Hamburg & Schleswig-HolsteinTausende protestieren gegen Uni-Kürzungen in Hamburg

Studierende und Uni-Beschäftigte fürchten den Verlust von 370 Stellen und weniger Studienplätze – jetzt fordern sie 30 Millionen Euro mehr für die Hochschule.
Hamburg (dpa/lno) - Aus Protest gegen Kürzungen an den Hamburger Hochschulen sind Tausende Studierende, Universitätsbeschäftigte und Personalvertretungen auf die Straße gegangen. Unter dem Motto "Wissen Schafft Zukunft" zogen am Donnerstagnachmittag nach Angaben der Polizei rund 7.000 Menschen vom Uni-Hauptgebäude zum Rathaus. Sie fürchten massive Einschränkungen beim Studienbetrieb, einen Rückgang bei den Studienplätzen und den Verlust von bis zu 370 Vollzeitstellen.
Sofortige Erhöhung des Grundetats um 30 Millionen Euro gefordert
Die Beschäftigten und Studierenden forderten deshalb die sofortige Erhöhung des jährlichen staatlichen Grundetats der Universität um 30 Millionen Euro. Außerdem müsse es künftig eine dynamische Anpassung des Grundetats mindestens in Höhe der realen Kostenentwicklungen für Tarifsteigerungen und Sachkosten geben. Aktuell liege der Grundetat der Universität liege ohne bei etwa 390 Millionen Euro.
2011 seien mehr als 10.000 Studierende und Beschäftigte vor das Rathaus gezogen, um die damals drohenden Kürzungen abzuwenden, hieß es im Aufruf zur Demonstration der AG Ausfinanzierung der Universität Hamburg, der auch vom Akademischen Senat unterstützt wurde. Nun sei es erneut Zeit, "erhöhen wir den Druck auf die politisch Verantwortlichen, verschaffen wir uns Gehör".
Universität räumt massive Finanzprobleme ein
Die Universität selbst räumte massive Finanzprobleme ein. Zwar sei das Budget insgesamt gestiegen, jedoch reiche die Finanzierung nicht aus, um die realen Kostensteigerungen sowie den deutlich wachsenden Aufgaben- und Investitionsbedarf zu decken, sagte der Sprecher des Uni-Präsidenten Alexander Lemonakis. Das strukturelle Haushaltsdefizit betrage aktuell rund 22 Millionen Euro.
Allein der Tarifabschluss von 2023 führe seit 2025 zu einer effektiven Kostensteigerung von 8,35 Prozent, die von der Stadt nicht vollständig kompensiert worden sei und somit aus dem Grundbudget der Universität finanziert werden müsse. Die Folge: "Die Fakultäten müssen aktuell 4,5 Prozent sparen, die Verwaltung 5 Prozent", sagte der Sprecher. Bis 2032 seien in den Fakultäten Einsparungen von mindestens 10,5 Prozent und in der Verwaltung von mindestens 11 Prozent vorgesehen, sagte der Sprecher.
Wissenschaftssenatorin Blumenthal will sich nicht äußern
Die zuständige Wissenschaftssenatorin Maryam Blumenthal (Grüne) wollte sich nicht äußern. Ihre Behörde teilte auf Anfrage lediglich mit, dass Blumenthal sich seit Monaten eng mit den Hochschulen abstimme und sich "mit aller Kraft" für die Hamburger Hochschulen einsetze. Hamburgs rot-grüner Senat will bis Ende Juni seinen Haushaltsplanentwurf für die Jahre 2027 und 2028 beschließen. Endgültig verabschiedet werden soll der Doppelhaushalt dann Mitte Dezember von der Hamburgischen Bürgerschaft.