Hamburg & Schleswig-HolsteinIndustriebetriebe im Norden wenden sich von den USA ab

Mehr als jeder vierte Betrieb will in der digitalen Infrastruktur die Abhängigkeit von US-Firmen verringern. Das geht aus einer Blitzumfrage der Verbände Nordmetall und AGV Nord hervor.
Hamburg (dpa/lno) - Infolge der protektionistischen US-Handelspolitik versuchen Industriebetriebe in Norddeutschland, ihre Abhängigkeit von den USA zu verringern. Das ist das Ergebnis einer Blitzumfrage der Industriearbeitgeberverbände Nordmetall und AGV Nord, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.
Mehr als jeder vierte Betrieb gibt demnach an, in der digitalen Infrastruktur die Abhängigkeit von den USA verringern zu wollen. Die Firmen sind beispielsweise auf der Suche nach anderen Anbietern von Software- und KI-Anwendungen.
Das Vertrauen in die Beziehungen zu den USA schwindet
"Jeder Handelskonflikt mit den USA trifft auch die norddeutsche Wirtschaft empfindlich, und das Vertrauen in die seit mehr als hundert Jahren gewachsenen Beziehungen erodiert stetig", sagte der Nordmetall-Hauptgeschäftsführer, Nico Fickinger, laut Mitteilung.
Nach Beobachtung von Fickinger kehren die Unternehmen den USA zunehmend den Rücken zu und richten sich auf andere Märkte aus. "Darum ist nicht nur das EU-Handelsabkommen mit Indien so wichtig; deshalb darf auch das Abkommen mit dem Mercosur nicht länger politisch torpediert werden."
Der Mercosur-Deal war zu Jahresbeginn in Paraguay nach mehr als 25 Jahren Verhandlungen unterzeichnet worden. Es soll eine neue Freihandelszone mit mehr als 700 Millionen Einwohnern geschaffen werden. Das Abkommen ist aber noch nicht in Kraft getreten. Im Januar beschloss das Europäische Parlament, das Abkommen überprüfen zu lassen.
Suche nach anderen Exportzielen
Wie aus der Befragung der Verbände weiter hervorgeht, ordnet zudem annähernd jeder vierte Betrieb Ausfuhranstrengungen neu. Dabei geht es darum, andere Exportziele als die USA zu erschließen.
Und beinahe jeder fünfte Betrieb arbeitet an der Neuordnung der Lieferketten, um nicht etwa Zwischenprodukte aus den USA beziehen zu müssen.
Nicht alle Unternehmen wenden sich von den USA ab. Einige intensivieren gegen den Trend die Zusammenarbeit: So geben sechs Prozent der Betriebe an, dass ein eigener Produktionsstandort in den USA aufgebaut wird. Ein solches Vorgehen kann der Umgehung von Einfuhrzöllen dienen.
Nahezu 150 Betriebe haben sich beteiligt
An der Befragung haben sich den Angaben nach 147 Mitgliedsbetriebe der Verbände beteiligt. Die Umfrage begann am 26. Januar und endete am 4. Februar. Angeschrieben wurden Geschäftsführungen und Personalleitungen.
Nordmetall und AGV Nord vereinen nach eigenen Angaben rund 700 Mitgliedsunternehmen mit mehr als 180.000 Beschäftigten in Schleswig-Holstein, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Bremen und dem nordwestlichen Niedersachsen.