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Hamburg & Schleswig-HolsteinSchleswig-Holstein sucht Krisen-Tipps von Cherson

16.02.2026, 11:11 Uhr
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2.500 Drohnenangriffe pro Woche, 700.000 Teile Munition: Schleswig-Holstein will von Cherson über Krisen-Resilienz lernen. Gouverneur Prokudin hat Zweifel an Europas Verteidigungsbereitschaft.

Kiel (dpa/lno) - Auf einer zweitägigen Sicherheitskonferenz berät Schleswig-Holsteins Landesregierung mit einer Delegation aus der ukrainischen Partnerregion Cherson über zivile Verteidigung und Resilienz. "Wir versuchen, gegenseitig voneinander zu lernen und wir haben große Herausforderungen, auch in Deutschland, was Verteidigungsfähigkeit angeht, was Resilienz angeht, was zivil-militärische Verteidigung angeht", sagte Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) zu Beginn des Treffens, an dem auch Gouverneur Oleksandr Prokudin teilnimmt.

Die Menschen in der Region wüssten, was es bedeute, in Kriegszeiten Versorgung sicherzustellen, Krankenhäuser am Laufen zu halten, Kitas und Schulen geöffnet zu halten, sagte Günther. "All das sind Dinge, auf die wir uns auch vorbereiten müssen, um in der Lage zu sein, uns auf Angriffsszenarien vorzubereiten." An der Konferenz nehmen auch die ukrainische Generalkonsulin in Hamburg, Iryna Tybinka, sowie Vertreterinnen und Vertreter von Bundeswehr, Polizei, der unteren Katastrophenschutzbehörden, der zivilen Verteidigung sowie aus Ministerien und Wissenschaft teil.

Prokudin wieder zu Gast

Bereits im November 2024 hatte Prokudin Kiel besucht. Vor Beginn der Beratungen dankte er Schleswig-Holstein laut Dolmetscherin für seine Hilfe in den vergangenen Jahren. Das nördlichste Bundesland sei Partner Nummer eins der Region Cherson. In den vergangenen vier Jahren seien mehr als 700.000 Teile Munition gefallen. Es gebe Tausende Verwundeter und Tausende Gefallener.

Prokudin berichtete von 2.500 Drohnenangriffen pro Woche. Schleswig-Holstein sei die einzige Region in Deutschland, die interessiert sei an Erfahrungen im zivilen Bereich der Verteidigung und Versorgung und im Militärbereich. Europa sei derzeit nach seiner Einschätzung nicht bereit, falls hier Krieg ausbrechen würde.

An der Konferenz im Innenministerium wollten neben Günther auch die stellvertretende Ministerpräsidentin Aminata Touré (Grüne), Innenministerin Magdalena Finke und Europaministerin Cornelia Schmachtenberg (beide CDU) teilnehmen. Prokudin wird am Dienstag auch an der Kabinettssitzung in Kiel teilnehmen.

Quelle: dpa

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