Hamburg & Schleswig-HolsteinViele Beschäftigte im Norden wünschen frühe Rente

Warum viele Beschäftigte in Schleswig-Holstein schon vor dem gesetzlichen Rentenalter aus dem Beruf aussteigen möchten – und welche Rolle die Gesundheit dabei spielt.
Kiel (dpa/lno) - Viele Beschäftigte ab 50 Jahren in Schleswig-Holstein möchten nach einer Untersuchung der DAK-Gesundheit früher in Rente gehen. Nach Zahlen des DAK-Gesundheitsreports "Arbeiten ab 50" sind es 42 Prozent. Für den Report hat das IGES Institut im Auftrag der DAK den Krankenstand aller DAK-versicherten Beschäftigten in Schleswig-Holstein analysiert und Forsa eine repräsentative Bevölkerungsumfrage durchgeführt.
Mehr Beschäftigte mit Gesundheitsproblemen möchten früh in Rente
Der Umfrage zufolge möchten über alle Altersgruppen hinweg 35 Prozent bis zur gesetzlichen Rente arbeiten und 12 Prozent können sich vorstellen, darüber hinaus erwerbstätig zu bleiben. Über einen früheren Ausstieg aus dem Erwerbsleben denken 40 Prozent nach. Ob Menschen länger arbeiten möchten, hängt auch von ihrer Gesundheit ab. 37 Prozent der Beschäftigten mit guter oder sehr guter Gesundheit ziehen demnach einen Renteneintritt vor der gesetzlichen Altersgrenze in Betracht. Bei Beschäftigten mit schlechterem Gesundheitszustand deutlich mehr (59 Prozent).
Ein weiteres Ergebnis des Reports ist, dass ältere Beschäftigte seltener, aber im Schnitt länger krankgeschrieben sind. Im Alter von 66 Jahren liegt der Krankenstand der Beschäftigten in Schleswig-Holstein im Schnitt bei 10 Prozent. Bei den 50-Jährigen liegt der Wert bei 7,2 Prozent.
Beschäftigte ab 50 Jahren mit längeren Krankschreibungen
Beschäftigte ab 50 Jahren kamen 2025 auf 169 Krankschreibungen je 100 Versicherte, bei den unter 50-Jährigen waren es 235 Fälle. Bei Erwerbstätigen ab 50 Jahren dauern die Krankmeldungen mit durchschnittlich 15,5 Tagen deutlich länger als bei Beschäftigten bis 49 Jahren (7,8 Tage).
"Wer über eine längere Lebensarbeitszeit spricht, muss auch über die Gesundheit der Beschäftigten sprechen", folgerte der DAK-Landeschef in Schleswig-Holstein, Cord-Eric Lubinski, aus den Zahlen. "Nur mit gesundheitsfördernden Arbeitsbedingungen, wirksamer Prävention und einer Kultur der Wertschätzung können Menschen bis ins höhere Erwerbsalter leistungsfähig und motiviert arbeiten."
Gegenüber der neuen Aktivrente sind 75 Prozent der Beschäftigten ab 50 Jahren im Norden grundsätzlich offen. 31 Prozent können sich die Nutzung einer Aktivrente gut vorstellen, weitere 44 Prozent schließen dies nicht aus. 25 Prozent lehnen die Aktivrente klar ab. Rentner können nach der neuen Regelung in begrenztem Umfang steuerfrei hinzuverdienen.
Für den Gesundheitsreport wurden nach Angaben der DAK unter anderem die Krankschreibungen von 119.000 erwerbstätigen Versicherten der DAK-Gesundheit in Schleswig-Holstein ausgewertet. Für die repräsentative Forsa-Befragung wurden im November 2025 bundesweit 7.086 Beschäftigte online befragt, davon 3.548 ab 50 Jahren. In Schleswig-Holstein waren es 202 Befragte, davon 100 ab 50 Jahren. Die DAK-Gesundheit ist nach eigenen Angaben die drittgrößte gesetzliche Krankenkasse in Deutschland.