HessenAnruf mit Folgen: Wie betrügen falsche Polizisten?

Wertsachen und Ersparnisse weg: Betrüger geben sich am Telefon als Polizisten aus und setzen Opfer unter Druck. Wie funktioniert die Strategie?
Frankfurt (dpa/lhe) - Ein Raubüberfall in der Nachbarschaft, ein drängelnder Polizist am Telefon - und schon ist die Altersvorsorge weg. Betrüger erbeuten immer wieder hohe Geldsummen, indem sie sich als Polizisten ausgeben. Im vergangenen Jahr sind die Fälle solcher Straftaten deutlich gestiegen, wie das Landeskriminalamt auf Anfrage mitteilte.
2024 seien bei der Betrugsmasche "Falscher Polizeibeamter" in der polizeilichen Kriminalstatistik Hessen 357 Fälle erfasst worden, wovon 90 aufgeklärt worden seien. Für das Jahr 2025 wurden 457 Fälle registriert, davon 85 aufgeklärte Fälle. "Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der erfassten Fälle im Jahr 2025 damit um 100 Fälle bzw. rund 28 Prozent gestiegen", hieß es vom LKA.
Wie laufen solche Fälle ab?
Im Landgericht Frankfurt wird gerade ein Fall mit falschen Polizeibeamten verhandelt. Laut Anklage riefen noch unbekannte Täter zunächst ein Ehepaar an und behaupteten, sie seien Polizisten und in der Nachbarschaft habe es einen Raubüberfall durch drei Täter gegeben. Einer der Täter sei festgenommen worden und bei ihm sei eine Liste mit 17 Namen gefunden worden - darunter auch der Name des Ehepaares. Zum Schutz ihrer Wertsachen sollten die Geschädigten diese an die Polizei übergeben.
Das Ehepaar legte daraufhin Schmuck im Wert von mindestens 100.000 Euro, 17.000 Euro Bargeld sowie drei Bankkarten in den Topf. Die beiden Angeklagten sollen die Wertgegenstände anschließend abgeholt und daraufhin an einen bislang unbekannten Mittäter übergeben haben. Nach demselben Muster sollen die Unbekannten wenig später auch eine 84-Jährige in Eppstein kontaktiert haben. Die beiden Angeklagten wurden bei der Abholung der Wertgegenstände im Gesamtwert von rund 350.000 Euro festgenommen.
Welche Maschen gibt es?
Die Verbraucherzentrale Hessen und das Landeskriminalamt listen mehrere Strategien auf, mit denen Betrüger versuchen, als falsche Polizeibeamte an Wertsachen und Geld zu kommen.
Die angebliche Einbruchserie: Die Betrüger behaupten, es gebe Hinweise auf einen geplanten Einbruch oder mehrere Einbrüche in der Nachbarschaft. Um die Wertgegenstände in Sicherheit zu bringen, kommen angebliche Polizeibeamte in Zivil vorbei.
Die angeblichen Europol-Ermittlungen: "Angeblich werde gegen die Angerufenen oder gegen ihre Familienangehörigen wegen Problemen mit Bankkonten, Ausweisen oder anderer Straftaten ermittelt", erklärt die Verbraucherzentrale. "Wer keine Auskunft erteilt, wird mit Haftstrafe bedroht." Letztlich forderten die Anrufer dazu auf, Geld auf Konten im Ausland oder Konten für Kryptowährungen zu überweisen.
Call-ID-Spoofing: Beim Anruf wird eine vorgetäuschte Nummer angezeigt - das können etwa auch die 112 oder 110 sein, obwohl der Anruf von einer ganz anderen Nummer kommt.
Anpassung an aktuelle Ereignisse: Die Geschichten werden demnach laufend angepasst, etwa an Einbruchsserien, Cyberangriffe oder andere aktuelle Entwicklungen, um besonders glaubwürdig zu wirken.
Wie sollte man bei so einem Anruf vorgehen?
Die Polizei warnt davor, darauf zu warten, bis die Anrufer auflegen. "Die Betrüger erwecken den Eindruck, das Gespräch sei bereits beendet, obwohl die Verbindung tatsächlich noch besteht. Wer in dieser Situation die 110 wählt, ohne zuvor selbst aufgelegt zu haben, kann weiterhin mit den Betrügern verbunden sein."
Das LKA schreibt: "Sprechen Sie mit Ihrer Familie oder einer anderen Vertrauensperson über den Anruf." Unbekannten sollte niemals Geld oder Wertsachen gegeben werden. "Echte Polizeibeamtinnen und -beamte fordern niemals die Übergabe von Bargeld, Schmuck oder anderen Wertsachen zur angeblichen "Sicherstellung" oder "Verwahrung" und verlangen auch nicht die Übergabe an einen vermeintlichen Kollegen vor der Haustür."
Warum funktioniert diese Masche trotz Warnungen der Polizei?
Das LKA erklärt, dass in der erzeugten Angst- und Stresssituation das Urteilsvermögen der Betroffenen oftmals eingeschränkt sei. "Gleichzeitig setzen die Täter ihre Opfer unter erheblichen Zeitdruck, halten sie häufig über Stunden am Telefon und isolieren sie gezielt von ihrem sozialen Umfeld. Den Betroffenen wird dabei ausdrücklich untersagt, Angehörige, Nachbarn oder Bekannte zu kontaktieren."
Die Glaubwürdigkeit werde zusätzlich dadurch verstärkt, dass die Opfer mit vermeintlichen Kollegen oder einer angeblichen Staatsanwaltschaft verbunden oder von diesen zurückgerufen werden.
Wie wirkt sich der Betrug auf die Opfer aus?
Menschen, die diesem Betrugsfall zum Opfer fallen, entwickeln laut Polizeipräsidium Westhessen im Nachgang der Taten ein Gefühl von Scham und Angst. Auch das subjektive Sicherheitsgefühl im eigenen Zuhause leidet demnach darunter.
"Im schlimmsten Falle führt dies dazu, dass Geschädigte auch Bedenken und Hemmungen entwickeln, sich an ihre Familie, Vertraute oder die Polizei zu wenden", erklärt eine Sprecherin. Die Polizei setzt deshalb auch großen Wert auf Opferschutz und Opferhilfe.
So berichtet es auch der Geschädigte in dem Fall am Landgericht Frankfurt: "Ich habe wesentlich weniger Kontakt nach draußen", sagt er auf die Frage des Richters, ob er nach der Tat sein Verhalten geändert habe. "Ich bin sehr heimisch geworden. Nicht mehr ganz so fröhlich und lustig wie ich früher gewesen bin."