmuschel ("teredo navalis") oder auch Schiffsbohrwurm sei dabei dem Experten zufolge je nach Jahr wechselnd - der Befall der Wasserlarven komme "invasionsartig". Die ökologische Nische der Schiffsbohrmuschel sei eigentlich Treibholz.
In List auf Sylt waren vor 10 bis 15 Jahren die Holzpfähle ersetzt worden – "unter anderem waren sie von Bohrmuschel und der Bohrassel (Limnoria lignorum) geschädigt", teilte der Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein (LKN.SH) der dpa mit. Die Ursache des Schadens ist nicht konkret auf eine Art oder Interaktion zurückzuführen, da oftmals viele Faktoren zusammenwirken. "Die Bohrmuschel war aber auch am Werk." Auch im Büsumer Hafen waren demnach in den vergangenen Jahren Schäden durch die Bohrmuschel festgestellt worden.
Küstenschutzanlagen in SH oft aus Stein oder Beton
An den landeseigenen Küstenschutzanlagen an der Ostseeküste und Nordseeküste sind im nördlichsten Bundesland bei den Deichen und den Buhnen demnach nach Angaben des dafür zuständigen LKN.SH keine Schäden durch die Schiffsbohrmuschel zu verzeichnen.
"Buhnen und sonstige wasserbauliche Anlagen des Landes Schleswig-Holstein sind in diesem Bereich in der Regel aus Stein, Beton oder Stahlbeton hergestellt", teilte die Behörde mit. Nach heutiger Kenntnis werden auch Buhnen, die in kommunaler oder privater Trägerschaft liegen, vielfach als Steinbuhnen gebaut.