HessenJubiläum bei der "Lego-Oma" - 150. Rampe ist fertig

Mit Herz und bunten Bausteinen: Rita Ebel baut Rampen, die nicht nur Rollstuhlfahrern das Leben erleichtern.
Hanau (dpa/lhe) - Jubiläum bei der "Lego-Oma": Rita Ebel und ihr Team liefern an diesem Montag ihre 150. Auffahrtshilfe für Rollstühle aus. Die Rampe aus Legosteinen geht an ein vietnamesisches Restaurant in Hanau. Die 68-Jährige kann es selbst kaum fassen, dass nun die 150. Rampe ausgeliefert wird. "Das hätte ich am Anfang nie geglaubt. Ich dachte, wir bauen vielleicht fünf oder sechs Stück", sagt sie lächelnd. Sie empfinde schon einen gewissen Stolz auf dieses Jubiläum.
"Lego-Oma" Rita Ebel und ihr insgesamt neunköpfiges Team - darunter auch Ehemann, Tochter und Enkelin - arbeiten ehrenamtlich. Sie bauen die handgefertigten Einzelstücke in einem Ladengeschäft in der Hanauer Innenstadt. Finanziert wird die ehrenamtliche Tätigkeit vor allem durch Geld- und Sachspenden. An Interessierte verschicken sie auch Baupläne zum Eigenbau.
Die aus Legosteinen gebauten Hilfen stehen in zahlreichen deutschen Städten sowie in Frankreich, Italien und Spanien. Sie sorgen dafür, dass hohe Stufen vor Läden, öffentlichen Gebäuden oder in privaten Häusern kein unüberwindbares Hindernis für Menschen in Rollstühlen - aber auch mit Rollatoren und Kinderwagen - mehr darstellen.
Für Kinder in Rollstühlen werden Ausnahmen gemacht
Meistens gehen die Rampen - oft mit besonderen Motiven - an Geschäfte, Restaurants und Cafés, weil sie dort laut Ebel den größten Nutzen für die Allgemeinheit bringen. Es gibt aber auch Ausnahmen: Auch für Kinder in Rollstühlen bauen die "Lego-Oma" und ihre Helferinnen und Helfer die bunten Rampen. Wünsche der Kleinen nach einer speziellen Gestaltung werden dabei möglichst erfüllt.
Beim Bau der Rampen geht es Ebel nicht nur darum, vielen Menschen das Leben etwas erleichtert zu haben. "Im Vordergrund steht für mich mittlerweile die Aufmerksamkeit, die diese Auffahrtshilfen in den Köpfen der Menschen für das Thema Inklusion wecken", betont sie. "Es wird viel darüber gesprochen, aber wenig umgesetzt. Ich freue mich, dass ich mit diesen bunten Hinguckern Aufmerksamkeit für das Thema erwecken kann." Seit einem Autounfall vor mehr als 30 Jahren ist Ebel selbst querschnittsgelähmt.
Wie geht es weiter?
Wie lange die "Lego-Oma" noch weitermacht, ist offen. Ihre Tochter habe ihr gesagt, sie solle doch bitte versprechen, bei der 200. Rampe aufzuhören, sagt Ebel und grinst.
Und wie sieht sie das selbst? Die "Lego-Oma" würde sich künftig gern etwas aus der Rampenherstellung zurückziehen. Sie hätte lieber etwas mehr Zeit, um sich um die Vorträge zu kümmern, zu denen sie häufig eingeladen werde, sagt die 68-Jährige. Oder um ihre zahlreichen anderen Vorhaben. Bei einem dieser Projekte können Schülerinnen und Schüler beispielsweise selbst erleben, wie es ist, mit einem Rollstuhl unterwegs zu sein.