Hamburg & Schleswig-HolsteinPolizei ohne Nachwuchssorgen: Bildungsabschluss wichtig

Um seinen Nachwuchs macht sich Schleswig-Holsteins Landespolizeidirektor keine Sorgen. Es gibt weiterhin deutlich mehr Bewerber als Ausbildungsstellen. Aber nicht alle nehmen die Hürden. Auch viele Abiturienten scheitern bei Diktat und Referat.
Kiel (dpa/lno) - Das Interesse junger Menschen am Polizeiberuf ist in Schleswig-Holstein ungebrochen groß - trotz aller Übergriffe gegen Beamte. In diesem Jahr kommen auf 250 zu besetzende Ausbildungsstellen im gehobenen Dienst 1762 Bewerber, wie das Landespolizeiamt der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Im mittleren Dienst sind es für 176 Stellen 1370 Bewerber. Vor zehn Jahren waren es 1600 beziehungsweise 1704 Bewerber für insgesamt 200 Stellen. Auf beide Laufbahnen bezogen hatten im vergangenen Jahr 69 Prozent der Bewerber Abitur und 28 Prozent die Fachhochschulreife.
Bei den erfolgreichen Bewerbern für den gehobenen Dienst betrug der Anteil der Abiturienten gut 88 Prozent, beim mittleren Dienst immerhin 31 Prozent. Nur 1,3 Prozent kamen mit einem Hauptschulabschluss zum Zuge.
Bei den Prüfungen sind in beiden Laufbahnen ein Intelligenz- und ein Sporttest zu absolvieren sowie ein Diktat zu schreiben. Hinzu kommen ein Einzelgespräch und eine ärztliche Untersuchung. Für den gehobenen Dienst müssen zusätzlich ein Sprach- und ein Bildungstest bestanden und ein Kurzreferat gehalten werden.
"Wir sind in Schleswig-Holstein eine Bürgerpolizei, die Werte nicht nur schützt, sondern durch Haltung und Auftreten auch verkörpert", sagte Landespolizeidirektor Michael Wilksen. "Ich habe keinen Zweifel daran, dass es uns auch in Zukunft gelingen wird, geeignete junge Menschen für die Landespolizei zu begeistern." Aktuell müsse sich die Polizei um ihren Nachwuchs keine Sorgen machen. Wilksen bescheinigte den jungen Polizisten eine tadellose Berufsauffassung, hohe Motivation und Engagement.
Schlagzeilen über Gewalttaten gegen Beamte nähmen angehende Polizisten und deren Eltern sehr wohl zur Kenntnis, sagte ein Sprecher des Landespolizeiamts. Diese verdrängten aber nicht das gute Bild der Polizei und damit die Entscheidung, sich für den Polizeiberuf zu interessieren. Die Bewerber schätzten auch abwechslungsreiche Tätigkeiten, vielfältige Personalentwicklungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten sowie Arbeitszeitmodelle mit Teilzeit-, Heimarbeits- und Elternzeitangeboten.
Den Weg zum Polizeiobermeister (mittlerer Dienst) oder zunächst zum Polizeikommissar (gehobener Dienst) schaffen aber nicht alle Bewerber. Besonders bei Diktat, Referat und Intelligenztest gibt es hohe Durchfallquoten. 27 Prozent betrug sie 2019 beim Intelligenztest und gut 31 Prozent beim Diktat - hier scheiterten auch 20 Prozent der Abiturienten. Von diesen patzten auch 26 Prozent beim Referat.