Hamburg & Schleswig-HolsteinLand fördert KI in der Pflege mit etwa 500.000 Euro

Wo fehlen Pflegekräfte wirklich? Mit 500.000 Euro will das Land KI-gestützte Prognosen ermöglichen – doch bei der Datenlage sind noch Fragen offen. Eventuell kann ein Gesetz diese lösen.
Kiel (dpa/lno) - Rund eine halbe Million Euro investiert Schleswig-Holstein zukünftig in die Anwendung von Künstlicher Intelligenz in der Pflege. Digitalisierungsminister Dirk Schrödter (CDU) und Sozialministerin Aminata Touré (Grüne) überreichten dazu Förderbescheide an die Christian-Albrechts-Universität in Kiel. Entwickelt sollen mit dem Geld Anwendungen zur Datenanalyse von Pflegebedarfen im Land.
"Gerade beim Arbeitskräftemangel in der Pflege ist es besonders wichtig, eine sorgsame Bedarfsplanung umzusetzen, um den Pflegebedürftigen die Aufmerksam zukommen zu lassen, die notwendig ist", sagte Schrödter. Das Ziel ist laut Sozialministerin Touré "weiße Flecken" in der Pflegelandschaft zu identifizieren.
Das Land will zusammen mit der Christian-Albrechts-Universität (CAU) eine Benutzeroberfläche entwickeln, die Daten und Prognosen für Akteure im Pflegebereich visuell aufbereitet und online zugänglich macht. So sollen laut Sozialministerin Entwicklungen wie demografische Veränderungen, regionale Unterschiede oder Krankheitswellen frühzeitig in Entscheidungen einfließen.
Umsetzbarkeit hängt von Datenlage ab
Bis Ende 2028 sollen dafür zwei eng verknüpfte Anwendungen entstehen: Zum einen die Pflege-Prognose+, die mit Hilfe KI-gestützter Modelle fortlaufende Prognosen erstellt und nach der KI-Richtlinie des Landes mit rund 400.000 Euro gefördert wird. Zum anderen der Pflege-Monitor+, der Daten visualisiert und Prognosen transparent sowie praxisnah aufbereitet – gefördert nach dem Landespflegegesetz mit etwa 100.000 Euro.
Ein Problem bestehe darin, die nötigen Daten für die Anwendungen zu beschaffen. Die Umsetzbarkeit hänge davon ab, ob dies auf Ebene einzelner Pflegeeinrichtungen gelinge, erklärte Carsten Schultz, Professor für Technologiemanagement an der CAU. In Pflegeeinrichtungen sei etwa die Datenlage deutlich schlechter als in Krankenhäusern. "Das liegt natürlich am Digitalisierungsgrad der Einrichtungen selbst." Aber auch würden unterschiedliche Systeme eingesetzt.
Digitalisierungsminister Schrödter plädierte daher dazu, eine gesetzliche Verpflichtung zu schaffen, dass diese Daten anonymisiert bereitgestellt werden. "Wir unterstützen Pflegebereiche mit viel öffentlichen Mitteln aus einem umlagefinanzierten System", betonte er. Eine Bereitstellung der Daten sei somit auch ein "Akt der gesellschaftlichen Solidarität".