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Hamburg & Schleswig-HolsteinProzess um sechs Vergewaltigungen - 39-Jähriger vor Gericht

12.01.2026, 13:17 Uhr
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Ein 39-Jähriger soll seine Ehefrau schwer misshandelt und vergewaltigt haben. Eine andere Partnerin setzte er angeblich unter Drogen, bevor er sie vergewaltigte. Der Mann steht nun vor Gericht.

Hamburg (dpa/lno) - In einem Prozess vor dem Landgericht Hamburg wird dem Angeklagten Vergewaltigung in sechs Fällen vorgeworfen. Der 39-Jährige soll seine Ehefrau im Jahr 2018 in Norderstedt (Kreis Segeberg) und 2019 Hamburg-Barmbek gefesselt, geschlagen und vergewaltigt haben, wie es in der Anklage hieß. Eine spätere Partnerin soll viermal sein Opfer geworden sein. Dem Mann ist jetzt auch wegen gefährlicher Körperverletzung und Überlassung von Drogen zum unmittelbaren Verbrauch angeklagt.

Die Ehefrau arbeitete nach Angaben des Staatsanwalts als Escort und habe auf seine Veranlassung einen Freier in der gemeinsamen Wohnung empfangen. Der Angeklagte soll anwesend gewesen und eifersüchtig geworden sein. Er habe ihr gesagt, dass sie alles falsch mache und von dem Freier ablassen solle. Dann habe er sie geschlagen und getreten, mit einer Hundeleine gefesselt und vergewaltigt. Als sie ihn aufforderte, mit der Misshandlung aufzuhören, soll er ihren Kopf so fest in eine Matratze gedrückt haben, dass sie kurzzeitig das Bewusstsein verlor.

Vor der zweiten Tat in einer gemeinsamen Wohnung in Barmbek soll die Frau mit einem Hund Gassi gegangen sein und dabei ihre Einnahmen verloren haben. Daraufhin habe der Angeklagte sie angeschrien, mit einem Gürtel geschlagen, an den Haaren über den Boden gezogen, geknebelt und an eine Heizung gefesselt haben. Dann vergewaltigte und erniedrigte er sie laut Anklage. Sie erlitt zahlreiche Verletzungen und behielt eine Narbe im Gesicht zurück.

Vergewaltigung nach Drogengabe

2021 soll er eine andere Frau, mit der er damals zusammenlebte, viermal in seiner Wohnung im Stadtteil Winterhude vergewaltigt haben. In drei Fällen gab er ihr laut Anklage vorher Drogen. In einem Fall wurde sie davon bewusstlos. Am folgenden Tag soll sie ihn gefragt haben, was passiert sei. Darauf habe er geantwortet, er habe sie vergewaltigt.

Zu den Vorwürfen wollte sich der in Haft sitzende Angeklagte zunächst nicht äußern. Sein Verteidiger Thomas Bliwier erklärte, erst müssten zwei im September vergangenen Jahres von der Staatsanwaltschaft in Auftrag gegebene Gutachten vorliegen. Dann könne sein Mandant entscheiden, ob er vor Gericht etwas sage. In einem der Gutachten soll es um die mögliche Beeinträchtigung der Schuldfähigkeit des Angeklagten gehen, in dem anderen um das Aussageverhalten und eine mögliche psychische Erkrankung einer der Frauen.

Öffentlichkeit soll ausgeschlossen werden

Der Vorsitzende Richter kündigte an, dass die Öffentlichkeit zumindest zeitweise vom Prozess ausgeschlossen werden könnte. Eine Entscheidung soll zu einem späteren Zeitpunkt verkündet werden. Das Gericht hat elf weitere Termine angesetzt, das Urteil könnte am 18. März verkündet werden.

Der Angeklagte ist auch als Influencer auf der Plattform TikTok aktiv und hat dort rund 150.000 Follower.

Seit Anfang des Jahres gibt es am Hamburger Landgericht sieben Große Strafkammern, die auf schwere Sexualstraftaten spezialisiert sind. Die aktuelle Anklage sei aber noch nach dem normalen Turnus der Kammer zugeteilt worden, erklärte eine Gerichtssprecherin.

Quelle: dpa

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