Hamburg & Schleswig-HolsteinKriminalität sinkt - aber auch 2025 "schlimme Taten"

Die Kriminalstatistik der Hamburger Polizei weist für 2025 weniger Straftaten als im Vorjahr aus. Die Stadt sei sehr sicher, betont Innensenator Grote. Gewisse schwere Delikte nehmen jedoch zu.
Hamburg (dpa/lno) - Die Hamburger Polizei hat für das vergangene Jahr 5 Prozent weniger Straftaten erfasst. Es wurden 213.596 Delikte gezählt, das sind 11.317 weniger als im Jahr 2024. Die Gewaltkriminalität - zu der gefährliche und schwere Körperverletzungen, Raub, Mord und Totschlag sowie Vergewaltigungen zählen - ging um 5,4 Prozent zurück.
Die Aufklärungsquote stieg von 47,9 auf 49,1 Prozent, der höchste Stand seit 1997. Die sogenannte Kriminalitätsbelastung - die Zahl der Straftaten im Verhältnis zur Einwohnerzahl - sank um 5,6 Prozent. "Hamburg ist eine sehr sichere Stadt", sagte Innensenator Andy Grote (SPD) bei der Vorstellung der Kriminalstatistik. Er hob hervor, dass die Zahl der Gewaltdelikte in Bussen und Bahnen um 12,4 Prozent zurückgegangen sei.
LKA-Chef sieht Trendumkehr
Im Jahr 2024 war die erfasste Kriminalität insgesamt um 4 Prozent gesunken. Die Gewaltkriminalität war jedoch um 7,2 Prozent gestiegen, die Zahl der Raubdelikte um 8,3 Prozent und die der Vergewaltigungen sogar um 8,8 Prozent.
Der Leiter des Landeskriminalamts, Jan Hieber, sagte, der Rückgang bei der Gewaltkriminalität stelle eine Trendumkehr dar. Die Stadtteile St. Georg, das Gebiet um den Hauptbahnhof und St. Pauli blieben für die Polizei Brennpunkte. Dennoch sank auch in diesen Stadtteilen die Zahl der Gewaltdelikte.
Mehr Tötungsdelikte
Für das vergangene Jahr erfasste die Polizei 66 Tötungsdelikte, 49 versuchte und 17 vollendete Fälle von Mord und Totschlag. Für das Vorjahr hatte die Polizei 40 Tötungsdelikte angegeben. Ein Großteil der Verbrechen geht erst mit jahrelanger Verzögerung in die Statistik ein, wenn die Polizei ihre Ermittlungen abgeschlossen hat.
Fünf Frauen wurden in Partnerschaften oder ehemaligen Partnerschaften getötet. In drei Fällen deuteten die Umstände auf einen sogenannten Femizid hin. Von einem solchen Fall spricht die Polizei, wenn die Motivation der Täter auch von der Annahme geleitet wurde, Mädchen und Frauen seien weniger wert.
Mehr Vergewaltigungen
Die Zahl der Vergewaltigungen stieg von 285 auf 319 Fälle. Das bedeutet einen Anstieg um 12 Prozent. Die Tatverdächtigen kämen vor allem aus dem familiären Umfeld der meist weiblichen Opfer. In mehr als 80 Prozent der Fälle habe es eine Vorbeziehung zwischen Täter und Opfer gegeben. Fremdtäter seien eher die Ausnahme, sagte Hieber.
Das Dunkelfeld sei bei Sexualstraftaten groß. Aus Bevölkerungsbefragungen in Deutschland wisse die Polizei, dass in Hamburg nur 1,5 Prozent aller sexuellen Belästigungen und nur 15 Prozent der Vergewaltigungen angezeigt würden. Der LKA-Chef wies auf die Möglichkeit der vertraulichen Spurensicherung hin. Opfer könnten sich im Institut für Rechtsmedizin untersuchen lassen und erst danach entscheiden, ob sie mit dem Beweisgutachten Anzeige erstatten. Die Ärzte unterliegen der Schweigepflicht.
Weniger Raubtaten und Körperverletzungen
Die Zahl der Raubtaten sank um 200 Fälle oder 8,5 Prozent. Fast die Hälfte der Taten wurde auf St. Pauli oder in St. Georg verübt. Auch bei den einfachen Körperverletzungen stellte die Polizei ein Minus fest, allerdings nur um 1,7 Prozent.
Nach den Worten von Polizeipräsident Falk Schnabel ging die Gesamtkriminalität in allen sieben Hamburger Bezirken zurück, am stärksten in Harburg mit 9,3 Prozent. Stärkere Rückgänge verzeichnete die Polizei auch in Mitte (-6,6 Prozent) und Altona (-6,5). Der Rückgang in Mitte sei aber auch auf das Cannabiskonsumgesetz zurückzuführen, das diese Droge seit 2024 weitgehend legalisiert hat. Positive Entwicklungen weist die Statistik den Angaben zufolge auch bei Fahrrad- und Autodiebstählen, Wohnungseinbrüchen und Betrugsdelikten aus.
Schlimme Einzeltaten verunsichern Bevölkerung
Die Hamburger lebten natürlich in keiner kriminalitätsfreien Stadt, sagte Grote. "Es bleibt festzuhalten, dass wir jeden Tag mit Einzelereignissen oder Einzeltaten, schlimmen Taten konfrontiert werden." Die Kriminalstatistik ordne die Entwicklung der Einzelereignisse ein.
Einzelne Taten, wie der Messerangriff einer 39-Jährigen im Hauptbahnhof, bei dem am 23. Mai vergangenen Jahres 18 Menschen verletzt wurden, könnten das Gefühl auslösen: "Es wird immer gefährlicher", sagte Hieber. Aber die nüchternen Zahlen der Statistik zeigten: Es wurden weniger Straftaten unter Einsatz eines Messers (-34,6 Prozent) oder einer Schusswaffe (-12 Prozent) verübt. Der LKA-Chef führte dies auch auf die Waffenverbote und -kontrollen zurück.
Ein Viertel der Delikte fällt nur bei Kontrollen auf
Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) wies darauf hin, dass 24,7 Prozent der Straftaten sogenannte Kontrolldelikte sind. Damit sind Straftaten gemeint, die von der Polizei zur Anzeige gebracht werden, wenn die Beamten etwa einen Schwerpunkteinsatz am Hauptbahnhof machen. "Wo nicht angezeigt oder kontrolliert wird, entsteht kein Fall in der Statistik - das bedeutet jedoch nicht automatisch mehr Sicherheit", erklärte der BDK-Landesverband Hamburg.
Nach Ansicht des innenpolitischen Sprechers der CDU-Fraktion, Dennis Gladiator, schaffen Statistiken allein keine Sicherheit. "Während sich Innensenator Grote für die Zahlen feiert, erleben viele Hamburger täglich das Gegenteil." An vielen Orten der Stadt sei das Sicherheitsgefühl massiv beeinträchtigt. "Offene Drogenszenen, Gewalt- und Begleitkriminalität sowie wiederholte Fälle von Messer- und Schusswaffengebrauch sind das Ergebnis jahrelanger sicherheitspolitischer Versäumnisse", meinte Gladiator.
Regierungsfraktion sieht ihren Kurs bestätigt
Der innenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Sören Schumacher, sieht die Politik des rot-grünen Senats durch die positiven Zahlen der Statistik bestätigt: "Gerade auch der deutliche Rückgang bei Messerangriffen und Schusswaffendelikten verdeutlicht, dass sich unser sicherheitspolitischer Kurs auszahlt."
AfD-Fraktionschef Dirk Nockemann rechnete vor, dass der Statistik zufolge jeden Tag 585 Straftaten verübt wurden, und erklärte: "585 Straftaten pro Tag sind kein Erfolg, sondern ein Alarmsignal. Wer nach einem Rekordjahr von einer Trendwende spricht, verschleiert die Realität."
Die gesamte Kriminalstatistik soll erst in einigen Wochen nach der Pressekonferenz im Polizeipräsidium veröffentlicht werden.