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HessenZwischen Dankbarkeit und Neubeginn – Ukrainerinnen in Hessen

23.02.2026, 14:17 Uhr
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Drei Mütter aus der Ukraine erzählen, wie sie nach der Flucht neu starten – zwischen Stromausfällen in der Heimat und dem Traum vom eigenen Laden.

Bad Soden-Salmünster (dpa/lhe) - Viele Tausend Menschen haben seit dem russischen Angriff auf die Ukraine vor vier Jahren ihre Heimat verlassen und in Hessen Zuflucht gesucht. Unter ihnen sind drei Frauen, die jetzt im Main-Kinzig-Kreis leben und von dem Verein Ukrainehilfe Birstein und Brachttal unterstützt werden. Ihr Schicksal steht für die Lebenssituation vieler anderer Frauen.

Wie gelingt es den Ukrainerinnen, sich ihr neues Leben in Hessen aufzubauen? Wollen sie hierbleiben oder irgendwann wieder heimkehren?

Galina Federenko kam im Mai 2022 mit ihren beiden Kindern nach Deutschland. Ihr Sohn ist heute 18 Jahre alt und ihre Tochter 12. Die drei leben in Freigericht, der Rest ihrer Familie weiter in der Ukraine. Die alleinerziehende Mutter ist derzeit dabei, ihre Deutschkenntnisse zu verbessern und die nötigen Zertifikate zu bekommen. "Ich bin Buchhalterin und möchte wieder in meinem Beruf arbeiten", sagt die 42-Jährige. "Ich habe viel Berufserfahrung, muss aber weiter Deutsch lernen."

"Mama hat nur vier Stunden Strom"

Mit der Familie und den Freunden in der Ukraine hat sie täglich Kontakt, zumeist über Whatsapp. Die Situation zu Hause sei sehr schwierig. "Meine Mama hat nur vier Stunden Strom am Tag. Vergangene Woche gab es kein Wasser, und die Heizung hat nicht funktioniert." Auch bei ihrem Mann und ihrer Schwester sehe es nicht besser aus.

Ob sie eines Tages in die Ukraine zurückkehren, weiß Federenko nicht. Ursprünglich habe sie das immer vorgehabt. Doch inzwischen hat ihr Sohn Dmytro seinen Realschulabschluss gemacht und bereitet sich derzeit in Hanau auf sein Fachabi vor. Und der Sohn sieht seine Zukunft eindeutig in Deutschland.

"Ich will einmal Maschinenbau studieren", sagt Dmytro. Der 18-Jährige spricht sehr gut Deutsch. Er habe auch sehr viele deutsche Freunde. Eine Rückkehr in sein Geburtsland kann er sich nicht vorstellen. Das sei zu schwer, in Deutschland habe er ein ganz anderes Leben, sagt er.

Deutschland schon vor der Flucht kennengelernt

Olena Demeshko hätte es in dieser Hinsicht etwas einfacher, falls sie einmal in die Ukraine zurückkehren möchte. Ihr Sohn ist erst fünf und damit weit von der Volljährigkeit entfernt. Allerdings habe ihr Kind keine Erinnerung mehr an die Ukraine, sagt die 33-Jährige, die in Bad Soden-Salmünster ein Tattoo-Studio besitzt. Sie floh im April 2022 mit ihrem Sohn vor dem Krieg in ihrer Heimat. Sie hatte allerdings schon vor dem Krieg unter anderem als Au-pair Deutschland-Erfahrung gesammelt.

"Ich konnte schon ein bisschen Deutsch und habe gedacht, vielleicht finde ich hier Arbeit", erzählt sie. Und das hat auch geklappt. Sie arbeitete zunächst für ein Tattoo-Studio in Steinau (Main-Kinzig-Kreis), bevor sie wenige Monate nach ihrer Ankunft in Hessen in Bad Soden-Salmünster ihren eigenen Laden eröffnete.

"Vielleicht erst einmal ein paar Jahre hier bleiben"

Ihre Schwester und deren Familie wohnen in der Nähe von Kiew. "Sie wollen immer mal wieder nach Deutschland zu Besuch kommen, aber irgendwie klappt das nicht", sagt Demeshko. Die 33-Jährige hat sich trotz aller Schwierigkeiten gut in Hessen eingelebt. Ob ihre Zukunft und die ihres Sohnes in der Ukraine oder in Deutschland liegt, weiß die alleinerziehende Mutter aktuell nicht wirklich.

Ihre Heimatstadt liegt im russisch besetzten Teil des Landes. Die Großstadt Lwiw (deutsch Lemberg) in der Westukraine oder Kiew wären eine Option bei einer Rückkehr, überlegt sie. "Ich möchte vielleicht erst einmal ein paar Jahre hier bleiben, weil ich hier mit dem, was ich machen will, eigentlich gut verdienen kann." Ihr Sohn im Kindergartenalter spreche gut Deutsch.

Eröffnung eines eigenen Ladens geplant

Wie Olena Demeshko floh auch Kristina Basos wenige Wochen nach Kriegsbeginn mit ihrem Sohn aus der Ukraine. Beide wohnen in Bad Soden-Salmünster. Wegen einer Behinderung besucht ihr neun Jahre alter Sohn eine Förderschule in Schlüchtern. In der Ukraine arbeitete sie in der Gastronomie. In Deutschland sei ihre Ausbildung inzwischen anerkannt worden, doch sie sei dabei, sich in einer anderen Branche selbstständig zu machen.

Online bietet die Ukrainerin hübsche Geschenksortimente an, die sie je nach Wunsch der Kundschaft beispielsweise mit Blumen, Süßigkeiten, Obst oder Spielsachen arrangiert. Demnächst wird sie Nachbarin von Demeshko und neben deren Tattoo-Studio ihren eigenen Laden eröffnen.

"Elektrizität ist wie Gold"

Basos‘ Schwester und Eltern leben im Norden der Ukraine. Mit ihnen hält sie per Smartphone Kontakt. Wegen der vielen Stromengpässe sei bei ihren Verwandten aber oft der Handy-Akku leer. "Elektrizität ist wie Gold. Damit muss man sparsam umgehen." Wenn es Strom gebe, müsse man viel erledigen, die Wäsche waschen und alles aufladen.

"Ich möchte vielen Dank sagen"

Ihre Zukunft sieht sie für sich und ihren Sohn in Deutschland. In der Ukraine werde es nie wieder so wie vor dem Krieg werden, sagt sie. Sie wolle sich jetzt hier eine Existenz aufbauen und nicht auf gepackten Koffern sitzen. Das sei auch besser für ihren Sohn.

Und eine Sache ist Kristina Basos noch ganz wichtig: "Ich möchte vielen Dank sagen. Sehr, sehr viele helfen und unterstützen uns."

Quelle: dpa

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