Regionalnachrichten

Hamburg & Schleswig-HolsteinHapag-Lloyd-Gewinn bricht ein – Nahost-Krise treibt Kosten

26.03.2026, 14:27 Uhr
Die-Hamburger-Reederei-Hapag-Lloyd-hat-im-vergangenen-Jahr-deutlich-weniger-verdient-als-im-Jahr-zuvor

Hapag-Lloyds Gewinn ist stark gesunken. Der Konflikt im Nahen Osten und hohe Betriebskosten setzen dem Unternehmen zu. Was das für Aktionäre und die Zukunft bedeutet.

Hamburg (dpa/lno) - Wegen niedrigerer Frachtraten und gestiegener Kosten sind bei der Hamburger Reederei Hapag-Lloyd im vergangenen Jahr die Gewinne eingebrochen. Bei einem Gesamtumsatz von rund 18,6 Milliarden Euro erzielte die weltweit fünftgrößte Reederei ein Konzernergebnis von 924 Millionen Euro, wie das Unternehmen mitteilte. Im Jahr zuvor hatte der Gewinn bei einem Umsatz von gut 19 Milliarden Euro noch bei knapp 2,4 Milliarden Euro gelegen.

Hapag-Lloyd will drei Euro Dividende je Aktie ausschütten

Hapag-Lloyd-Chef Rolf Habben Jansen nannte 2025 dennoch ein gutes Jahr für die Reederei. "Wir haben unsere Transportmenge gesteigert und den Markt übertroffen." Angesichts des Ergebnisses wollen Vorstand und Aufsichtsrat der Hauptversammlung eine Dividende in Höhe von 3,00 Euro je Aktie vorschlagen. Das entspreche einer Gesamtausschüttung von etwa 500 Millionen Euro.

Die Hansestadt Hamburg kann sich damit als Anteilseignerin auf voraussichtlich 73 Millionen Euro vor Steuern freuen - nach rund 200 Millionen im vergangenen Jahr. Die mit Abstand höchste Dividende erhielt Hamburg während der Corona-Pandemie. Damals überwies Hapag-Lloyd für das Geschäftsjahr 2022 mehr als 1,5 Milliarden Euro an die Stadt.

Habben Jansen sieht schwierige Zeiten kommen

Für das laufende Geschäftsjahr sieht Habben Jansen schwierige Zeiten auf die Reederei zukommen. Schon zu Beginn des Jahres hätten ungünstige Wetterbedingungen die Geschäftsentwicklung belastet. "Außerdem führt der Konflikt im Nahen Osten nun zu erheblichen Störungen in unserem Netzwerk sowie zu einem deutlichen Anstieg der operativen Kosten."

Die Reederei ist direkt vom Iran-Krieg betroffen. Insgesamt sechs Schiffe steckten im Persischen Golf fest, weil die Straße von Hormus faktisch geschlossen ist, sagte Habben Jansen. "Wir loten alle Möglichkeiten aus, um unsere Schiffe und unsere Crews sicher aus der Region herauszubekommen. Aber im Moment haben wir noch keine Lösung gefunden."

Bis zu 50 Millionen US-Dollar zusätzliche Kosten - pro Woche

Da die sechs Schiffe nun nicht zur Verfügung stünden, müssten 25.000 Container auf andere Schiffe verteilt werden. Und auch die Kosten seien erheblich gestiegen, vor allem in den Bereichen Treibstoff, Versicherungen und Containerlagerung. Habben Jansen sagte: "Wir haben 40, 50 Millionen US-Dollar zusätzliche Kosten - pro Woche."

Hapag-Lloyd rechnet deshalb für das laufende Geschäftsjahr mit einem schlechteren Ergebnis, schließt sogar Verluste nicht aus. So erwarte der Vorstand im laufenden Jahr einen Gewinn vor Zinsen und Steuern zwischen minus 1,3 Milliarden und plus 400 Millionen Euro. "Diese Prognose bleibt aufgrund der sehr volatilen Entwicklung der Frachtraten und des Konflikts im Nahen Osten mit erheblichen Unsicherheiten behaftet", betonte Hapag-Lloyd.

Übernahme der israelischen Reederei Zim bis Ende des Jahres

Habben Jansen verteidigte die Übernahme der israelischen Reederei Zim: "Wir haben ähnliche Strategien, wir haben ähnliche Werte." Er gehe davon aus, dass Synergien in Höhe von 300 bis 500 Millionen US-Dollar möglich seien. Die Reederei Zim rangiert auf Platz zehn der weltgrößten Container-Reedereien und hat ihren Sitz in Haifa. Als Übernahmepreis waren den Angaben zufolge mehr als vier Milliarden US-Dollar vereinbart worden.

Für den Deal sind noch mehrere Genehmigungen nötig, darunter jene des Staates Israel. Diese seien bereits angeleiert. Bis Ende des Jahres soll die Transaktion abgeschlossen sein. Eine außerordentliche Hauptversammlung bei Zim sei für den 30. April angesetzt. Unter den Großaktionären von Hapag-Lloyd sind Katar (12,3 Prozent) sowie Saudi-Arabien (10,2 Prozent).

Hapag-Lloyd beschäftigt nach eigenen Angaben weltweit rund 18.000 Menschen, ist in 140 Ländern mit 400 Büros präsent und betreibt 133 Liniendienste zwischen mehr als 600 Häfen auf allen Kontinenten. Den Containerbestand bezifferte die Reederei auf 3,7 Millionen TEU.

HHLA steigert Umsatz, macht aber weniger Gewinn

Neben Hapag-Lloyd legte auch der Hamburger Hafen-Logistiker HHLA seine Zahlen vor. Dieser konnte im vergangenen Jahr zwar den Umsatz steigern, machte aber trotzdem deutlich weniger Gewinn. So stieg der Konzern-Umsatz im Vergleich zu 2024 um knapp zehn Prozent auf rund 1,76 Milliarden Euro, wie die Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) mitteilte. Auch das Betriebsergebnis vor Abzug von Zinsen und Steuern habe sich deutlich um 19,5 Prozent auf 160,5 Millionen Euro erhöht.

Trotzdem seien am Ende aber nur rund 9,8 Millionen Euro übriggeblieben. Der Grund: steuerliche Einmaleffekte. Wegen des mauen Ergebnisses wollen Vorstand und Aufsichtsrat der Hauptversammlung nun vorschlagen, für das Geschäftsjahr 2025 keine Dividende auszuschütten. Im laufenden Geschäftsjahr rechnet die HHLA beim Betriebsergebnis vor Zinsen und Steuern mit 175 bis 195 Millionen Euro.

Im vergangenen Jahr sei der konzernweite Containerumschlag um 5,4 Prozent auf rund 6,3 Millionen Standardcontainer (TEU) gestiegen. Davon seien knapp 6,0 Millionen TEU an den Hamburger Containerterminals Buchardkai, Altenwerder und Tollerort umgeschlagen worden - 4,8 Prozent mehr als 2024.

Quelle: dpa

Regionales