Hamburg & Schleswig-HolsteinZwei Deponien müssen Müll aus Kernkraftwerken aufnehmen

Auf dem Gelände der stillgelegten Kernkraftwerke Brokdorf und Brunsbüttel lagert Müll, der entsorgt werden muss. Weil keine Deponie bereit war, die Stoffe aufzunehmen, wendet das Land jetzt Zwang an.
Kiel (dpa/lno) - Zwei Mülldeponien in Schleswig-Holstein sollen verpflichtet werden, Abfälle aus den Kernkraftwerken Brokdorf und Brunsbüttel aufzunehmen. Das hat das Landesamt für Umwelt (LfU) in Flintbek erklärt.
Den Betreibern der Deponien Harrislee bei Flensburg und Johannistal bei Gremersdorf im Kreis Ostholstein seien entsprechende Anordnungsentwürfe übersandt worden. Diese Entwürfe seien eng mit dem Kieler Umweltministerium abgestimmt, das sowohl für Abfallrecht als auch für die Atomaufsicht zuständig ist, teilte das LfU mit.
Vor allem Dämmstoffe und Bauschutt
Bei dem Müll handele es sich um 195 Tonnen mineralische Dämmmaterialien aus dem Kernkraftwerk Brokdorf und insgesamt 3.675 Tonnen Dämmmaterialien und Bauschutt aus dem Kernkraftwerk Brunsbüttel. Die Abfälle würden nach umfangreichen Messungen zur Deponierung freigegeben und aus dem Strahlenschutzregime entlassen.
Das Wohl der Allgemeinheit sei nicht beeinträchtigt, erklärte das Landesamt. Um Abfälle aus den Kernkraftwerken freizugeben, würden extrem strenge Grenzwerte angelegt. Bei der Freigabe gelte das "10 Mikrosievert-Konzept". Die Dosis von 10 Mikrosievert entspreche etwa einem Zweihundertstel der uns umgebenden natürlichen Hintergrundstrahlung und sei wegen der normalen Schwankungsbreite nicht wahrnehmbar.
Keine Deponie hatte sich freiwillig gemeldet
Keine Deponie in Schleswig-Holstein sei freiwillig zur Aufnahme dieser Abfälle bereit gewesen, erläuterte das LfU. Da weder der Kreis Steinburg, der als Entsorgungsträger für Brokdorf zuständig ist, noch die Abfallwirtschaft Dithmarschen, die für Brunsbüttel zuständig ist, eigene Deponien betreiben und sich auf dem Entsorgungsmarkt keine Vertragspartner gefunden hätten, habe das Landesamt für Umwelt Deponien zur Annahme verpflichten müssen.
Die Deponien Harrislee und Johannistal verfügten beide über eine Zulassung für die beantragten Abfälle und über ein hinreichendes Restvolumen. Deshalb hätten keine Gründe dagegen gesprochen, sie zur Annahme der Abfälle zu verpflichten.
Die Betreiber der Deponien haben jetzt im Rahmen von Anhörungen die Gelegenheit zur Stellungnahme.