Hamburg & Schleswig-HolsteinHamburgs Brücken-Koloss ist wieder auf dem Weg

Auf 1.088 Rädern bewegt sich Hamburgs neue Sternbrücke zu ihrem Bestimmungsort. Nach einem unvorhergesehenen Zwischenstopp kurz nach dem Start geht es nun weiter.
Hamburg (dpa/lno) - Die neue Sternbrücke ist wieder auf dem Weg durch das Herz Hamburgs. Nachdem es am Vormittag wegen Problemen auf dem Transportweg einen unvorhergesehenen Zwischenstopp gegeben hatte, rollt der 3.700-Tonnen-Koloss nun die letzten etwa 500 Meter entlang der Max-Brauer-Allee. Der Einhub des 108 Meter langen und 21 Meter breiten Bauwerks soll nach Angaben eines Bahnsprechers am frühen Freitagmorgen bis etwa 3.00 Uhr erfolgen.
Hamburgs Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) bezeichnete die neue Bahnüberführung im Bezirk Altona als "einen zentralen Punkt im europäischen Bahnnetz und auch in unserer Stadt". Er nannte die Projektarbeit eine "Koordinierungsleistung der Extraklasse".
Nach der für Ende August vorgesehenen Wiedereröffnung werden pro Tag etwa 1.000 Züge auf der sogenannten Verbindungsbahn fahren. Laut Tjarks sind täglich etwa 90.000 Menschen in den Zügen unterwegs. Dazu kämen etwa 23.000 Pkw und gut 5.000 Radfahrer, die die Brücke unterqueren.
Gerd-Dietrich Bolte, Vorstand der Bahn-Tochter InfraGo, sagte: "Die Sternbrücke ist mehr als ein Bauwerk." Sie stehe für eine "bessere Infrastruktur" mitten im Leben der Hamburgerinnen und Hamburger. Sie leiste einen Beitrag dafür, dass mehr Menschen zuverlässig auf der Schiene unterwegs sein könnten.
Stahlkoloss wird auf 1.088 Rädern bewegt
Bewegt wird der Stahlkoloss auf 48 sogenannten SPMT - die Abkürzung steht für Self-Propelled Modular Transporter (selbstfahrender Modultransporter). Auf insgesamt 1.088 Rädern, die um 360 Grad drehbar sind, erfolgt der Vorschub auf der Max-Brauer-Allee.
Die Straße wurde dafür durchschnittlich um etwa 60 Zentimeter aufgeschüttet und mit Stahlplatten verstärkt. Entlang des Weges wurden Laternen abgesägt, das Vordach einer Tankstelle gekappt und 86 Bäume gefällt. Die maximale Geschwindigkeit des Transports beträgt einen Kilometer pro Stunde.
Schon am Mittwoch war die Brücke etwa 50 Meter seitwärts versetzt und auf die Einbauhöhe von sechs Metern über dem Straßenniveau angehoben worden.
Neues Wahrzeichen für die Hansestadt?
Das etwa 100 Jahre alte Vorgänger-Modell nannte Anjes Tjarks "eine tolle Brücke, die aber nicht mehr reparabel war". Die neue Sternbrücke sei eine "Landmark für das Schanzenviertel für die nächsten 100 Jahre". Das Bauwerk habe die Chance, ein Wahrzeichen für die Hansestadt zu werden, so der Verkehrssenator weiter.
An dem Neubau hatte es in den vergangenen Jahren immer wieder Kritik gegeben. So verloren unter anderem Musikclubs, die unter dem alten Bauwerk untergebracht waren, ihre Heimat. Laut Tjarks könne die Brücke nach der Wiederherstellung der Max-Brauer-Allee wieder zu einem Kulturraum werden. Dafür solle auch eine besondere Beleuchtung sorgen. Tjarks: "Bis dahin ist es noch ein Weg, aber wir sind dabei."