Regionalnachrichten

Hamburg & Schleswig-HolsteinNeue Beauftragte will Antisemitismus messbar senken

21.07.2026, 15:34 Uhr
Sie-will-den-Antisemitismus-bekaempfen-nicht-die-Menschen-die-antisemitisch-sind-sagt-Villiez
(Foto: Katrin Luxenburger/dpa)

Sie will dafür sorgen, dass Hamburg für Jüdinnen und Juden ein lebenswerter Ort bleibt, sagte die neue Antisemitismusbeauftragte. Um den Judenhass zu bekämpfen, setzt sie auf den Bildungsbereich.

Hamburg (dpa/lno) - Hamburgs neue Antisemitismusbeauftragte Anna von Villiez will dafür sorgen, dass der Antisemitismus in der Stadt "langfristig und messbar" zurückgeht. Zwar gebe es in Hamburg keine "Berliner Verhältnisse", sagte sie bei ihrer Vorstellung in der Landespressekonferenz im Rathaus. Spätestens seit dem Terrorangriff der islamistischen Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 habe sich der Antisemitismus aber auf einem sehr hohen Niveau verstetigt. "Und ein großer Teil davon ist der israelbezogene Antisemitismus."

Die Leiterin der Gedenk- und Bildungsstätte Israelitische Töchterschule war Ende Juni nach langer Vakanz des Postens vom Senat zur neuen Antisemitismusbeauftragten berufen worden.

Berufung hatte sich wegen Klage eines Mitbewerbers verzögert

Ihr Vorgänger Stefan Hensel hatte das Amt vor gut einem halben Jahr niedergelegt und hatte diesen Schritt auch mit mangelndem Engagement des Senats beim Kampf gegen Antisemitismus begründet.

Die Nachbesetzung habe sich verzögert, weil ein Mitbewerber Villiez' gerichtlich gegen seine Nichtberücksichtigung vorgegangen war, sagte Gleichstellungs- und Wissenschaftssenatorin Maryam Blumenthal. Zunächst habe man die Entscheidung des Gerichts abwarten müssen.

Zwischenzeitlich habe deshalb eine wichtige Stimme in der Stadt gefehlt. Der zunehmende Antisemitismus müsse wesentlich stärker abgewehrt werden, als es jetzt der Fall ist, sagte die Grünen-Politikerin. Von der neuen Beauftragten erhoffe sie sich dabei auch, "der Politik ein Stück weit auf die Füße zu treten".

Kampf gegen Antisemitismus ist Auftrag an Mehrheitsgesellschaft

Sie wolle sich dafür einsetzen, "dass Hamburg für die die Jüdinnen und Juden ein lebenswerter Ort bleibt mit einer starken jüdischen Gemeinschaft und ohne Antisemitismus", sagte Villiez.

Sie selbst sei nichtjüdisch - evangelisch aufgewachsen und "der Sache auch einigermaßen zugetan." Für ihr Amt sehe sie in ihrer Religionszugehörigkeit kein Problem. "Grundsätzlich denke ich - und das höre ich auch aus der jüdischen Gemeinschaft -, dass die Bekämpfung von Antisemitismus erst mal ein Auftrag an die nichtjüdische Mehrheitsgesellschaft ist", sagte die 1974 in Hamburg geborene Historikerin.

Es gehe darum, "den Antisemitismus in den Menschen zu bekämpfen und nicht die Menschen, die antisemitisch sind", sagte Villiez. "Denn nur wenn wir das erreichen, dann haben wir eine Chance darauf, dass es einmal weniger wird."

Ein Schwerpunkt der Arbeit soll im Bildungswesen liegen

Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit solle das Bildungswesen sein. Jüdische Schülerinnen und Schüler und Studierende müssten in Schulen und an den Universitäten geschützt und Antisemitismus "in den Köpfen und in den Herzen der nichtjüdischen Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer" bekämpft werden.

Dazu müssten die Bildungsangebote im Rahmen der Extremismusprävention gestärkt, Antisemitismussensibilität in der Lehrkräfteausbildung verankert und eine Bildungsstelle gegen Antisemitismus geschaffen werden.

Digitalen Antisemitismus aus jeder Richtung bekämpfen

Zudem wolle sie Formate entwickeln, um für mehr Sichtbarkeit des jüdischen Lebens in der Stadt zu sorgen - "also um im Prinzip positive Blicke möglich zu machen auf die so spannende jüdische Gegenwart".

Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Arbeit solle der digitale Antisemitismus sein. In der digitalen Welt würden rechter, linker und antiisraelischer Antisemitismus verschmelzen. Gerade für junge Menschen, die in hybriden Alltagswelten lebten, sei das Teil der Lebenswirklichkeit. "Und da können sich die Schulen und auch das Elternhaus ganz viel Mühe geben, das ist eine Wirkmacht, die auf junge Köpfe und auch Herzen wirkt."

Quelle: dpa

Regionales